Persönliches

Erste Erfahrungen mit Akupunktur: „Gespickt wie ein Mettigel“

Zur Linderung ihrer Endometriose-Symptome hat Miriam Akupunktur ausprobiert. Warum sie sich während der Behandlung zwischenzeitlich wie eine Rocher-Kugel gefühlt hat, verrät sie Euch.
So ähnlich können wir uns wahrscheinlich auch Miriams Behandlung vorstellen. © pixabay.de

Die chinesische Ärztin sieht mich prüfend über ihre Maske hinweg an. „Umweltgifte!“, sagt sie düster und notiert etwas in meinem Anamnese-Bogen. Der ist mittlerweile ziemlich voll. Ich bin 25 Jahre alt und anscheinend ein Wrack.

Zumindest nach Maßstäben der traditionellen chinesischen Medizin. Mit einem Blick auf meine Zunge und einem kritischen „Hm“ macht sie sich weiter Notizen.

Mysteriöse Begriffe sorgen für Unklarheiten

Anschließend erfahre ich von einem „Blutstau“ und einer „Blockade des Qi“(???) in meinem Körper, die mit dafür sorgen sollen, dass mich meine Periode alle vier Wochen komplett aus den Socken haut.

Einen Blutstau konnte ich zwar bisher an mir nicht unbedingt feststellen (es ist ja eher das Gegenteil der Fall), aber ich kenne mich da ja auch nicht aus.

Ich soll Hose und Pullover ausziehen und mich bäuchlings auf eine Liege legen. Gott sei Dank habe ich heute morgen im Halbschlaf nach einer Unterhose ohne Löcher gegriffen.

Sie drückt Punkte in meinem Rücken. Ich zucke zusammen. „Tut das weh?“ ,fragt sie überflüssigerweise. Dann drückt sie in meinen Nacken. „Und hier?“ „Tut auch weh“ ,murmele ich dumpf, das Gesicht in die Liege gedrückt. „Blockaden in Rücken, Nacken und Schädel“ ,stellt sie fest. Sehr ernüchternd.

Nichts für Leute mit Angst vor Nadeln

So langsam bezweifele ich, dass eine Akupunkturbehandlung, wegen der ich herkam, mich irgendwie noch retten wird. Anscheinend funktioniert an und in meinem Körper nichts mehr wie es soll.

Als ich mich umständlich wieder auf den Rücken gedreht habe, hat sie auch schon die Nadeln gezückt. Für alle Menschen mit Nadelphobie ist eine Akupunktur so etwas wie der Endgegner.

Den Gedanken, dass jetzt rund 20 dieser kleinen, aber äußerst spitzen Metallgegenstände in meine Haut gepikst werden sollen, würde ich nicht unbedingt als beruhigend bezeichnen.

Die Ärztin sticht die Nadeln in meine Beine, meinen Bauch und sogar in meinem Kopf und breitet anschließend eine goldene glänzende Rettungsdecke über mir aus, damit ich nicht an der Pritsche festfriere. Nun liege ich also da, gespickt wie ein Mettigel und eingepackt wie eine riesige Rocher-Praline.

Bauchgrummeln und Ziehen im Bein

In meinem Bauch grummelt es wie wild und in meinem rechten Bein breitet sich ein ziehender Schmerz aus. Aber ich halte mich tapfer. Was tut man nicht alles gegen die Endometriose.

Nach 20 langen Minuten werde ich erlöst. Ich bekomme einen neuen Termin und eine Reihe chinesischer Heilkräuter aufgeschrieben.

Die Auslotung des Qis hat ihren Preis

Mir ist schwindelig und übel, was definitiv nicht nur an der Rechnung liegen kann, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass ich meine rechte Niere, ein Stück Leber und meine Seele werde verkaufen müssen, um die Auslotung meines äußerst mysteriösen Qi finanzieren zu können.

Schwindel und Übelkeit seien normale Nebenwirkungen der Akupunktur, sagt die Ärztin und will mich mit der Aussage offensichtlich beruhigen.

Behandlung macht sich im Supermarkt bemerkbar

Vor der plötzlich eintretenden Verwirrtheit, die selbst meine naturgegebene Verpeiltheit noch übertrifft, hat sie allerdings vergessen mich zu warnen, weswegen ich mich später im Supermarkt darüber wundern werde, dass ich die Fleisch-und Wursttheke nicht mehr auseinanderhalten kann.

Nadeln zeigen Wirkung

Irgendwas scheinen diese Höllennadeln tatsächlich ausgelöst zu haben. Was genau, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Das kann ich vielleicht dann benennen, wenn ich herausgefunden habe, was bei allen Nadeln der Welt eigentlich ein Qi sein soll.