Parkfest-Sonntag

Raketen-Start und ein „Bademeister“ in Bestform

Das „Parkfest Extra“ 2021 ist Geschichte. Am Sonntag endete die dreitägige Mini-Ausgabe mit Kinderprogramm am Nachmittag und Kabarett mit Fritz Eckenga, dem „Bademeister“, am Abend.
Die Band "Raketen Erna" sorgte bei den jungen Waltropern und ihren Eltern für Stimmung. © Martina Bialas

Die Band „Raketen-Erna“ aus Berlin landete am Sonntagnachmittag auf der Bühne des Waltroper Parkfests und machte mächtig Stimmung für die kleinen Zuschauer, auch die Eltern hatten ihren Spaß. Mitsingen und mitrappen war absolut erwünscht. Auch gutes Zuhören war angesagt, die Liedertexte hatten es in sich. Das Konzert, vollgepackt mit den verschiedensten musikalischen Stilrichtungen, forderte den Nachwuchs. Mainstream war nicht angesagt.

Astronauten brauchen Unterstützung aus dem Publikum

Das Trio hatte sich in Astronauten-Blaumänner geworfen und gab mächtig Gas, um die Raktete oben zu halten. Schnell teilten die Musiker ihre Zuhörer in die Ah- und in die Uh-Gruppe und baten um Unterstützung bei ihrem Song „Drölf“. Der Refrain „Egal, was die anderen sagen, ich lass‘ das jetzt so!“ ging ins Ohr und blieb hängen. Und genau das war erwünscht. Kritisch wurde bei den Kindern abgefragt, was es bedeute, reich zu sein. Der Nachwuchs antwortete ehrlich: „Liebe und Freunde zu haben.“

Eckenga ganz entspannt bei der Probe

Sonntagnachmittag, 17 Uhr: Fritz Eckenga, der Kabarettist der leisen Unter- und Zwischentöne und rasanten Aufregern, erscheint zwei Stunden vor seinem Auftritt zur Technikprobe auf der Bühne des Waltroper Parkfests. Herrlich entspannt nimmt er sein Terrain ab und rückt sich den bereits aufgebauten Tisch und Stuhl zurecht. Er zieht an seiner Zigarette und spricht zur Festlegung der Lautstärke einen fulminanten Satz ins Mikrophon: „Waldbrand bleibt Waldbrand, bleibt Waldbrand.“ Der Profi lässt sich von Profis verkabeln und beschließt ruhig zu bleiben: „Wir machen auf keinen Fall die Pferde scheu!“ Keine Scheu hat auch Siggi Bogatzki. Der Biker gehört zum Motorradsportclub Waltrop, der einen Grillstand auf dem Fest betreut. Er schnappt sich eine Flasche Bier und marschiert auf den Star des Abends zu. Die Bierflasche wechselt nach einigen Worten den Besitzer und Bogatzki verrät, dass er einen Bestechungsversuch unternommen habe: Das Hopfengetränk für eine Wiederholung des unvergesslichen Bademeisters in der Show, eine Paraderolle von Eckenga. Der sagt lieber nichts zu und erklärt Siggi, dass er auf keinen Fall Alkohol vor der Show trinke. Aber er ernennt kurzerhand den MRSC Waltrop zu Anklatschern und ermahnt alle freundlich, auch nichts mehr zu trinken, um die Einsätze nicht zu verpassen.

Baumarktleiter mit biblischer Botschaft

Anklatschen ist an diesem Abend nicht erforderlich, der Meister der vielen akzentuierten Worte erhält von der ersten Minute an ganz freiwillig seinen Applaus. Und der tut ihm nach der langen Durststrecke richtig gut, er sei direkt unterklatscht. „Ich hatte so viel Zeit in den letzten Monaten, sogar die Steuererklärungen 2021 und 2022 sind schon fertig.“ Aber jetzt ginge es wieder los, habe ihm sein Tourmanager versprochen. Eine Mischung zwischen Rammstein und Rilke in großen, lichtdurchflutenden Stadien mit tausenden von Menschen; vorweg aber ein Auftritt in Waltrop, kein Stadion, eher eine Wiese, ein Plätzchen. Die knapp 200 Zuschauer auf dem Plätzchen jubeln auf, Eckenga zieht einen grauen Kittel an und mutiert zu einer weiteren Paraderolle: Baumarktleiter Peter-Hans Kaltenbecher. Und der richtet eine biblische Botschaft an seine Fans: „In der Bibel steht, dass ihr euch die Erde untertan machen sollt, es steht da aber nichts vom Tapezieren der Wände. Also, lasst es lieber.“ Eckenga bietet aber viel mehr als das Aufleben alter Rollen. Er liest aus seinen neuen Texten und gibt sich nachdenklich. „Halten wir es wie die Klempner und Chirurgen, du kannst erst alles sehen, wenn du es aufgemacht hast.“

Beim Spruch vom Bademeister tobt Waltrop

Der 66-Jährige rebelliert und sprintet durch Europa, er überlegt, wohin man überhaupt noch reisen kann. Er kokettiert mit negativer Kritik, die ihn im Netz ereilt. Und dann gibt es doch noch einen bestimmt „politisch nicht korrekten Satz“ vom Bademeister, der bereits tot im Grab liegt. „Ey, gehse wohl mit deiner Falafel wech vom Beckenrand.“ Waltrop tobt. Siggi Bogatzki hat sich ein separates Plätzchen zum Zuhören gesucht und sagt zum Schluss eines absolut gelungenen Abends mit Zugaben: „Boah, ist der immer noch gut.“

Der Abend in Datteln

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