Persönliches

„Ich hasse Joggen“: Zwischen Sauerstoffzelt und Schweißausbrüchen

Nach langem Corona-bedingten Sportausfall, hatte Miriam sich eigentlich über ihren Trainingsbeginn gefreut. Doch auf dem Plan stand Joggen und damit begann eine zwei-Runden-lange Tortur.
Als es plötzlich darum ging, in die Laufschuhe zu schlüpfen und Runden zu laufen, war Miriams Begeisterung über das Ende der Trainingspause rasant verflogen. © pixabay.de

Ich hasse Joggen. Joggen hat für mich ungefähr denselben Spaßfaktor wie eine Dokumentation über Kläranlagen-Design. Schon bei den Bundesjugendspielen (die ich sogar noch mehr hasste als das Joggen selbst) belegte ich beim 800-Meter-Lauf immer verlässlich den vorletzten Platz. Genau wegen dieser Dinge meide ich diese Art der Fortbewegung wie ein Durchschnittsprofessor die Klausurkorrektur.

Bevorzugte Gangarten: Wandern und Rennen

Im Gegensatz zu scheinbar tausend anderen da draußen, verfüge ich nur über zwei verschiedene Gangarten und die führe ich in der Regel ziemlich kompromisslos aus: Entweder wandere ich gemächlich von A nach B, wie es die Evolution für den durchschnittlichen Menschen vorgesehen hat, oder ich renne, was das Zeug hält. Wobei sich hier das Wegrennen von diversen Raubtieren mittlerweile umentwickelt hat zum Hinrennen zu Mitteln des öffentlichen Nahverkehrs.

Joggen ist also die überflüssigste Gangart der Welt, entsprechend schlecht trainiert bin ich in dieser Hinsicht. Demnach legte sich die Euphorie über den Trainingsbeginn nach sieben Monaten (erneuter) Corona-Zwangspause verständlicherweise recht schnell, als mein Trainer mich und meine Gruppe anwies, zum Aufwärmen zwei (!) Runden durch den aus meiner Sicht viel zu großen Park zu joggen.

Anschluss halten war schnell keine Option mehr

Nach den ersten fünf Minuten gab ich es auf, mit der Gruppe – ausschließlich bestehend aus Wahnsinnigen, die regelmäßig zehn Kilometer joggen – Schritt zu halten, geschweige denn mich an der Unterhaltung zu beteiligen. Während sich der Abstand zwischen mir und dem Rest der Gruppe immer weiter vergrößerte, sendete mir mein Körper verzweifelte Signale in Form von Schweißausbrüchen im Niagarafall-Format und Herzfrequenzen direkt aus der Hölle, die ich um meines dämlichen Stolzes Willen zu ignorieren versuchte.

Mit schwindender Kraft erscheint die Strecke plötzlich immer länger – so auch bei Miriams Runden durch den Park. © pixabay.de © pixabay.de

„Scheiß Lockdown!“, dachte ich und versuchte mir einzureden, dass meine Kondition um einiges besser wäre, hätte ich im letzten halben Jahr vernünftig trainieren dürfen. Joggen gegangen wäre ich allerdings wohl auch ohne Lockdown nicht. Nach der ersten schweißtreibenden Runde durch diesen verflixten Park hätte ich schwören können, dass dieser seine Fläche heimlich verdoppelt hatte, außerdem kam mir die hübsche frühsommerliche Weg-Bepflanzung mittlerweile nur noch halb so schön vor.

Belustigte Zuschauer rauben den letzten Atem

Ich schleppte mich weiter und stellte fest, dass meine Gruppe bei meinem Tempo, das nur noch einen km/h von „Gehen“ entfernt war, bald außerhalb meiner Sichtweite sein würde. Ein etwa dreijähriges Kind zupfte seine Mutter am Ärmel, zeigte auf mich und fragte, warum ich so weit hinter den anderen herlaufen würde, und ich fragte mich meinerseits, wie hart man Kleinkinder eigentlich beschimpfen darf, ohne irgendein Gesetz zu brechen.

Ich beschloss, mir den eh schon äußerst knappen Atem zu sparen und joggte grollend an diesem garstigen Kind vorbei, aber leider nicht schnell genug, um die Mutmaßung „Vielleicht hat sie später angefangen“ der Kindesmutter nicht mehr hören zu müssen. NEIN VERDAMMT, ICH HATTE NICHT SPÄTER ANGEFANGEN!

Sehnsucht nach einem Sauerstoffzelt

Schnaufend wie eine alte Dampflok traf ich nach einer gefühlten Ewigkeit beim Rest meiner Gruppe ein, die mittlerweile schon mit den Dehnübungen angefangen hatten. Mein verspätetes Eintreffen wurde glücklicherweise höflich übergangen. Ich gesellte mich dazu und versuchte meinen verräterisch lauten Atem unter Kontrolle zu bringen, während ich mich so stark wie nie nach einem Sauerstoffzelt sehnte. Peinlich.

Leider wurde mir zwischen zwei Beinahe-Kotzanfällen bewusst, dass sich diese Tortur noch so lang wiederholen würde, bis das Training im Innenbereich wieder erlaubt war …ich würde mich dann mal begraben gehen.