Lifestyle

Körperbehaarung und Emanzipation

Schon früh hat Annika lernen müssen, dass man doof angeschaut wird, wenn man als Mädchen haarige Körperstellen hat. Das ganze Thema hat sich seitdem bei ihr eingebrannt.
Rasierte Beine gelten klischeehaft als typisch Frau. Wer sich Haare stehen lässt, wird schon mal schief angeschaut. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Könnt Ihr Euch auch noch an den Moment erinnern, wo die ersten Haare in der Pubertät an den Beinen und unter den Achseln aufgetaucht sind? Das war genau zwei Sekunden spannend und dann ein Problem. Denn Haare am Körper waren nicht okay, vor allem nicht an den Stellen, die jeder im Sommer gut sehen konnte.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich eines Tages mit einem knielangen Rock in die Schule ging und von den Jungs dafür gescholten wurde, dass meine Beine haarig waren. „Wenn du einen Rock tragen willst, dann musst du dir auch die Beine rasieren!“

Unrasierte Frauenkörper waren tabu

Obwohl mir das damals ziemlich egal war, hat sich diese Situation doch eingeprägt. So lange ich nicht selbst Rasierklingen kaufen durfte, um mich zu rasieren, so lange wurden die haarigen Stellen fortan halt versteckt. Bloß nicht auffallen, bloß nicht aus der Reihe tanzen.

Und im Grunde ging es allen so. Ich kann mich an niemanden erinnern, der zu meiner Schulzeit mit Büscheln unter den Achseln oder haarigen Beinen herumgelaufen wäre. Was damals modisch war oder Trend oder wie auch immer man das nennen möchte, wurde hart durchgesetzt.

Haarige Achseln als Zeichen der Emanzipation

Jetzt sitze ich manchmal im Park und sehe überall um mich herum haarige Beine und Achselbüsche. Auch an Frauen! Ich weiß nicht, ob das an meinem Freundeskreis liegt oder ein genereller Trend ist, aber die Lust, sich ständig zu rasieren, ist den meisten auf jeden Fall abhanden gekommen.

Die „Haare“ sind in Annikas Fall nur gephotoshopt. Sie selbst ist nämlich keine Freundin von Achselhaaren. © privat © privat

Ich weiß, dass es für viele auch einfach ein Zeichen der Emanzipation ist. „Schaut her, mir ist egal, was ihr darüber denkt, aber ich habe einfach keinen Bock mich zu rasieren! Kommt damit klar!“ Ich komm auch damit klar, ist mir doch egal, wie haarig die Achseln der anderen sind.

Selbstbestimmt über den Körper entscheiden

Ich kann und möchte mich ihnen aber nicht anschließen. Zu sehr habe ich verinnerlicht, dass diese Haare unschön sind. Dass sie irgendwie ungepflegt aussehen und dass sie so schnell wie möglich entfernt werden müssen. Erst habe ich gedacht, das sei ein Problem und ich könne mich nicht emanzipieren – dabei tue ich genau das.

Ich MUSS mir die Achseln nicht rasieren. Ich sollte es aber tun dürfen, wenn ich es möchte. Und das ist genau der Punkt, oder? Wichtig ist nicht die Veränderung dahingehend, dass jetzt jeder gern buschig trägt, sondern dass jeder die Wahl hat, seine Körperbehaarung in dem Maße zuzulassen, wie er oder sie grade Lust dazu hat. Vielleicht will ich das auch irgendwann alles wachsen lassen, wer weiß. Aber im Moment bin ich ganz zufrieden damit, wie es ist.

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