Persönliches

Austausch der Generationen

Wie unser Leben in einer anderen Zeit ausgesehen hätte, wissen wir nicht. Im Austausch mit unseren Großeltern können wir dieses Leben aber erahnen. Solche Gespräche sind für alle wichtig.
Der Austausch zwischen Jung und Alt kann für beide Seiten gewinnbringend sein. Es eröffnen sich ganz neue Perspektiven und Sichtweisen. © pixabay.de

Wie wäre mein Leben wohl bisher verlaufen, wenn ich vor 30 Jahren geboren worden wäre? Was hätte ich gemacht, wenn ich vor 80 Jahren gelebt hätte? Vor allem rasante (technische) Entwicklungen und Veränderungen der politischen Lage machen es einem schwer nachzuvollziehen, wie man früher gelebt hat und welche Einflüsse auf die persönliche Entwicklung eingewirkt haben.

Unmöglich zu beantworten ist, wie das eigene Leben wohl unter anderen Voraussetzungen verlaufen wäre. Aber durch Literatur und den Dialog mit Menschen aus anderen Generationen, mit Eltern oder Großeltern bekommen wir doch einen Eindruck von vergangenen Ereignissen und können aus der Lebenserfahrung Älterer lernen.

Die Vergangenheit ist noch nicht lange her

Durch Gespräche mit Menschen, die unter ganz anderen Bedingungen aufgewachsen sind, erhält man nicht nur ein gewisses Verständnis für andere Generationen, sondern realisiert ebenfalls, dass die Vergangenheit gar nicht so weit zurückliegt, wie man denkt. Noch vor etwa 76 Jahren lebte man in Deutschland im Krieg und iPhones sind erst seit 2007 auf dem Markt, obwohl sie aus dem Alltag schon längst nicht mehr wegzudenken sind.

Menschen bringen unterschiedliche Lebenserfahrungen mit, die die Persönlichkeit prägen. So war meine Oma durch das Aufwachsen im Krieg und im Nationalsozialismus mit anderen Problemen konfrontiert als ich, die im Überfluss der heutigen Zeit aufwächst. Durch Gespräche mit ihr und anderen ändert sich die Wahrnehmung der eigenen Lebenslage und man schätzt Dinge mehr, die man für selbstverständlich erachtet.

Unsere Privilegien zu schätzen wissen

Emanzipierte Frauen, sorgenfreies Reisen, der Wert der Gemeinschaft Europas und des Friedens sowie die Freiheiten, die wir heutzutage genießen, waren beispielsweise in vielen Epochen der Geschichte nicht selbstverständlich oder sogar unvorstellbar.

Wenn wir uns öfter mit älteren Generationen austauschen, können wir viel voneinander lernen und besser zusammenhalten. © pixabay.de © pixabay.de

Dafür sollten wir dankbar sein und aus der Geschichte lernen. Denn die Bedeutung des Status quo zu vergessen, weil man es nicht anders erlebt hat, ist eine subtile Gefahr, aus der in meinen Augen wieder aufkeimende populistische Rhetorik, eine Geringschätzung Europas oder die Gefährdung von Frieden entstehen können – was sich in aktuellen politischen Ereignissen widerspiegelt.

Gegenseitiges Verständnis zwischen Jung und Alt

Die neu gewonnene Perspektive kann außerdem Verständnis für ältere Menschen schaffen, die manchmal durch die rasante Entwicklung abgehängt werden. Als junger Mensch ist es manchmal schwer vorstellbar, dass man nicht mit technischen Kommunikationsmitteln umgehen kann und andersherum ist es für ältere Menschen unverständlich, welches Anspruchsdenken heutzutage in einer leistungsorientierten Gesellschaft herrscht.

Jeder hat die Herausforderungen seiner Zeit zu bestehen. Ich bin sicher, dass die heutige Gesellschaft aktuell nicht kleineren Herausforderungen gegenübersteht als früher, angesichts des Klimawandels und der Anforderungen, die eine technisierte und globalisierte Welt mit sich bringen.