Bundestagswahlen 2021

Wahlkampf in der Stadt

Der Wahlkampf zur Bundestagswahl läuft auf Hochtouren. Annika hat eine dieser Veranstaltungen besucht und ist enttäuscht, und um einen unnützen Aufkleber reicher, zurückgekehrt.
Die Bundestagswahlen stehen vor der Tür und somit hat der Wahlkampf begonnen. Jugendredakteurin Annika hat an einer dieser Veranstaltungen teilgenommen. © pixabay.de

Wer das Glück hat, in einer belebten Stadt nahe dem Zentrum zu leben, der wird nicht umhinkommen und in den vergangenen Tagen gemerkt haben, dass Wahlkampf ist. Das liegt zum einen an den dezenten Wahlplakaten mit wenig bis gar nicht kreativen Wahlsprüchen (ausgenommen natürlich DIE PARTEI) und zum anderen an all den Vertretern ihrer Parteien, die sich engagiert auf die Straße stellen und versuchen, „bürgernah“ die Menschen von sich und ihren Werten zu überzeugen.

Freude auf Veranstaltungen lässt schnell wieder nach

Ich bin ein großer Fan dieser Zeit, denn wie jedes Mal zur Wahl bin ich mir sehr sehr unschlüssig darüber, wem ich meine Stimme geben soll. Da sollte so ein persönliches Gespräch, bei dem mir komplexe Themen mundgerecht serviert werden, doch leichter sein, als so ein kompliziertes, 80 Seiten langes Wahlprogramm durchzuackern.

Es tritt aber schnell und jedes Mal eher ein Gefühl auf, wie auf dem Weihnachtsmarkt. Irgendwie hat man sich darauf gefreut, auf das Ambiente, die Stimmung, das leckere Essen – und doch merkt man ruckzuck, dass die Vorstellung mal wieder viel besser als die Realität war. Gestern bin ich eher zufällig in eine politische Debatte geraten, beziehungsweise durfte dieser beiwohnen.

Statt konkreten Plänen gibt es Lästereien

Welcher Partei ich lauschen durfte, lasse ich mal außen vor – es spielt traurigerweise kaum eine Rolle bei diesen öffentlichen Inszenierungen. Denn Inhalte interessieren nicht. Wer auf Informationen darauf hofft, was die Partei nach ihrer Wahl umzusetzen gedenkt und vor allem auch WIE, das erfährt man in der Regel nicht bei solchen Veranstaltungen.

Bevor sie am 26. September 2021 ihr Kreuzchen setzt, wollte Annika sich nochmal informieren lassen. © pixabay.de © pixabay.de

Stattdessen geht es darum, den politischen Gegner möglichst schlecht darzustellen und die Schuld an bestimmten Geschehnissen, wie beispielsweise an den grausigen Sachen, die sich momentan in Afghanistan abspielen, anderen in die Schuhe zu schieben. Obwohl, und das ist der Fluch, wenn man zu viel weiß, die eigene Partei sich von der Schuld kaum freizusprechen vermag.

Die immer gleichen Ausreden können nicht immer gelten

Man steht also dort in der Menge, die sich aus Unterstützern der Partei und Passanten zusammensetzt, und hört sich Lügen und Schuldzuweisungen an, hofft still und heimlich doch noch auf vernünftige Aussagen, die einem dabei helfen, eine Wahlentscheidung zu treffen und merkt, wie der Unmut in einem selbst wächst. Zu oft wird mir im Moment von Politikern die „Wir sind doch auch nur Menschen und da haben wir wohl einen Fehler gemacht“-Ausrede verwendet.

Ja, normalerweise würde ich diese auch durchgehen lassen. Aber nicht in dieser Frequenz und vor allem nicht bei manchen Ämtern, die bekleidet werden und in Zukunft auch noch bekleidet werden wollen.

Sticker als kleines politisches Trostpflaster

Ich frage einen der fleißigen Wahlhelfer doch noch nach einem ausformulierten 80 Seiten Wahlprogrammheft, denn das, was auf der Straße gesagt wird, erweckt den Eindruck, als ob selbst der Redner dieses nicht gelesen hätte.

Und der fleißige Wahlhelfer guckt mich entschuldigend an: „Sorry, das haben wir nicht hier. Aber du kannst einen Sticker haben.“ Klasse. Und bei so einer Art Wahlkampf ohne Inhalte wundert man sich wirklich noch über Politik- und Politikerverdrossenheit?

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