Apfel-Sammlung

Zugreifen ist auf städtischen Obstwiesen in Waltrop erwünscht

Kommt die goldene Herbsteszeit, dann leuchten reife Äpfel – und auch Birnen, wie im bekannten Fontane-Gedicht – weit und breit. Der BUND sammelt Äpfel für Saft, die Stadt lädt zum Pflücken ein.
Auf den städtischen Obstwiesen in Waltrop darf man jetzt wieder zugreifen. © Meike Holz

Für den einen sind es einfach „nur“ Obstwiesen. Michaela Heßelmann, bei der Stadt Waltrop zuständig für Grünflächen, spricht lieber von „ökologischen Trittsteinen“, die einzelne Biotope vernetzen. Vereinfacht formuliert ist damit gemeint: Man schafft übers Stadtgebiet verteilt kleine grüne Inseln, die nicht allzu weit voneinander entfernt liegen und sich sozusagen gegenseitig „befruchten“. Das ist bisweilen sogar wörtlich gemeint: Denn Apfelbäume zum Beispiel sind sogenannte Fremdbefruchter, sprich, sie brauchen einen Baum einer fremden Sorte, damit Früchte gedeihen. Deswegen sind Wiesen mit vielfältigen Bäumen gut, und deswegen sind „Trittsteine“ wie die Obstwiesen in Waltrop gut.

Auf den Obstwiesen – insgesamt zehn Flächen gibt es mittlerweile im Innenstadt-Bereich – dürfen sich jetzt die Bürger wieder an Apfel, Birne, Quitte, Zwetschge und Co. bedienen. Natürlich sollte man dabei darauf achten, dass man wirklich nur das Obst pflückt und nicht gleich Äste oder Zweige mit abreißt. Aber ansonsten heißt es: Zugreifen!

Im Grünzug Brockenscheidt – die Obstbäume befinden sich im östlichen Teil – hängen jetzt reife Äpfel an den Bäumen. © Meike Holz © Meike Holz

Wie sind eigentlich die Waltroper Obstwiesen entstanden? Manche große Fläche – etwa die 17.000 Quadratmeter an der Borker Straße oder ein Stück Land nahe dem Hof Beisenbusch auf der Heide – ist für ökologischen Ausgleich, wie er bei der Erschließung von Baugebieten nötig wird, vorgesehen. Die kleineren Obstwiesen in der Stadt sind eher als die oben beschriebenen „Trittflächen“ zu begreifen: zu klein, um es „Park“ zu nennen“, aber groß genug als „grüne Nische“. An der Ecke Koppelkamp/Zur Wallhecke etwa habe sich früher ein Spielplatz befunden, erzählt Michaela Heßelmann. Als der zurückgebaut wurde, habe man die schon existierenden älteren Obstbäume dann als Anfänge einer Obstwiese genutzt.

Jüngste Wiese am Liliencronweg

Jüngste Streuobstwiese ist übrigens die am Liliencronweg: Dort sind im vergangenen Jahr gemeinschaftlich mit Anwohnern elf Obstbäume gepflanzt worden, erzählt Michaela Heßelmann. Die Anlieger haben zudem eine Patenschaft für die Obstbäume übernommen und achten darauf, ob es den Bäumen gut geht, übernehmen in trockenen Phase auch das Wässern. So stehen dort mittlerweile zum Beispiel „Bühlers Frühzwetschge“ oder ein Roter Boskop-Apfel, außerdem eine „Gute Luise“-Birne und die „Hedelfinger Riesenkirsche“. Alte Sorten hatten hier den Vorrang – und es sollten Hochstämme sein, darauf haben Michaela Heßelmann Wert gelegt. Als Hochstämme gelten all jene Bäume, deren Kronenansatz mindestens in 1,80 Meter Höhe liegt. Sie sind insofern ökologisch wertvoll, dass sie auch einen Lebensraum für viele Vogelarten bieten. Naturschützer schätzen Hochstämme, weil sie zum Beispiel dem Specht ermöglichen, seine Höhle hineinzubauen. Obstbetriebe bauen sie kaum noch an, denn man kann diese Bäume nicht so rationell bewirtschaften.

Info

BUND ruft zur Sammelaktion auf

Das Thema heimisches Obst beschäftigt immer im Herbst auch die Mitglieder der BUND-Ortsgruppe Ostvest: Wie jedes Jahr zur Saison führt der BUND eine Apfelsammelaktion durch. Dabei sind aber ein paar Dinge und Qualitätsregeln zu beachten: Die angelieferten Früchte dürfen nur von hochstämmigen Apfelbäumen aus eigenem Streuobstanbau stammen und nicht aus Kleingartenanlagen.

Außerdem dürfen weder die Obstbäume noch der Unterwuchs im Erntejahr mit Pestiziden behandelt worden sein. Ganzjährig tabu ist auf der gesamten Fläche, auf der die Äpfel wachsen, auch, dass Silagesickerstoffe, Abwässer, Klärschlämme oder Ähnliches ausgebracht werden. Wer Obst zum Sammelpunkt bringt, muss zudem dafür Sorge tragen, dass es reif und nicht angefault ist, teilt Dorothee Schomberg für den BUND mit. Annahmetermine sind der 18. September und 9. Oktober, jeweils 8.30 bis 13 Uhr bei der Raiffeisen Warengenossenschaft Emscher-Lippe, Emscher-Lippe-Straße in Datteln.

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