Meinung

Von gendergerechter Sprache und BiPoC

Sophia ist sauer darüber, dass sich noch immer zu viele über Diversität in der Gesellschaft aufregen und gendergerechter Sprache keinen Raum geben wollen.
Das sogenannte "Gender-Sternchen" bezieht alle Geschlechter mit ein. © picture alliance/dpa

Seit Längerem ist „Identitätspolitik“ das Wort der Stunde. Viele Tätige in Journalismus, sowie Politik und anderen schlauen Bereichen der Gesellschaft lassen sich in letzter Zeit darüber aus, dass die ganze Debatte um das Thema zu viel Raum einnehme in der Öffentlichkeit. Gut abgehangene Argumente werden dann bemüht.

Argumente eines bequemen Sprachtraditionalisten, für den alles am liebsten so bleiben sollte, wie es war. Jeder bräuchte neuerdings eine Sonderbehandlung, man käme mit der Erfindung neuer Begriffe ja schon gar nicht mehr hinterher.

Als Reaktion kommen fadenscheinige Aussagen

Außerdem geschehe diese ganze Akademisierung von Sprache rein aus ökonomischen Gründen, weil die Gruppen, die sich für das Neudenken von Sprache einsetzen, ja schließlich finanziert werden müssten.

Sorry, aber so ein Quatsch. Von vorne bis hinten sind solche Aussagen fadenscheinig, bequem und oberflächlich. Allein die Ansicht, dass man mittlerweile schon ganz schön „schlau“ sein müsste, um bei der politischen Korrektheit noch durchblicken zu können.

Probleme mit der englischen Sprache?

Damit erklärt man quasi, dass dieses Attribut der Intelligenz auf einen selbst leider nicht zutrifft, wenn man nicht begreifen möchte, dass BiPoC eben Black Indigenous People of Colour bedeutet.

Scheint ja wirklich sehr schwierig zu sein, wenn das Ganze dann auch noch auf Englisch abläuft! Diejenigen, die eine Verkomplizierung der deutschen Sprache befürchten, zeigen damit leider, dass sie selbst sehr einfach gestrickt sind und nicht in der Lage, den Siegeszug von Diversität (der leider immer noch lange nicht so weit fortgeschritten ist, wie es nötig wäre) in der Gesellschaft zu akzeptieren.

Damit ist es noch nicht genug: So schreiben einige Autoren nach wie vor das N-Wort aus, und erklären dass „das Alles“ (also der Diskurs um Gendern und politische Korrektheit in Bezug auf Diversität) erst nach einigen Gläsern Alkohol Sinn ergeben würde. Damit ist klar, auf welcher Niveaustufe sich viele sogenannte „Intellektuelle“ bewegen.

Auch im Taxi gibts mehr Themen, als die Herkunft

Das dicke Ende kommt, wenn sie sich beschweren, dass man ja im Taxi den Taxifahrer nicht mal mehr fragen dürfe, wo er denn herkomme, also, so URSPRÜNGLICH. Damit geht man wie selbstverständlich davon aus, dass jede*r Taxifahrer*in per se „ja wohl nicht von hier sein könne“. Und das deshalb jede Smalltalk-Gesprächskultur bei Taxifahrten verloren ginge.

Weil die Herkunftsfrage natürlich die einzige Frage sei, die man in einer solchen Situation stellen könne.

Sprache ist eng verbunden mit dem Leben

Was ist denn, wenn die fahrende Person antwortet: „Ich komme aus Berlin Neukölln, aber gebürtig aus Kreuzberg“?

Mein Problem mit solchen Einstellungen ist, dass linguistischer Fortschritt verweigert wird und die Vertreter solcher Ansichten mit verschränkten Armen in der Ecke stehen, wenn sie mit gesellschaftlicher Realität und Veränderung konfrontiert sind. Denn Sprache ist nun einmal verbunden mit Lebenswelt.

Gemecker kommt von denen, die immer berücksichtigt werden

Und wenn Menschen, leider sind es in meiner Erfahrung immer weiße Cis-Männer, rumnörgeln, dass doch irgendwann auch einmal Schluss sei mit dem „Verschandeln“ von Sprache, tun sie das aus der Perspektive derer, die gemeint sind und es immer schon waren, wenn man sich weiterhin nur mit dem generischen Maskulinum ausdrückt. Lehrer. Politiker. Journalisten. Der Rest aber ist an den Rand gedrängt. Schluss damit.

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