Nach dem 1:10-Debakel

Spvgg. II: Trainer Stefan Besemann fühlt sich im Stich gelassen

Die Spvgg. Erkenschwick II hat bei der 1:10-Packung gegen den SV Titania am Sonntag ein desaströses Bild abgegeben. Trainer Stefan Besemann spricht über die Gründe.
Aziz Nakraoui (r.), hier im Duell mit Christian Kevering, verließ schon vor dem Abpfiff den Ascheplatz an der Esseler Straße. Der Altherrenspieler der Schwarz-Roten wird sich beim nächsten Mal sicher zweimal überlegen, ob er die zweite Mannschaft der Spvgg. unterstützt. © Andreas von Sannowitz

Als Patrick Warning im Juli mitten in der Saisonvorbereitung als Trainer der Kreisliga-B-Mannschaft der Spvgg. Erkenschwick zurücktrat und sein „Co“ Olaf Neisen gleich mitging, da sprang Stefan Besemann in die Bresche und übernahm den Job. „Auf ausdrücklichen Wunsch der Mannschaft“, sagt Andreas Giehl, Geschäftsführer des Vereins. Für den 35-jährigen Besemann ist es die erste Station als Trainer. „Ich konnte die Jungs nicht im Stich lassen. Die liegen mir alle sehr am Herzen“, erzählt Besemann. Allerdings – und dieser Eindruck hat sich in den vergangenen Wochen bei vielen Beobachtern verfestigt – scheinen die Spieler derzeit ihren Trainer im Stich zu lassen.

Nur zwölf Mann beim Treffen

Unter der Woche muss Besemann immer wieder Trainingseinheiten kurzfristig absagen, weil kaum Spieler da sind. „Das scheint ein Problem der jüngeren Generation zu sein. So etwas hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben“, erzählt Besemann, der zu Bezirksligazeiten unter Andreas Charizanis und Jörg Heel bei Eintracht Datteln spielte.

Am Sonntag gegen Titania deutete sich schon am Vormittag an, dass es Probleme geben könnte. „Mit mir selbst waren wir nur zwölf Mann beim Treffen, darunter vier angeschlagene und zwei Spieler aus den Alten Herren“, zählt der Dattelner auf. Weil kein Torwart da war, musste erst ein Feldspieler, später der Trainer selbst ins Tor.

Und dann signalisierte Dirk Junge früh, dass er wieder Schmerzen an der operierten Hüfte habe und ging raus. In der Halbzeitpause blieb auch noch Marvin Gatberg verletzt in der Kabine. Die Spvgg. musste in Unterzahl weitermachen. Das Ende ist bekannt. Titania machte es in den letzten Minuten zweistellig. Altherrenspieler Aziz Nakraoui wechselte sich vor Abpfiff selbst aus.

An einen Rücktritt habe Besemann aber trotz der prekären Situation nicht gedacht: „Ich werde das sinkende Schiff als Letzter verlassen, schließlich habe ich dem Verein zugesagt, dass ich als Trainer zur Verfügung stehe.“

Und wie geht der Verein mit der Situation um? Glaubt Andreas Giehl tatsächlich, dass die zweite Mannschaft das Saisonende im kommenden Mai erlebt? „Wir wollen das Training auf jeden Fall aufrechterhalten. Und dann müssen und werden wir den Kader im Winter personell verbessern“, versichert Andreas Giehl. Schon am Montag habe sich Giehl mit dem Sportlichen Leiter Dennis Weßendorf über die Zukunft der zweiten Mannschaft unterhalten, bei der es nicht zum ersten Mal völlig aus dem Ruder zu laufen droht.

Von einem Unterbau noch weit entfernt

Aber welchen Stellenwert hat eine zweite Mannschaft eines ambitionierten Westfalenliga-Vereins, der auch mit den Jugendmannschaften überkreislich ehrgeizige Ziele verfolgt? Die Frage sei gestattet, ob Spieler, die sich in der Kreisliga B von einem bis dato mittelmäßigen Gegner mit 1:10 „vermöbeln“ lassen, ernsthaft als Unterbau für die Westfalenliga taugen?

An dieser Grundidee, sagt Giehl, wolle der Verein festhalten: „Nur haben wir natürlich mit der Spielklasse der zweiten Mannschaft für unsere guten Jugendspieler auch kein Pfund mehr, mit dem wir wuchern können.“ Man muss kein Hellseher sein, um vorhersagen zu können, dass die zweite Mannschaft in der am Sonntag gezeigten Verfassung schnurstracks in Richtung Kreisliga C marschiert. Und dort, da sind sich alle im Umfeld einig, wäre das Projekt „Team II“ endgültig gescheitert.