Persönliches

Abschied vom ersten Auto

Das erste eigene Auto ist etwas ganz Besonderes. So war es auch für Annika mit ihrem kleinen schwarzen Flitzer Kalos. Nun hieß es jedoch Abschied nehmen, weil Kalos nicht mehr fahren wollte.
Das erste eigene Auto ist etwas sehr besonderes. Umso schwerer fällt der Abschied, wenn es schrottreif ist. © pixabay.de

Ich hasse es, Abschied zu nehmen. Dabei ist es eigentlich fast egal, worum es geht. Ob Menschen aus meinem Leben verschwinden, ich eine Arbeitsstelle aufgeben muss oder möchte oder ein Ding kaputt geht und ich es wegschmeißen muss.

Abschiede bedeuten Veränderung und davon bin ich im Großen und Ganzen kein Fan. Deswegen blutete mir auch das Herz, als ich mein geliebtes kleines Auto abgeben musste. Kalos.

Aus anfänglicher Skepsis wurde eine große Liebe

Ich habe Kalos vor sechs Jahre unverhofft bekommen und konnte erst gar nichts mit ihm anfangen. Wozu brauchte ich schon ein Auto, ich bin immerhin davor Jahre lang auch ohne ausgekommen. Und ich bin damals noch gependelt!

Erst mit der Zeit habe ich mich mit der Freiheit, die Kalos mir verschafft hat, angefreundet. Ein voller Tank hieß unbegrenzte Möglichkeiten. Alles stand mir offen. Und wenn es nur die Erleichterung war, mit dem Auto zum Bahnhof zu fahren, um ein bisschen schneller an der Uni zu sein.

Dieser kleine schwarze Flitzer namens Kalos war Annikas ganzer Stolz. © Annika Mittelbach © Annika Mittelbach

Von Anfang an nicht der Fitteste

Kalos war schon nicht mehr ganz fit, als ich ihn bekommen habe. Er hatte seine Macken, so wie vermutlich jedes erste Auto. Ein kleiner schwarzer Wagen, in dem man sich im Sommer schnell die Hände am Lenkrad verbrannt hat, da er keine Klimaanlage hatte.

Ein Auto, das gerne ein Sportwagen geworden wäre, denn zum Anfahren musste man immer besonders viel Gas geben. Ein Auto, das die Verbindung zu meiner Familie gestärkt hat, als ich ausgezogen bin. Denn so wurde aus einer 1 1/2 stündigen Zugfahrt eine dreißigminütige Autofahrt.

Festivals wurden immer mit Kalos angefahren

Ein Auto, indem ich immer gerne Sing-Konzerte für mich selbst gegeben habe. Ein Auto, das immer unverhofft für Erleichterungen nicht nur für mich, sondern auch für meine Freunde gesorgt hat. Obwohl Kalos keine Berge mochte, hat er mich und meine Freunde zum Beispiel schon in die Eifel zu „Rock am Ring“ und nicht nur betrunkene Festivalgänger wieder sicher nach Hause, gebracht, sondern auch noch deren schweres Gepäck transportiert.

Auch vorm „Hurricane“ im Norden haben wir stundenlang im Festival-Stau in Kalos gestanden und hinterher, als der Song „Am sichersten seid ihr im Auto“ beim Unwetter rauf und runter lief, waren wir froh über den Schutz, den er uns bat.

Mitleid vom TÜV und der KFZ-Werkstatt

Im Laufe der Zeit hat Kalos mir immer öfter Sorgen gemacht. Er brauchte neue Bremsen, eine neue Ölwanne, das Getriebe gab langsam seinen Geist auf… und ich habe mich von TÜV zu TÜV geschleppt, immer wieder bereit ein paar Hundert Euro zu investieren, nur um mein kleines Auto am Leben zu halten.

Und das obwohl ich sowohl in der Werkstatt als auch beim TÜV immer mitleidig angeschaut wurde. Ich solle mir überlegen, ob sich die Reparatur wirklich noch lohnt. Jetzt war Kalos so krank, dass ich mich verabschieden musste.

Kalos wird nun zum Organspender für ander Vierräder

Ich bin auch ehrlich gesagt die letzten Monate nicht mehr so gerne mit ihm gefahren, weil man ihm sein Alter schon angemerkt hat. Ich musste mich also verabschieden. Und auch wenn es nur ein Auto ist, treibt es mir doch ein paar Tränchen in die Augen. Leb Wohl mein vierrädriger Freund. Ich hoffe, du kannst anderen Autos mit deinen Teilen noch ein guter Organspender sein. Vielen Dank für alles.

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