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Friede, Freude, Eierkuchen? Von wegen!

Sophia hat sich in diesem Sommer wieder dazu entschieden, als Wwooferin auf einem Bauernhof auszuhelfen. Auf dem hessischen Pferdehof war es allerdings nicht so, wie sie sich erhofft hatte.
Auf manchen Bauernhöfen kann man in den Ferien als Freiwilliger bei der Arbeit mit anpacken. © pixabay.de

Mittlerweile habe ich schon drei Sommer auf Bauernhöfen verbracht und habe dort mitgeholfen. Ich würde mich deshalb nicht als Anfängerin auf diesem Gebiet bezeichnen. Diesen Juli wollte ich gern auf einer Farm in Nordengland verbringen – leider machte die Delta Variante meine Pläne zunichte.

Mein Plan B war deshalb: vier Wochen in Nordhessen. Ich begutachtete das Hof-Profil: Natural Horsemanship, vier-Felder Wirtschaft, viel Gemeinschaft und Menschen, die als Helfer kamen und als Freunde blieben … also alles Friede Freude Eierkuchen. Es hörte sich echt gut an.

Komfort vs. Romantik ohne fließend Wasser

Als ich am Dienstag ankam, wurde ich von der Hofleiterin und Familienmutter abgeholt, die Pferde im Schlepptau. Es war gleichzeitig eine andere Helferin mit mir dort, ich wählte das Zimmer anstelle des Bauwagens. Im Bauwagen habe ich letztes Jahr bei meinem Hofaufenthalt geschlafen, aber es ist auf Dauer anstrengend, keinen Strom und kein fließend Wasser zu haben, so romantisch sich das auch anhören mag. Handyempfang ist dort auch schwierig sowie der Hitze- und Kälte-Ausgleich.

Jedenfalls räumte ich meine Sachen ein und mir wurden verschiedene Sachen erklärt, die ich so und so, und bitte NICHT anders machen solle. Klar kommt es im Zusammenleben auf bestimmte Sachen an, die man beachten muss. Allerdings habe ich schon gewisse Anforderungen, was wertschätzende zwischenmenschliche Kommunikation angeht.

Der erste Tag bringt große Ernüchterung

Am Abend dachte ich, als ich ins Bett ging: „Hm, hier möchte ich eigentlich nicht bleiben.“ Ich fühlte mich einsam, vermisste meine Freunde und versuchte mich zu überzeugen, dass der erste Tag auf einem Hof nicht repräsentativ ist und ich mir Zeit geben sollte.

Als mir dann aber am nächsten Tag gesagt wurde, dass ich mir mein Obst bitte selber kaufen solle, weil man hier nur das esse, was saisonal im Garten wächst, war das ein weiterer „Och nöö“- Moment. Der Gasherd funktionierte nicht, die Pferde waren zu sensibel, um beritten zu werden, und die Impfthematik wurde auch eher kritisch gesehen.

Musik bei der Arbeit birgt Konfliktpotenzial

Meine Mit-Freiwillige hörte ziemlich seltsame psychedelische Musik, wenn wir zusammen arbeiteten, und ich traute mich nicht, sie zu bitten, diese nervigen Töne auszumachen. Umgekehrt stellte sie regelmäßig das Radio aus, wenn ich Musik in der Küche hörte. So waren die Geschmäcker eben unterschiedlich.

Sicherlich sind das alles Dinge, mit denen man sich abfinden könnte – ich für mich stellte allerdings fest, dass ich mich in meiner freiwilligen Zeit nicht mit irgendwas zufrieden geben muss, was mir nicht gefällt.

Halbwahrheiten beenden das Abenteuer Bauernhof

Klar, mit manchen Menschen versteht man sich besser als mit anderen, aber autoritäre Besserwisserei und unterbewusste Hierarchiestrukturen bekommen mir eben gar nicht gut. Dafür kenne ich mich nunmehr seit 26 Jahren.

Wie ich diese Situation gelöst habe? Leider bekam ich eine Mail, dass ein Online-Seminar meiner Universität nun „in Präsenz“ stattfinden würde, und ich deshalb nicht länger bleiben könnte, sondern zurück ins Ruhrgebiet müsse. Sehr schade, ja leider. Und es war auch nur halb geflunkert.

Eigentlich hätte ich mich trauen müssen, die Wahrheit zu sagen – nämlich, dass ich mir etwas anderes vorgestellt hatte, mit mehr coolen Menschen und mehr Gemeinschaft. Aber das mache ich dann vielleicht das nächste Mal …

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