Bundestagswahl 2021

Politikverdrossenheit – ein gefährliches Phänomen

Jugendredakteur Nico macht sich Sorgen um die Politikverdrossenheit, die bei vielen jungen Erwachsenen herrscht. Er plädiert für den Gang zur Wahlurne und besseren Politikunterricht!
Nicht alle jungen Erwachsenen machen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. © picture alliance / dpa

Vor einigen Tagen war eine Wahlbenachrichtigung im Briefkasten und hat mich daran erinnert, dass im September die Bundestagswahlen stattfinden.

Doch statt Euch eventuell die Wahlprogramme der einzelnen Parteien näherzubringen, soll es hier um etwas anderes gehen, nämlich die stetig sinkende Wahlbeteiligung, insbesondere bei den Bürgerinnen und Bürgern in meinem Alter, beziehungsweise noch jüngeren.

Seit 1953 lesen sich die Grafiken zu den Wahlbeteiligungen immer ziemlich ähnlich. Mit steigendem Alter steigt die Wahlbeteiligung. Die niedrigste Anzahl von abgegebenen Stimmen kommt ausnahmslos von den unter 25-jähringen.

Negative Einstellung gegenüber Politikern und Parteien

Jetzt könnte man natürlich vermuten, dass diese Altersgruppen von politischen Machtwechseln am wenigsten spüren und allgemein zufrieden mit der Politik sind. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und außerdem führt diese mangelnde Anteilnahme zu einem Phänomen, welches in Zukunft noch gefährlich werden könnte.

Die Rede ist von der Politikverdrossenheit, was im Grunde so viel bedeutet wie ein Desinteresse der Bevölkerung an der Politik. Darüber hinaus bezeichnet dieser Begriff eine negative Einstellung gegen Politiker und Parteien, welche durch beispielsweise Misstrauen oder generelle Ablehnung geprägt sein kann.

Die meisten Wähler sind Ü50

Geringes Vertrauen in die Politik spiegelt sich dann nicht nur in sinkender Wahlbeteiligung wider, sondern auch im generellen Engagement der Bevölkerung. So haben sich die Mitgliederzahlen der „großen“ Parteien SPD und CDU seit 1990 fast halbiert.

Das Durchschnittsalter der Wählerinnen und Wähler dieser Parteien liegt bei über 50. Daraus lässt sich schließen, dass immer weniger junge Leute von den Vorstellungen und Versprechen dieser Parteien angesprochen werden.

Wahlthemen sprechen nur ältere Generationen an

Die Parteien tun sich allerdings oftmals auch keinen Gefallen mit ihren Wahlprogrammen. Kurzfristige Ziele, wie beispielsweise eine Rentenerhöhung, werden versprochen, die ihnen die Stimmen ihrer Kernwählerschaft sichern, für die jüngere Bevölkerung allerdings wenig ansprechend sind. Themen wie der Klimawandel oder die Zukunft des Arbeitsmarkts, eben langfristige Ziele, bewegen einen Großteil der Bevölkerung und diesen wird schlicht nicht genug Beachtung geschenkt.

Und wenn so etwas dann doch mal Kern des Wahlprogrammes ist, hat die Politik schon unter Beweis gestellt, dass diese Ziele im angegebenen Zeitraum nicht erfüllt werden können. Als eines von vielen Beispielen könnte man hier die Digitalisierung nennen. Schnelleres Internet, verbesserte technische Ausstattung an Schulen und Universitäten, alles Dinge, die schon längst hätten verändert werden müssen.

Politikunterricht muss besser werden

Doch wie kann man Menschen dazu bewegen, sich mehr für das politische Geschehen zu interessieren und sich zu engagieren? Schließlich lebt die Demokratie von der Beteiligung ihrer Bürger.

Es muss ein anderer Ansatz zur Wissensvermittlung gewählt werden. Politikunterricht in der Schule ist wichtig, doch zu selten wird dort aufgezeigt, wie das politische System unser Leben beeinflusst. Wenn schon in der Schule gelehrt wird, wie das System funktioniert, kann man fundierte Meinungen über aktuelle Geschehen bilden und auf Augenhöhe mitdiskutieren.

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