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„Vivarium“: Gefangen in der Vorstadt-Hölle

Eine Siedlung, in der alles gleich aussieht und aus der es keinen Ausweg gibt; das ist das unheimliche Setting in „Vivarium“. Tom und Gemma suchen verzweifelt einen Weg aus der Monotonie.
"Vivarium" ist beim Streamingdienst Netflix verfügbar. © cottonbro von Pexels

Gemma (Imogen Poots) und Tom (Jesse Eisenberg) sind ein junges Paar, das in ihrer Beziehung den nächsten Schritt machen will: Sie suchen ein Haus. Obwohl die neue Wohnsiedlung ‚“Yonder“ und ihr Makler Martin etwas merkwürdig wirken, geben sie dem Ganzen eine Chance und schauen sich das Haus Nummer 9 an.

Die Begeisterung bei der Vorstellung, in einer solch spießigen Umgebung zur Ruhe zu kommen, hält sich sowohl bei Gemma als auch bei Tom in Grenzen. Während sie durch das Haus streifen, ist Martin plötzlich verschwunden und mit ihm sein Auto.

Die beiden wollen die Siedlung verlassen, doch jede Ecke gleicht der nächsten und sie scheinen im Kreis zu fahren. Egal in welche Richtung sie fahren, sie finden keinen Weg hinaus und landen immer wieder vor Haus Nummer 9.

Frage über Kinderwunsch wird dem Pärchen abgenommen

Gemma und Tom beschließen also, die Nacht in dem Haus zu verbringen und es am nächsten Tag erneut zu versuchen. Nachdem die beiden auch am nächsten Tag keinen Weg aus dem Ort raus finden, beschließt Tom das Haus als eine Art Notsignal anzuzünden. Auch diese Idee bleibt ohne Erfolg. Das Haus steht am nächsten Tag wieder unversehrt an der gleichen Stelle.

Doch damit nicht genug: Vor der Eingangstür steht ein Paket, in dem ein Baby liegt. Anbei finden die beiden eine Nachricht: „Sie können die Siedlung erst verlassen, wenn sie das Baby aufziehen“.

Merkwürdig und provokant zugleich

Das ist der Plot zum Film „Vivarium“ – eine sehr abgedrehte und verrückte Geschichte, die mich über weite Teile fesseln konnte, irgendwann aber zu monoton wurde. Damit meine ich nicht einmal uninteressant, es bleibt die ganzen 90 Minuten über sehr eigen, merkwürdig und provozierend, trotzdem hat der Film mein Interesse ab einem bestimmten Zeitpunkt verloren, einfach weil der Ausgang für mich zu vorhersehbar war.

Die Vorstellung, dass ein junges Paar heiraten, ein Haus kaufen und eine Familie gründen MUSS, kann beängstigend sein. Man kennt es ja selbst: Wenn man länger mit seinem Freund oder seiner Freundin zusammen ist, kommen irgendwann unweigerlich Fragen der Familie, ob man sich eine gemeinsame Zukunft mit dem- oder derjenigen vorstellen könne.

Reiz geht im Laufe des Films verloren

Dieses Gefühl des Eingesperrt-Seins, in gesellschaftlichen Normen festzustecken und sein eigenes Leben ein stückweit aufgeben zu müssen, um den nächsten Schritt zu machen, wurde zwar auf skurrile und einzigartige Weise eingefangen, verliert allerdings mit fortlaufender Zeit ihren Reiz.

„Vivarium“ ist kein Meisterwerk, doch vor allem für Paare ein interessanter Film, den ich viel mehr als Weckruf empfunden habe, meine Zeit mit Dingen zu füllen, die man irgendwann nicht mehr in diesem Maße genießen kann. Der Film ist streambar auf Netflix.

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