Fußball

Erst RB Leipzig, jetzt FC Bayern: Für Max Pelka geht’s steil bergauf

„Wenn du als Sportler langfristig Topleistungen bringen willst, muss vieles zusammenpassen“, sagt Dr. Maximilian Pelka. Der ehemalige Fußballer der Spvgg. Erkenschwick ist der neue Teampsychologe beim FC Bayern München.
Max Pelka hat als Sportpsychologe eine steile Karriere hingelegt. Bayerns neuer Trainer Julian Nagelsmann hat den ehemaligen Fußballer der Spvgg. Erkenschwick jetzt von Leipzig mit nach München genommen. © imago images/Philippe Ruiz

Der 33-jährige Maximilian Pelka, der beim VfB Waltrop das Fußballspielen lernte, später 22 Spiele in der Junioren-Bundesliga für die U19 der Spvgg. Erkenschwick bestritt und auch für den BV Brambauer und den TuS Haltern spielte, ist ab dieser Saison als Teampsychologe für das mentale Wohlbefinden der Profifußballer beim Rekordmeister mitverantwortlich.

Aktuell ist der in Selm aufgewachsene Maximilian Pelka – dort leben seine Eltern noch heute – viel unterwegs. Vor sechs Wochen ist er selbst Vater geworden. Seine Lebensgefährtin und sein kleiner Sohn wohnen noch in Leipzig. „Im August bin ich ständig zwischen Leipzig und München hin und her gependelt“, erzählt er. Demnächst zieht die junge Familie komplett nach München. Dort, an der Säbener Straße, hat Pelka seine Arbeit als Sportpsychologe aufgenommen.

Drei Oberligaspiele für die Spvgg. Erkenschwick

Immerhin drei Oberligaeinsätze für die Spvgg. Erkenschwick tauchen in der sportlichen Vita von Maximilian Pelka auf. Trainer Magnus Niemöller hatte ihn in der Saison 2006/07 nach dem Aufstieg in die Junioren-Bundesliga vom VfB Waltrop zur Spvgg. Erkenschwick gelotst.

Bei den Schwarz-Roten bestritt der Defensivspieler 22 Bundesligaspiele, lief danach noch ein Jahr für die Senioren des Traditionsvereins auf. „Ich war damals zwischen erster und zweiter Mannschaft“, erzählt er.

Bei Fortuna Düsseldorf im „NLZ“ als Teilzeitkraft

Zur Saison 2008/09 wechselte er als Fußballer noch einmal zum BV Brambauer. Schnell wurde aber die Zeit für die eigene aktive Karriere knapp, zumal er nebenbei ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen in Kaiserau absolvierte und sich dort auch für den Lehrgang zur Trainer-B-Lizenz anmeldete. Als er dann sein Psychologie-Studium in Groningen begann („Dort war alles etwas internationaler ausgelegt“), blieben seine Fußballschuhe zunächst ganz im Schrank. Viereinhalb Jahre studierte er in Holland.

Karriereende beim TuS Haltern

„Irgendwie hatte ich da schon die Idee, Sport und Psychologie zu verbinden“, sagt er. In seiner Zeit in der Sportschule in Kaiserau hatte er einen Dozenten kennengelernt, der im Nachwuchs-Leistungs-Zentrum (NLZ) bei Fortuna Düsseldorf arbeitete und der ihm einen Job bei den Landeshauptstädtern besorgte.

Für Pelka, der nach seinem Studium noch einmal kurz für den TuS Haltern auflief, war es der Startschuss für seine berufliche Karriere. Als Teilzeitkraft kümmerte er sich zunächst zwischen 2015 und 2017 in der Nachwuchsakademie der Fortuna um die psychologische Betreuung der angehenden Profis.

Doktortitel an der Ruhr-Universität Bochum

Parallel promovierte er an der Ruhruniversität in Bochum. Der Titel seiner Doktorarbeit: Erholung und Beanspruchung im Sport. 2017 folgte mit dem Wechsel von der Fortuna zu RB Leipzig, das kurz zuvor in die Bundesliga aufgestiegen war, der nächste Schritt auf der Karriereleiter.

„Die Leipziger waren damals einer der wenigen Vereine, die einen festen Sportpsychologen für die Profis hatten“, sagt Pelka. „Und der Klub wollte sich dann in den Nachwuchsmannschaften von der U15 bis zur U19 genauso aufstellen wie bei den Profis, also auch im Staff. Und daher suchten sie noch einen zusätzlichen Sportpsychologen“, erzählt er.

Lange blieb er in Leipzig nicht nur für die Jugend verantwortlich. „Mein Vorgänger bei den Profis hatte den Verein ein halbes Jahr später verlassen und mich als Nachfolger ins Gespräch gebracht.“

Ralf Rangnick holt ihn zu den Leipziger Profis

Und eines Tages dann wurde Pelka ins Büro von Ralf Rangnick zitiert, der Sportdirektor bei RB war, in der Saison 2018/19 zudem auch noch Cheftrainer. Rangnick legte ihm direkt einen unterschriftsreifen Vertrag vor. „Ich wurde damals ins kalte Wasser geworfen“, sagt Pelka.

Doch der junge Doktor unterschrieb und lernte schnell Schwimmen im Haifischbecken des Profifußballs, arbeitete mit den Leipziger Spielern und später auch mit Rangnicks Nachfolger Julian Nagelsmann, der von der TSG Hoffenheim kam, eng zusammen. Und als Nagelsmann jetzt zu den Bayern wechselte, da wechselte Pelka gleich mit.

Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis

Und was genau sind seine Aufgaben als Sportpsychologe in einem Profifußballverein? „Um Topleistungen zu bringen, muss du dich als Sportler rundum wohlfühlen. Das Umfeld muss stimmen. Das gilt auch für den privaten Bereich.“

Manchmal gehe er von sich aus auf die Spieler zu, manchmal suchten sie auch selbst das Gespräch zu ihm, sagt er. „Voraussetzung ist immer absolutes Vertrauen. Ohne das funktioniert es nicht. Die Psychologie ist schließlich ein Zusammenspiel von vielen Dingen“, erklärt er.

Dabei helfe es ihm natürlich, dass er selbst Fußballer war. Bei fast allen Trainingseinheiten steht er mit auf dem Platz, sitzt bei den Spielen mit auf der Bank und ist so ganz nah dran an der Mannschaft. „In Leipzig musste ich manchmal sogar auffüllen, wenn beim Abschlussspielchen Elf gegen Elf einer fehlte. Das muss ich jetzt – Gott sei Dank – nicht mehr“, lacht er.

Sabitzer ist der letzte Neuzugang aus Leipzig

Eine lange Eingewöhnungszeit wird Maximilian Pelka bei den Bayern wohl eher nicht benötigen, schließlich trifft er in München neben Trainer Julian Nagelsmann auf eine ganze Reihe von Leuten, mit denen er in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Leipzig bereits eng zusammengearbeitet hat.

Dazu gehören natürlich die Assistenztrainer Benjamin Glück, Xaver Zembrodt oder Dino Toppmöller, aber auch die Spieler Dayot Upamecano sowie der Österreicher Marcel Sabitzer, der am Dienstag kurz vor Ende der Transferperiode noch seinen Wechsel zum FC Bayern unter Dach und Fach brachte.

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