Infektionen von Kindern

RS-Virus gefährdet Kinder – Kinderkliniken in NRW platzen aus allen Nähten

Eine Welle von Atemwegserkrankungen stellt momentan die Kinder- und Jugendkliniken in NRW vor große Probleme. Eine Ursache ist das RS-Virus, das für einige Kinder besonders riskant ist.
Insbesondere für Babys unter drei Monaten ist das RS-Virus gefährlich. © picture alliance / dpa

Viele Atemwegserkrankungen sind im vergangenen Winter kaum aufgetreten. Das gilt auch für das RS-Virus: Für bestimmte Gruppen unter den Kindern ist der Erreger allerdings nicht ohne Risiko.

„Seit Anfang September arbeiten die Kinderkliniken in Deutschland an der Kapazitätsgrenze“, sagt Prof. Dr. Dominik Schneider, Direktor der Dortmunder Kinderklinik. Auch die Dortmunder Kinderklinik ist rappelvoll. Vor allem bei Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) stelle man einen deutlichen Anstieg fest.

Eine Infektion mit dem RS-Virus kann vor allem kleine Kinder schwerer treffen. Insbesondere bei Babys unter drei Monaten könne dieses Virus, das die unteren Atemwege angreift, eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen, erklärt der Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Kahl, Obmann der Düsseldorfer Kinder- und Jugendärzte.

Der Erreger geht normalerweise hauptsächlich in den Wintermonaten um, doch dieses Jahr beginnt die Zunahme der RSV-Infektionen laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) früher.

Kinder müssen oft mit Sauerstoff versorgt werden

Das Ungewöhnliche daran ist der Zeitpunkt dieser Welle, sagt Prof. Dr. Michael Paulussen, Ärztlicher Direktor der Dattelner Kinderklinik. Auch diese platzt momentan aus allen Nähten. „Der Anstieg an Atemwegserkrankungen findet normalerweise im Dezember oder Januar statt. In diesem Jahr nahm die Fallzahl aber schon im August drastisch zu“, berichtet Prof. Paulussen.

Kinder, die sich mit dem sogenannten RS-Virus angesteckt haben, haben oft schwere Bronchitis oder Lungenentzündungen. „Zum Teil müssen die Kinder auch mit Sauerstoff versorgt werden“, sagt der Mediziner.

Von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 haben laut Hermann Josef Kahl „Hygiene- und Lockdown-Maßnahmen“ eine starke Ausbreitung des Respiratorischen Synzytial-Virus verhindert, wie der RS-Virus ausgeschrieben heißt.

Mehr Kinder ohne Abwehr

Die Folge: Wesentlich mehr Kinder als in den vorangegangenen Jahren seien ohne Abwehr gegen diese Viren und deutlich mehr Minderjährige könnten einen schweren Verlauf entwickeln, so der Experte des BVKJ. Besonders gefährdet seien Frühgeborene sowie Kinder mit einem Herzfehler, einer Lungenerkrankung oder einer Immunschwäche.

Was sind deutliche Warnzeichen? Mehr als 38 Grad hohes Fieber, Atemschwierigkeiten, Probleme beim Füttern und/oder bläuliche Lippen und Nägel, zählt Kahl auf. In dem Fall sollten sie Eltern sofort ärztlichen Rat holen.

kar/dpa