Angebot der Caritas

„Geh-Spräche“ in Zeiten der Trauer

Seine Trauer lebt jeder anders aus, aber allgemein gilt: Es tut gut, nicht allein zu sein, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Die Caritas bietet jetzt Trauer-Spaziergänge an.
Anette Jaeger (l.) und Simone Stenzel bieten demnächst Trauer-Spaziergänge an. © Tamina Forytta

Für Trauer-Gruppen und Trauer-Cafés gibt es bereits einige Angebote. Aber warum macht man sich nicht auf zu einem gemeinsamen Spaziergang? Dieser Gedanke steckt hinter den „Geh-Sprächen in Zeiten der Trauer“, die der Caritasverband Ostvest jetzt anbietet. Denn während des Spazierens fällt es dem einen oder anderen vielleicht leichter zu sprechen – oder auch zu schweigen –, und in Corona-Zeiten ist es an der frischen Luft ohnehin immer besser.

Geleitet werden die Spaziergänge von der Waltroperin Anette Jaeger und der Dattelnerin Simone Stenzel. Sie sind beide langjährige geschulte Mitarbeiterinnen des Ambulanten Hospizes des Caritasverbandes und haben nun auch einen Lehrgang für die Trauerbegleitung absolviert. Bei beidem, im Hospizdienst und bei der Trauerbegleitung, geht es um das Lebensende, aber der zentrale Unterschied sei ja, dass man bei Ersterem Menschen in den Tod begleite, bei Trauergruppen hingegen zurück ins Leben.

Mut, Trauer überhaupt zuzulassen

„Es kostet manchmal Mut, Trauer überhaupt zuzulassen“, sagt Anette Jaeger. Und Trauer brauche einen Raum, man müsse den Menschen signalisieren, dass „Trauer sein darf“, und zwar so lange, wie es eben braucht. Und dass Angehörige auch dann noch traurig sein dürfen, wenn die Welt um sie herum längst wieder zum Alltagsgeschäft übergegangen ist. Irmgard Finke, Koordinatorin beim Ambulanten Hospiz, weiß zudem: „Trauer hört nie auf, sie verändert sich höchstens.“ Der Schmerz werde blasser, ergänzt Anette Jaeger, „aber er hört nicht auf, weil ja die Verbindung nicht aufhört zu dem Verstorbenen“.

In Corona-Zeiten keine Gelegenheit zum Abschied

Das Angebot einer Trauer-Gruppe oder eben eines „Trauer-Geh-Sprächs“ sei gerade jetzt besonders wichtig, unterstreicht Irmgard Finke. In Corona-Zeiten habe sich mancher nicht vernünftig von einem Freund oder Angehörigen verabschieden können, weil derjenige allein im Krankenhaus gestorben sei. Oder vielleicht habe man auch gar nicht mitbekommen, erklärt Simone Stenzel, das ein Mitmensch starb, weil einfach die Kontakte in den letzten ein, zwei Jahren extrem eingeschränkt waren durch die Pandemie.

Simone Stenzel und Anette Jäger erinnern sich noch gut an den Kurs zur Trauerbegleitung, den sie absolviert haben: Oft hätten die Treffen viel länger gedauert als sie eigentlich anberaumt waren. Schließlich sei es auch darum gegangen, zunächst einmal eigene Trauer-Erlebnisse zu bearbeiten. Und sie haben gelernt, die Geschichten anderer Trauernder zu würdigen, trotzdem aber die Abgrenzung zu schaffen. „Mut zur Nähe, Kraft zur Distanz“, auf diese Formel bringen es die drei Fachfrauen.

Das sind die Termine

Trauer-Spaziergänge finden statt am 2. August, 6. September, 4. Oktober und 8. November.

Treffpunkt ist jeweils um 17.30 Uhr am Friedhof in Waltrop, Friedhofstraße. In der dunklen Jahreszeit kann der Beginn variieren.

Anmeldungen bei Irmgard Finke, Ambulantes Hospiz des Caritasverbands Ostvest, Tel. 02363/565636.

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