Leben

Eine Generation verliert ihre Kanzlerin

Die meisten von uns sind unter der Kanzlerinnenschaft von Angela Merkel groß geworden und fremdeln mit der anstehenden Neubesetzung. Schließlich hat Angela Merkel uns geprägt.
Angela Merkel ist nun seit 16 Jahren in ihrem Amt als Bundeskanzlerin. Vor allem für uns als „Generation Merkel" wird es nun komisch, sie gehen zu lassen. © picture alliance/dpa

Im September stehen bedeutende Wahlen an. Bedeutend nicht nur, weil es sich um die Bundestagswahl handelt, sondern auch, weil dieses Mal feststeht, dass Angela Merkel nicht mehr Kanzlerin werden wird. Und das ist ganz besonders bedeutend für unsere Generation: Für alle, die mit Angela Merkel aufgewachsen sind und jetzt eine feste politische Instanz in ihrem Leben verlieren.

In eine heile Welt hineingeboren

Die Generation Z (also alle, die um die Jahrtausendwende bis etwa 2010 geboren sind) hat das unglaubliche Geschenk erhalten, in eine vergleichsweise heile Welt hineingeboren zu werden. Viel zu jung, um die Anschläge vom elften September zu verstehen oder zu begreifen, was eine Weltwirtschaftskrise ist.

Aber weit genug, um mitzubekommen, dass das Land, in dem wir wohnen, von einer Frau mit ruhiger Art, überlegten Entscheidungen und abwartender Haltung regiert wird.

Unsere heile Welt wurde gefühlt schon immer solide von Angela Merkel begleitet, egal wie sehr sich alles drum herum verändert hat. Am Ende ihrer Amtszeit wird sich das „für immer“ in 16 Jahren zusammenaddieren. Danach wird sich die Generation, die unter Merkel groß geworden ist, von ihrer Kanzlerin verabschieden müssen.

Eine Generation voller Tatendrang und Mitmach-Wünschen

Was bleibt ist ein Vermächtnis, das laut dem Jugendforscher Klaus Hurrelmann, aus eben diesem abgesicherten Lebensverständnis hervorgeht: Wer dank der gegebenen Umstände weniger mit sich selbst beschäftigt ist – da die Wirtschaft boomt und Studium oder Ausbildung nach der Schule sowie der Berufseinstieg fest eingeplant sind – kümmert sich mehr um die Belange aller.

Dazu gesellt sich aus der Politik der Tenor „Wir-regeln-das-schon“, was so gar nicht mehr dem Verständnis unserer Generation entspricht. Im Gegenteil, wir begehren auf und sagen „Wir ändern das jetzt! Wir wollen mitmischen. Wir wollen noch mehr erreichen.“

Luisa Neubauer von Fridays for Future bei einem Klimaprotest in Berlin. Laut Jugendforschern ist der Klimawandel eine Art politische Übung im großen Stile für die Generation Z. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Das Klima-Thema spielt eine zentrale Rolle

Von dieser Haltung werden sich die Kinder der Jahrtausendwende auch nicht abkehren, wenn Angela Merkel ihren Platz im Kanzlerinnenamt räumen wird. Hurrelmann prophezeit, dass die aktuelle Thematik rund um das Klima wie eine politische Übung im großen Stile sei, bevor sich die jungen Menschen mit ihren hohen ethischen Maßstäben allen anderen Themen widmen würden.

Das liegt vor allem daran, dass „Generation Merkel“ das Gefühl hätte, die Versäumnisse der Älteren aufholen zu müssen. Sie engagieren sich stärker für die Lösungen gesellschaftlicher Probleme, als andere Generationen es vor ihr taten. Bestes Beispiel: Fridays for Future.

Seltsam spannende Zeiten liegen vor uns

Auch wenn ein gewisses „Erbe“ bleibt, wird es trotzdem ein befremdliches Gefühl sein, wenn sich plötzlich eine so wichtige politische Instanz und prägende Frau der gegenwärtigen Welt, die uns von Kindheitstagen an begleitet hat, zurückzieht. Für mich persönlich, als Teil der Generation Merkel, ein seltsames Ereignis, dem ich dennoch mit Spannung entgegenblicke.

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