„Normales“ Studium vs. Online-Studium

Während der Online-Vorlesung kann man auch einfach mal gemütlich auf der Couch oder dem Bett sitzen bleiben. © pixabay.de
Lesezeit

Ziemlich genau mit Beginn der Corona-Pandemie habe ich ein neues Studium angefangen. Vorher habe ich bereits etwas anderes studiert, sodass ich weiß, wie ein „normales“ Studium aussieht. Ich habe deshalb mal angefangen, mir zu überlegen, was nun vergleichsweise anders ist.

Der größte Unterschied ist definitiv die fehlende Anwesenheit vor Ort. Kein einziges Mal, weder für irgendwelche Anmeldungen oder die Einschreibung, noch für Vorlesungen oder andere Veranstaltungen musste ich an der Uni erscheinen. Sogenannte Präsenzveranstaltungen gab es – aus offensichtlichen Gründen – bis jetzt überhaupt nicht. Ich würde die Gebäude vermutlich nicht einmal von außen erkennen.

Bisher nur Online-Kontakt zu Mitstudierenden

Dazu kommt noch, dass ich bis jetzt keine anderen Mitstudierenden persönlich getroffen habe. Bis auf Stimmen durch ein Mikrofon und pixelige Aufnahmen aus irgendwelchen Kinderzimmern, habe ich nicht viel mehr von den anderen mitbekommen. Alle Interaktionen finden und fanden ausschließlich online statt. Ein Zustand, der nach anderthalb Jahren ziemlich belastend ist.

Sinkende Arbeitsmoral dank Studium vom Bett aus

Mir ist ebenfalls aufgefallen, dass meine Arbeitsmoral sinkt. Wir sind durch die Lockdowns alle etwas ruhiger und gemütlicher geworden und das wirkt sich nicht gerade positiv auf meine Produktivität aus. Nicht selten habe ich Veranstaltungen von meinem Bett aus verfolgt, besonders die ersten früh morgens. Die Verlockung ist daher groß, einfach liegen zu bleiben und sich den verpassten Stoff im Nachhinein anzuschauen.

Wenn man extra mit dem Auto oder Bahn zur Uni fährt, setzt man sich natürlich auch in den Hörsaal. Dieses Mindset wird durch das Online-Studium zerstört.

Und außerdem vermisse ich auch einfach diese Fahrten zur Uni. Natürlich gibt es Schöneres, als sich komplett verschlafen um halb 7 in eine überfüllte Bahn zu quetschen. Aber irgendwie hat es sich auch richtig und erwachsen angefühlt. Dieses Gefühl fehlt mir.

Nachsicht aufgrund der vielen Neuerungen

Aber natürlich hat der Umstand des Online-Studiums nicht nur negative Aspekte. Da die Situation auch für Universitäten komplett neu ist, sind diese bei Fehlern oder Missverständnissen etwas nachsichtiger. Die Unterrichtsatmosphäre ist angenehmer und es fühlt sich trotz der beidseitigen Unbekanntheit irgendwie persönlicher an. Als würde man nicht gerade wichtigen Stoff, den man im Arbeitsleben braucht, lernen. Sondern eher so, als würde man sich täglich informative YouTube-Videos anschauen.

Änderungen wirken noch immer surreal

Was noch sehr positiv hinzukommt, ist ein weiterer erlaubter Fehlversuch bei den Klausuren. Man kann quasi testen, wie die Klausur ausfallen würde und wenn man diese nicht besteht, verfällt kein Fehlversuch.

Es fällt mir immer noch schwer, zu verarbeiten, dass mich ein Virus, der am anderen Ende der Welt ausgebrochen ist, daran hindert, die Vorlesungssäle von innen zu sehen – und das schon seit anderthalb Jahren. Vermutlich wird frühestens das übernächste Semester wieder normal und komplett in Präsenz stattfinden. Mal schauen, ob mich das „alte“ Studentenleben dann nicht wieder stört – es würde mich nicht überraschen.