Niedrige Impfbereitschaft

Impfmüdigkeit? Mediziner sagen: „Es droht eine Katastrophe“

Warum wollen sich aktuell so wenige Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen? Diese Frage stellen sich die Vestnet-Ärzte - und der Kreis Recklinghausen gleichermaßen.
Es scheint aktuell, dass sich eine gewisse Impfmüdigkeit breit macht. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Bislang haben die Vestnet-Ärzte – ein Verbund von Medizinern aus Datteln und Waltrop – rund 3500 Menschen geimpft, die sich zuvor über das Impfportal registriert hatten. Aktuell warten nur 230 Impfwillige auf die Immunisierung. „Das verstehen wir nicht. Warum sind es so wenige? Zumal diese 230 Menschen davon ausgehen können, dass sie innerhalb der kommenden zwei Wochen geimpft werden“, sagt Vestnet-Vorsitzender Dr. Matthias Andersen.

Ähnliche Erfahrungen macht derzeit der Kreis Recklinghausen. Am Mittwoch (23.6.) wurden 8000 Termine für Vorerkrankte, 60+-Jährige sowie Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegediensten im Impfzentrum auf den Markt gebracht. Doch bis Freitagmorgen lagen nur 1400 Anmeldungen vor.

Bezogen auf Datteln und Waltrop sagt Dr. Andersen: „Ich habe dafür nur zwei Erklärungen. Entweder haben wir hier eine Impfabdeckung, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt“, sagt der Mediziner. Deutschlandweit sind aktuell 34,1 Prozent der Menschen vollständig geimpft.

Wie viele Menschen tatsächlich in den beiden Städten den Schutz haben, kann er nicht sagen. Und auch der Kreis nicht. Einzig dem Robert-Koch-Institut liegen alle Zahlen vor. Nur eine landesweite Erhebung wäre sinnvoll, aber nicht die der einzelnen Kreise, weil es viele Menschen gibt, die im Kreis durch ihre Berufstätigkeit geimpft wurden, aber in einem anderen Kreis wohnen; sprich, sie werden dort in der Statistik geführt.

„Ich befürchte, dass die Menschen impfmüde sind“

Sollte die Impfquote niedriger oder auf Höhe des Bundesdurchschnitts liegen, hat Dr. Matthias Andersen nur eine andere Erklärung für die niedrige Nachfrage parat: „Ich befürchte, dass die Menschen impfmüde sind. Sie sehen die niedrigen Inzidenz-Werte, freuen sich über die Sonne und auf den bevorstehenden Urlaub. Doch dann wird es im Herbst die absolute Katastrophe geben. Es wird die vierte Welle mit der Delta-Variante geben, und dann werden die 40- bis 50-Jährigen sterben.“ Zwölf- bis 15-Jährige ohne Vorerkrankungen erhalten weiterhin keine Termine im Impfportal. Hier wartet das Ärztenetz weiter auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). „Aber wenn sich die Eltern impfen lassen, dann sinkt auch die Gefahr für die Kinder, sich zu infizieren. Zudem: Der Immunschutz der Großeltern, die im Frühjahr geimpft wurden, wird sinken. Wie schnell, wissen wir noch nicht. Aber es bleibt die Gefahr, dass Oma und Opa angesteckt werden könnten“, warnt Dr. Andersen stellvertretend für seine Kollegen. Und er fügt hinzu: „Die Delta-Variante des Virus hat erheblich schlimmere Folgen für den Krankheitsverlauf.“

Dies ist die Adresse des Impfportals: www.vestnet.impfportal-corona.de.

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