Friseur weigert sich zunächst

Oben ohne unterwegs – Tolga Günsal und Aki Kottis sagen: Wettschulden sind Ehrenschulden

„Wenn wir in die 2. Regionalliga aufsteigen, lassen wir uns die Haare rasieren“, hatten die Basketballer Tolga Günsal und Aki Kottis aus einer Laune heraus beim Gequatsche in der Kabine beschlossen.
Zunächst lösten sie nur eine Wette ein, längst haben sie sich an ihre "Ein-Millimeter-Rasur" gewöhnt: die Basketballer Tolga Günsal (l.) und Aki Kottis. © Christine Horn

Aki Kottis und Tolga Günsal spielen seit Jahren zusammen in der ersten Herrenmannschaft des GV Waltrop. Mal in der Oberliga, mal in der 2. Regionalliga. Am Ende der Saison 2019/20 standen sie bei der wegen Corona frühzeitig beendeten Spielzeit auf dem zweiten Platz der Oberliga.

„Es standen ja noch Spiele aus, deshalb hatten wir von der Papierform noch die Chance, in die 2. Regio aufzusteigen“, erinnert sich Tolga Günsal an die Zeit Ende Februar 2020 zurück. „Und als wir dann in der Kabine so zusammensaßen, sagte ich zu Aki: Komm‘, wenn wir den Aufstieg schaffen, rasieren wir uns die Haare ab.“

Das Haar wurde ohnehin schon lichter

So ganz an den Haaren herbeigezogen sei diese Überlegung nicht gewesen, sagt der heute 32-Jährige. „Unser Haar wurde lichter, darüber hatten wir schon länger gesprochen“, sagt er und grinst. Und Aki Kottis pflichtet ihm bei. „Ich hatte ja immer versucht, mit dem Seitenscheitel die lichten Stellen zu verstecken.“

So sah Aki Kottis mit voller Haarpracht aus. © Christine Horn © Christine Horn

Während des ersten Lockdowns blieb die Haarpracht zunächst noch dran. Dann kam die Nachricht, dass die Waltroper eine Wildcard für die 2. Regionalliga bekommen würden. „Dann haben wir uns verabredet und gingen gemeinsam zum Friseur“, erzählt Tolga Günsal.

An diesem Nachmittag stellte sich heraus, dass beide denselben Friseur ihres Vertrauens haben. Doch einfach hinsetzen, Schermaschine raus und los geht’s? Von wegen. Es entbrannte eine lange Diskussion mit dem Haar-Fachmann. „Er sagte, dass man sich nicht einfach mal nur so wegen einer Wette die Haare abrasieren sollte. Und Aki hatte ja wirklich ganz schön viele Haare auf dem Kopf“, blickt Tolga Günsal zurück. „Der Friseur sagte, wir würden spinnen und hatte sich geweigert. Doch dann sagten wir, dass Wettschulden Ehrenschulden sind und dann hat er es gemacht.“ So saßen Aki Kottis und Tolga Günsal nebeneinander auf den Stühlen und verfolgten mit, wie ihre schwarze Haarpracht zu Boden fiel.

Tolga Günsal hat sich die Haare abrasiert. © Christine Horn © Christine Horn

Bislang gab‘s nur Komplimente für den neuen Look

Wie ihre Familien reagierten? „Das waren schon gemischte Gefühle, es war für sie halt gewöhnungsbedürftig“, sagt Tolga Günsal, der wie Aki Kottis auch, zuvor schon einen Bart trug. Aki Kottis‘ Familie war zunächst geschockt. „Das war nach fünf Minuten aber schon vorbei. Bislang habe ich auch nur Komplimente bekommen. Mittlerweile ist es seltsam, alte Fotos anzuschauen, auf den denen ich noch längere Haare hatte“, sagt der 29-Jährige.

Längst ist für Tolga Günsal die Ein-Milli-Meter-Rasur der Standard geworden: „Manchmal werden sie dann doch etwas länger. Aber das liegt dann an meinem Zeitmanagement. Gut sieht es aus, wenn ich alle zwei Wochen zum Friseur gehe“, sagt Tolga Günsal.

Aki Kottis rasiert sich den Kopf selbst – ohne Aufsatz

Aki Kottis geht gar einen Schritt weiter: „Ich rasiere mir die Haare selbst. Ohne Aufsatz. Zum Friseur gehe ich alle zwei Wochen, um mir in erster Linie den Bart in Form bringen zu lassen. Dann geht der Friseur auch einmal über den Kopf.“

Beide freuen sich extrem auf die neue Saison, die – sollte es die Corona-Lage zulassen – Ende Oktober beginnt. „Wir haben individuell viel in dieser Zeit gearbeitet. Aber wieder zusammen als Mannschaft, mit den Freunden, zu trainieren, ist umso schöner“, sagt Tolga Günsal.

Übrigens: Letztlich hat die Mannschaft die Wildcard für die 2. Regionalliga doch nicht angenommen. Das hatte eine interne Abstimmung ergeben. Somit spielt der GV in der neuen Spielzeit in der Oberliga. Heißt das, dass die Haare wieder wachsen werden? „Auf keinen Fall, so ist‘s besser“, sagen beide unisono.

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