Die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit

Sein eigener Chef sein - davon träumen viele. Zu diesem Schritt gehören aber oft viel Mut und Risikobereitschaft. © pixabay.de
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Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Selbstständigkeit und habe bereits an einigen Vorträgen zum Thema teilgenommen. Häufig wurden dabei dieselben Tipps und Erfahrungen geteilt. Diese möchte ich mit Euch teilen, falls Ihr eventuell ebenfalls mit dem Gedanken spielt, nach der Ausbildung oder dem Studium in die Selbstständigkeit zu gehen oder eventuell schon nebenbei etwas Eigenes aufzubauen.

1. Richtig kalkulieren:

Wenn es Euch mit dem Einstieg in die Selbstständigkeit wirklich ernst ist, sollte Euch bewusst sein, dass Ihr auf eigene Rechnung und vor allem eigenes Risiko arbeitet. Deshalb solltet Ihr auf jeden Fall realistisch kalkulieren. Welche finanziellen Ausgaben kommen auf Euch zu? Wie viel Zeit und Arbeit könnt Ihr investieren? Reicht das Geld zum Leben?

Hier ist eine ehrliche Analyse besonders wichtig, weil Ihr sonst ganz schnell Euer Erspartes verbrennt. Informiert Euch am besten bei der Agentur für Arbeit. Dort findet Ihr unzählige Informationsquellen, die Themen wie die Finanzierung behandeln. Außerdem können die Mitarbeiter Euch vor Ort beraten und Strategien mit Euch aufstellen.

2. Entwickelt eine Geschäftsidee:

Das Wichtigste ist die Geschäftsidee. Das kann entweder ein Produkt sein, das Ihr entwickelt habt oder eine Form von Dienstleistung. Also einfach gesagt, was macht oder verkauft Ihr? Und: Macht das, was Ihr machen wollt, noch niemand anderes?

3. Einen Businessplan erstellen:

Wenn die Idee geklärt und auf Herz und Nieren geprüft ist, solltet Ihr einen sogenannten Businessplan erstellen, also die zukünftigen Ansprüche und Ziele genau definieren. Wie soll es die nächsten Jahre weitergehen und wie sollen diese Ziele umgesetzt werden? Es ist wichtig, diese Schritte sorgfältig zu planen, ansonsten hat ein Unternehmen wenig Zukunft.

Ein Businessplan ist nicht nur aus dem Grund wichtig, damit ständig überprüft werden kann, ob alles nach Plan verläuft, sondern auch für Gespräche mit Banken oder möglichen Kooperationspartnern.

4. Finanzen im Blick haben:

Vor allem das Thema Finanzen ist im Zusammenhang mit Selbstständigkeit die Säule, mit der alles steht und fällt – vor allem mit Blick auf das leidige Thema Steuern. Die Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer wird auf alle Waren oder Dienstleistungen erhoben und wenn Ihr für diese verantwortlich, beziehungsweise umsatzsteuerpflichtig seid, könnt Ihr diese Steuer auf Rechnungen setzen. Dieses Geld geht allerdings direkt an das Finanzamt.

Eine weitere wichtige Steuer ist die Einkommenssteuer. Diese zahlt Ihr im Voraus an das Finanzamt, wodurch das geschätzte Jahreseinkommen berechnet wird. Anschließend wird diese Schätzung mit der Steuererklärung abgeglichen. War die Schätzung zu hoch, bekommt Ihr die Differenz zurück. Habt Ihr mehr verdient, muss die Differenz nachgezahlt werden. Es ist also sinnvoll, Eure Einkünfte und damit verbundene Steuern regelmäßig durchzurechnen.

5. Die richtigen Versicherungen abschließen:

Jeder ist gesetzlich verpflichtet, krankenversichert zu sein. Wenn Ihr selbstständig seid, müsst Ihr diesen Beitrag jeden Monat komplett selbst zahlen. Außerdem macht es meistens Sinn, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, die greift, wenn Ihr gesundheitlich nicht mehr in der Lage seid, Euren Job auszuüben.

6. Ausreichend Arbeitsmaterialien:

Neben den Formalitäten gibt es noch einen weiteren Bereich, der auf den ersten Blick vielleicht nicht wirklich ernst genommen wird: die Anschaffung und Wartung von Arbeitsmaterialien. Von Maschinen und Computern bis hin zu Kugelschreibern und Papier muss alles selbst organisiert und vor allem bezahlt werden. Das kann schnell zu einem nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor werden.

7. Altersvorsorge bedenken:

Es ist wichtig, frühzeitig damit anzufangen, fürs Alter zu sparen. Ausschließlich Selbstständige oder Freiberufler sind rentenversicherungspflichtig, mit dem einfachen Ziel, der Altersarmut zu entgehen. Deshalb solltet Ihr Euch rechtzeitig über Eure Möglichkeiten zum Thema Altersvorsorge informieren und anfangen, Geld einzuzahlen.

Leider sind die Finanzen und der damit verbundene Papierkram nicht zu umgehen und deshalb ist es äußerst ratsam, sich im Klaren darüber zu sein, was für ein finanzieller Druck auf frisch Selbstständige zukommt. Wenn aber Businessplan und Finanzierung stehen, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Selbstständigkeit gelegt.

Zum Abschluss noch ein Satz, der mir in diesem Zusammenhang eigentlich jedes Mal gesagt wird: Sei kompromissbereit. Am Ende kommt es sowieso immer anders als geplant und es ist daher von großer Wichtigkeit, sich umstellen zu können. Damit ist nicht gemeint, jede Idee von anderen abzusegnen, sondern abzuwägen, was die nächsten sinnvollen Schritte sein sollen.