Schiffshebewerk-Museum -mit Video

Vom rostigen Dampfer bis zum Eimerkettenbagger

Michél Dirkmann, Leiter der Restaurierungswerkstatt am LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk, erzählt uns die Geschichte von sechs Schiffen des Museums.
Besuch im Schiffshebewerk: Die Cerberus war einst als Polizei- und Feuerlöschboot im Einsatz. © Meike Holz

Historische Schiffe fahrtüchtig zu erhalten oder zumindest den Zahn der Zeit nicht ganz so stark knabbern zu lassen – das ist die Aufgabe, der sich Michél Dirkmann und seine Kollegen täglich stellen. Dirkmann fing einst als Azubi zum Metallbauer im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop an, machte später seinen Meister. Schiffe zu restaurieren, das ist sein Ding. Und er nahm uns mit auf eine Tour zu sechs beispielhaften Schiffen.

Cerberus

Eine Verhörkabine im Innenraum des Schiffes erinnert noch heute an die alten Zeiten der Ceberus. Als Havendienst I war sie bis 1969 in Amsterdam für die Hafenbehörden als Polizei und Feuerlöschboot im Einsatz. Auch die Wasserleitungen und eine Wasserspritze sind noch vorhanden und werden bei Festivitäten von Kindern gerne ausprobiert. Nach vierjähriger Restauration des alten Kessels wartet die Cerberus jetzt nur noch darauf, dass der TÜV sein Okay gibt und der Kessel wieder angeheizt wird.

E 1551:

Im Industriemuseum gibt es am Oberwasser eine eigene Restaurationswerkstatt. © Meike Holz © Meike Holz

Die E 1551 war früher als Monopolschlepper auf den Kanälen unterwegs und hat andere Schiffe hinter sich hergezogen. Als 1967 das staatliche Schleppmonopol endete, übernahm das Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine den Schlepper. Dort fungierte er dann als Eisbrecher und brach das Eis auf den Kanälen. Aktuell ist die E 1551 fahrtüchtig und als Schlepper für die anderen Schiffe des Schiffshebewerk Henrichenburg im Einsatz. Sie hängt sich also vorne an andere Schiffe, die nicht mehr fahrtüchtig sind oder gar keinen eigenen Motor besitzen, wird vertäut und zieht sie dann.

Die Express ist das älteste Schiff im Hebewerks-Museum Henrichenburg in Waltrop. © Meike Holz © Meike Holz

Express

Die Express ist von 1884 und erkennbar das älteste Schiff in Henrichenburg. Dass sie einmal weiß war, lässt sich nur erahnen. Denn nur kleine, vereinzelte Stellen sind nicht mit dickem, braunem Rost überzogen. Die Express ist eine echte Französin. Sie kommt aus Paris, ist damals auf der Seine gefahren und hat sogar die Pariser Weltausstellung besucht. Schaue man sich die gebogenen Geländer oder die Nietverbindungen der Express an, so lasse sich gut erkennen, welche Techniken die Arbeiter früher schon beherrscht haben, erklärt Michél Dirkmann. In absehbarer Zeit soll die Express restauriert werden. Dabei wird die Farbe neu beschichtet und Undichtigkeiten verschlossen. Allerdings werde das noch einige Zeit dauern. Denn so wie die Express werden alle Schiffe, die im Schiffshebewerk Henrichenburg liegen, nach und nach restauriert. Bis Restaurationsarbeiten an einem Schiff abgeschlossen sind, vergehen gut und gerne drei Jahre.

Das Dampfschiff Nixe. © Meike Holz © Meike Holz

Die Nixe

Weil das Dampfschiff laut und dreckig ist, erfreut es sich sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Passagieren großer Beliebtheit. An vier Terminen im Jahr finden jeweils 20 Besucher Platz auf der Nixe und können eine Rundfahrt nach Waltrop und wieder zurück erleben. Auch das Hafenfest in Münster steuert die Nixe jährlich an. Aktuell gönnt sie sich eine kleine Pause von den Strapazen. Ihr Dampfkessel ist kaputt und muss erneuert werden. Bei den Reparaturarbeiten muss beachtet werden, dass der neue Teil des Kessels zu dem alten Teil passt und alle Anschlüsse stimmen. Außerdem wird stets darauf geachtet, dass neue Ersatzteile so genau wie möglich den alten entsprechen, damit die Schiffe möglichst originalgetreu erhalten bleiben. In zwei bis drei Jahren soll die Nixe wieder in Schuss sein.

Eine Kanal-Kilometer-Markierung auf dem Gelände des Industriemuseums. © Meike Holz © Meike Holz

Einzigartig findet Michél Dirkmann die Art und Weise, wie das Schiff gesteuert wird. Aus dem Steuerhaus heraus behält der Kapitän den Überblick. Von dort oben gibt er per Telegraph Kommandos an den Maschinisten im Maschinenraum. Dem Telegraphen kann der Maschinist die vom Kapitän gewünschte Richtung und Geschwindigkeit entnehmen, um dann die jeweiligen Hebel zu betätigen. Die harte Arbeit findet also im Maschinenraum statt, in dem Temperaturen von bis zu 70 Grad herrschen können.

Michél Dierkmann, Leiter der Restaurierungswerkstatt, neben der Barkasse Herbert. © Meike Holz © Meike Holz

Herbert

Die Dieselbarkasse Herbert wurde 1923 in Bergedorf in Hamburg gebaut und hat schon damals Passagiere hin und her transportiert. Aktuell liegt Herbert aber noch nicht einmal auf dem Wasser und muss sich einer Restauration unterziehen. „Dafür wird der Aufbau einmal komplett abgenommen, teilweise müssen Bleche neu eingesetzt werden, weil die mit der Zeit korrodiert sind, sodass Löcher entstanden sind, und da läuft dann über die Zeit Wasser rein, was natürlich nicht gut ist für die Holzeinbauten“, erläutert Dirkmann.

Der Dampfeisenkettenbagger Porta ist das größte der hier vorgestellten Schiffe. © Meike Holz © Meike Holz

Porta

Mit 24 Metern Länge und sechs Metern Breite ist die Porta das größte der sechs vorgestellten Schiffe. Imposant wirkt es vor allem durch die Eimerkette, die sich mit Dampfkraft längs durch die gesamte Mitte des Schiffes bewegt. Die Porta ist nämlich ein Eimerkettenbagger. Um Flüsse wie zum Beispiel die Weser zu verbreitern oder zu vertiefen, wird die Eimerkette heruntergelassen. Die Eimer schleifen dann über den Flussboden, befördern Schlamm und Steine über das Förderband nach oben und entleeren ihr Baggergut über Backbord oder Steuerbord in entsprechende Kähne. „Eimerkettenbaggers gibt es auch heute noch“, erzählt Michél Dirkmann. „Aber natürlich in anderen Dimensionen“, fügt er hinzu. Da die Porta wegen einer Undichtigkeit nicht mehr schwimmfähig ist, fungiert sie heute nur noch als Ausstellungsschiff.

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