Meinung zum Wahlalter

Wählen mit 16: Eine Stimme für die Jugend

Tom bekommt mit seinen 17 Jahren bei der Bundestagswahl keine Stimme. Das findet er nicht ganz fair, da es in der Politik schließlich um die Zukunft geht, an der auch alle U18 teilhaben.
Bei der kommenden Bundestagswahl dürfen nur all diejenigen ihr Kreuz setzen, die 18 Jahre und älter sind. © pixabay.de

Politik betrifft uns alle! Vom Kindergartenkind bis hin zur Seniorin spüren wir die Auswirkungen der Politik tagtäglich, ohne uns dem immer bewusst zu sein. Die Politik beeinflusst unseren Alltag maßgeblich. Doch nicht alle können mitentscheiden, wer unseren Alltag beeinflussen darf.

Das Wahlalter liegt bei den Bundestagswahlen bei 18 Jahren, da die Politikerinnen und Politiker scheinbar davon ausgehen, dass man sich erst ab diesem Alter der Bedeutung einer politischen Wahl bewusst ist und erst ab diesem Zeitpunkt eine begründete und fundierte Wahl treffen kann. Doch ist das fair? Sollten nicht auch schon Jugendliche ihre eigene Zukunft mitbestimmen dürfen?

Viele Parteien stimmen für geringeres Wahlalter

Das findet zumindest die Mehrzahl der großen deutschen Parteien, nämlich die LINKE, Bündnis90/die Grünen, SPD und die FDP. Die CDU und die AfD lehnen eine Senkung des Wahlalters ab und verhindern somit einen größeren Einfluss der Jugend.

Das Wort Demokratie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Volksherrschaft“. Die Macht geht also vom Volk aus, zu dem auch die unter 18-Jährigen gehören. Wir haben zwar schon Möglichkeiten, uns produktiv einzubringen, indem wir uns zum Beispiel in der Jugendorganisation einer Partei engagieren, doch auf Bundesebene mitzuentscheiden und somit dabei zu helfen, unser Land zu gestalten, ist uns bisher verwehrt geblieben.

Jugendliche sind ein großer Teil der Zukunft

Dabei wird heute Politik für morgen gemacht. Und am Morgen werden wir jungen Menschen maßgeblich teilnehmen. Wir sind die Generation, die die Politik von heute in der Zukunft spüren wird. Nehmen wir als Beispiel die Klimakrise, die wohl größte Herausforderung unserer Zeit. Die Klimapolitik unserer jetzigen und der kommenden Regierung entscheidet, wie lebenswert unsere Zukunft sein wird. Es wird über unseren Kopf hinweg über unsere Zukunft entschieden.

Die allermeisten Politikerinnen und Politiker, die momentan für uns entscheiden, werden die gravierenden Folgen nicht mehr erleben. Meine Generation allerdings schon. Daher finde ich, dass es Jugendlichen zugetraut werden muss, selber ihre Interessen an der Wahlurne zu vertreten. Wir wissen immerhin am besten, was für uns wichtig ist und was uns beschäftigt oder missfällt.

Berührungsängste mit der Jugend

Durch diese neue Wählergruppe wären die Parteien gezwungen, sich intensiver mit der Jugend zu beschäftigen und besser unsere Interessen zu vertreten, als es momentan der Fall ist. Wir könnten gezielt Parteien unterstützen, die sich am besten für unsere Interessen einsetzen.

Dass die Parteien in Bezug auf die Jugend Nachholbedarf haben, sieht man auch im Video „Die Zerstörung der CDU“ von YouTuber Rezo. Man kann von dem Video halten, was man will, aber die Reaktionen der großen Parteien haben alles gesagt: Es gibt Berührungsängste oder einfach grobes Desinteresse, da wir eben noch nicht wahlberechtigt sind.

Erster Schritt: Politikunterricht verbessern

Ich will gar nicht, dass die Wahlen einfach auch für Jugendliche geöffnet werden. Das wäre in meinen Augen der falsche Weg. Ich merke seit der fünften Klasse, wie überholungsbedürftig der Lehrplan für die Fächer Wirtschaft und Politik ist. Mir fehlt oft der Aktualitätsbezug, der für Wahlprogramme jedoch oft eine entscheidende Rolle spielt.

Schülerinnen und Schüler werden meiner Meinung nach durch den Politikunterricht nicht genug auf bevorstehende Wahlen vorbereitet. Weder werden die Positionen der großen Parteien besprochen noch die wichtigsten Themen für Deutschland. Die Erweiterung des Lehrplans sehe ich daher als ersten wichtigen Schritt. Er würde die Voraussetzung bieten, das Wahlalter dann auf 16 Jahre zu senken.

Lesen Sie jetzt