Schulen

SPD gegen Schulschließungen nach den Ferien – „Absolute Katastrophe“

Die Inzidenzzahlen in NRW sind einstellig, dennoch macht sich Sorge vor einer vierten Corona-Welle breit. Schon jetzt wird davor gewarnt, die Kinder erneut ins Homeschooling zu schicken.
Jochen Ott (SPD) spricht im Landtag. © picture alliance/dpa

Die SPD-Opposition hat eindringlich vor erneuten Schulschließungen nach den Sommerferien gewarnt. „Die Schulen dürfen nicht mehr geschlossen werden“, sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, am Dienstag in Düsseldorf. Erneuten Distanzunterricht im Fall einer vierten Corona-Welle dürfe es „auf keinen Fall“ geben und Wechselunterricht „nur im allergrößten Notfall“.

Vielmehr sollten dann andere Lernorte etwa in Kirchen oder Vereinen genutzt und die Schulstunden anders organisiert werden, damit jedes Kind jeden Tag in die Schule gehen könne. Zwar hätten einige Kinder vor allem an Gymnasien vom Distanzunterricht sogar profitiert, sagte Ott. Besonders Brennpunktschulen hätten durch Distanzunterricht aber Kinder auch „komplett verloren“. An diesen Schulen wäre erneuter Distanzunterricht „eine absolute Katastrophe“.

Sondersitzung des Schulausschusses angesetzt

Auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte empfohlen, Schulen offen zu halten und so Präsenzunterricht für alle Schüler zu ermöglichen – dies solle aber von „geeigneten Schutzmaßnahmen“ begleitet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte für Aufregung gesorgt mit der Vorhersage, dass auch im Herbst und Winter voraussichtlich Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig sei. Allerdings – so stellte er klar -, sei es eines der Hauptziele, das normale Schulleben so lange wie möglich zu bewahren. Es sei auch möglich, nach den Sommerferien Wechselunterricht zu vermeiden.

Von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) forderte die SPD ein „klares Konzept“, wie es nach den Ferien im Herbst für die 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und die rund 200.000 Lehrkräfte weitergeht. Dazu wurde laut Ott auf Antrag der SPD für kommenden Mittwoch (30. Juni) eine Sondersitzung des Schulausschusses angesetzt. „Die Kinder und Jugendlichen sind die großen Leidtragenden der letzten 18 Monate. Das muss jetzt zu Ende sein.“

In anderen Bundesländern gebe es bereits strategische Planungen für den Herbst. Auch das kommende Schuljahr werde kein normales, sondern ein „Pandemie-Schuljahr“ sein, selbst wenn sich die Delta-Mutation des Coronavirus nicht ausbreiten sollte, sagte Ott. Die Schüler müssten Lernrückstände aufarbeiten.

SPD fordert Lernstanderhebungen

Ott bekräftigte seine Forderung, im ersten Quartal auf Klassenarbeiten in den Jahrgangsstufen fünf bis neun zu verzichten. Stattdessen solle es Lernstanderhebungen geben. Die SPD legte einen Antrag zum Schuljahr 2021/22 für das Plenum kommende Woche vor. Vor allem die schulischen Übergänge müssten in den Blick genommen werden. Viele Fünftklässler hätten im abgelaufenen Corona-Jahr ihre Klassenkameraden noch gar nicht kennengelernt.

In vielen Kommunen habe es wegen der Pandemie keine Schuleingangsuntersuchungen gegeben, um die Fähigkeiten der Kinder zu prüfen. Ein Aufholprogramm besonders in Kernfächern und mit kleinen Gruppen müsse gestartet werden. Die Kinder dürften aber nicht bis zum Abend mit zusätzlichen Maßnahmen belastet werden.

Auch der Übergang von der Schule in die Ausbildung müsse gestaltet werden. Hygiene- und Testkonzepte für die Schulen müssten vorbereitet und Luftfilteranlagen angeschafft werden. Lehrkräfte sollten nach Möglichkeit alle geimpft sein.

dpa

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