Bezirks-Wettbewerb

Waltroper Kleingärtner sind spitze – ihr Herz schlägt grün

Das hat noch nie ein Kleingartenverein geschafft: Die Waltroper Gartenstadt hat zum dritten Mal in Folge Platz 1 beim Wettbewerb des Bezirksverbands belegt. Was macht die Anlage so besonders?
So idyllisch sieht es auch zurzeit noch in der Gartenstadt Waltrop aus. © Martin Pyplatz

Der Pokal des Anlagewettbewerbs im Bezirksverband Castrop-Rauxel/Waltrop bleibt an der Friedhofstraße: Denn zum dritten Mal hintereinander sicherten sich die Waltroper den ersten Platz – das sei in der Geschichte des Bezirkswettbewerbs einzigartig, sagt Gartenstadt-Vorsitzender Guntram Hahn. 16 Anlagen haben teilgenommen, unterschieden wurde zwischen großen und kleinen, mit mehr beziehungsweise weniger als 50 Parzellen.

Auch die Bürgermeister von Waltrop und Castrop-Rauxel, Marcel Mittelbach (2.v.r.) und Rajko Kravanja (r.), waren mit dabei, als die Waltroper Kleingärtner den Pokal entgegennehmen durften. © Privat © Privat

Bereits im Juli, wenn die Gärten auf Hochtouren grünen und blühen, hatten sich vier Fachberater des Stadtverbands Bochum auf der 50.000-Quadratmeter-Anlage an der Friedhofstraße in Waltrop eingefunden und hatten mit scharfem Blick Gartenstadt unter die Lupe genommen. Da wird geschaut, ob die Lauben gepflegt sind, aber auch, ob es genug Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten und Vögel gibt. Wer Wege mit wassergebundener Oberfläche hat, wird höher bewertet als jemand, der die Pfade asphaltiert. Und auch die Drittel-Regel muss eingehalten werden: Auf den Parzellen müssen die Pächter je ein Drittel für Nutzgarten – Tomate, Kürbis, Apfelbaum und Co. –, für Ziergarten – zurzeit blühen vor allem Herbstaster und Sonnenhut auf der Anlage – und für Freizeitfläche vorhalten. 100 Punkte sind das Maximum, 96 standen später auf der Waltroper Liste. Der Gartenstadt-Vorsitzende Guntram Hahn und sein Stellvertreter Volker Blank sind mächtig stolz auf das Erreichte. Aber sie und die übrigen Mitglieder des Vereins haben natürlich auch viel dafür getan. „Bevor die Prüfer im Juli durch die Anlage gegangen sind, haben hier alle noch mal richtig losgelegt“, erzählen die beiden.

Ökologische Maßnahmen punkten

Was den Prüfern besonders gefallen hat, war, dass die Anlage in sich sehr stimmig ist und abwechslungsreich daherkommt. Anfangs, als die Kleingartenanlagen-Wettbewerbe ausgetragen wurden, da hätten zum Beispiel ökologische Maßnahmen noch nicht so sehr im Fokus gestanden. Aber jetzt: Der Totholzhaufen, der ist mehr als nur ein paar Äste und Stämme: Darin finden Wildbienen ein Zuhause, aber auch Konsolenpilze, und 1000 von rund 5800 einheimischen Käferarten lieben es auch im toten Holz. Das ist übrigens nur eine von vielen Informationen, die auf Tafeln überall im Gelände zu finden sind – zum Teil mit QR-Codes. An der Info-Tafel zur Heckenbraunelle kann man sich so via Smartphone gleich auch den Gesang des Vogels anhören.

Teich wurde letztes Jahr aufgefrischt

Der Teich im Eingangsbereich der Kleingartenanlage ist ein weiteres Biotop, das vielen Lebewesen eine Heimat bietet. Im vergangenen Jahr mussten sie allerdings einmal in einer Gemeinschaftsaktion zum Großreinemachen ausrücken: „Die Seerosen waren so gewuchert – die hat man allein gar nicht mehr rausbekommen“, erzählt Guntram Hahn. Nicht zuletzt sind Bienen sehr wichtige Bewohner der Gartenstadt: Es gibt zum einen eigene Bienenvölker – Hahn ist selbst auch Imker – und entsprechend natürlich auch Blühwiesen, Bienenhotels und alles, was die fleißigen Tiere sonst noch so zum unbeschwerten Leben brauchen.

Das Feuchtbiotop auf der Anlage der Gartenstadt Waltrop. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Gemeinschaftsaktionen und Pflichtarbeitsstunden, die sind zentraler Bestandteil des Kleingärtner-Lebens. Wobei: Wer nicht mehr kann, will oder einfach die Zeit nicht findet, der kann entweder dafür einen Obolus zahlen – aber vielfach würden sich dann auch Nachbarn helfen, berichtet Volker Blank.

Warteliste seit mehreren Jahren

Übrigens: Wer gerne selbst Kleingärtner werden möchte, der muss geduldig sein. 96 Parzellen gibt es in der Gartenstadt, und zurzeit sind alle vergeben. Mehr noch: Elf Interessenten stehen auf der Warteliste, berichtet Blank. Seit zwei, drei Jahren gebe es diese Warteliste. Etwa fünf Gärten, schätzt der Vize-Vorsitzende, würden jedes Jahr im Schnitt neu vergeben. Manchmal hat das Altersgründe, dass Gartenbesitzer die körperliche Arbeit nicht mehr schaffen. Manchmal aber auch spannt der Beruf die eine oder andere Familie mehr ein, als es für die Hege und Pflege der Parzelle in der Gartenstadt gut ist. „Und manchmal kaufen die Leute ein Haus und haben dann dort einen Garten; dann war der Kleingarten ein Übergang“, sagt Guntram Hahn. Insgesamt sei zuletzt indes der Anteil an Familien mit Kindern gestiegen. Die freuen sich dann auch über den Spielplatz (der auch den Prüfer übrigens positiv ins Auge fiel), der unter großen, schattigen Bäumen manche „verschaukelte“ Stunde bietet. Und in Corona-Zeiten, da hätten die Leute generell überdurchschnittlich viel Zeit im Kleingarten verbracht: Wer nicht in den Urlaub fahren konnte, der fand hier eine willkommene Auszeit und konnte sich frei bewegen.

Volker Blank (l.), 2. Vorsitzender des Kleingartenvereins Gartenstadt, zeigt mit dem Vorsitzenden Guntram Hahn den Pokal und die Urkunde für den Gewinn des Anlagenwettbewerbs 2021. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Jetzt neigt sich das Gartenjahr an der Friedhofstraße langsam dem Ende. Hier und da sieht man noch Birnen an den Zweigen, Lauchstangen recken ihre grünen Zotteln in den Himmel, Herbstanemonen wiegen sich im Oktoberwind. Aber das nächste Frühjahr kommt bestimmt…

Info

Gartenjahr 2021

Wie war das Gartenjahr? Durchwachsen, sagen Guntram Hahn und Volker Blank. Zucchini, die hätten die Parzellenbesitzer massig geerntet, aber die Pflanzen gelten auch als „unausrottbar“. Und Äpfel, die seien in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren gut gewesen. Das Frühjahr sei zu kalt gewesen, sagen die beiden Gartenbesitzer, insgesamt sei es vielfach feucht und kühl gewesen. So hat auch die Braunfäule, die zum Beispiel Tomaten befällt, ihr Unwesen treiben können.

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.