Extreme einer Stadt

Tief im Westen von Recklinghausen

Felder, Forellen, Fahrzeuglärm: Im äußersten Westen von Recklinghausen trifft Natur auf die Bundesstraße 225. Vor zehn Jahren ging es dort im Dreistädte-Eck noch äußerst frivol zu.
Sie verlassen den Recklinghäuser Sektor: Der westlichste Punkt von Recklinghausen liegt auf einem kurzen Stück der Riedstraße, die in den benachbarten Hertener Stadtteil Scherlebeck führt. © Jörg Gutzeit

Die Recklinghäuser Zeitung macht sich auf die Suche nach den „Extremen“ der Stadt. Diesmal schauen wir uns im äußersten Westen des Stadtgebiets um. Ein kurzes Stück der Riedstraße, die von der Marler Straße abgeht, bildet den westlichsten Zipfel der Stadt. Wer dort in Richtung Süden das Schild „Nimm Rücksicht – Erholungsgebiet Ried“ passiert, landet genau dort – und im Hertener Stadtteil Scherlebeck.

Heute nehmen wir es ganz genau: 51 Grad 38‘ 2,9“ N und 7 Grad 8‘ 4,9“ O – Das sind der nördliche und der östliche Breitengrad, die die Westfront von Recklinghausen markieren. Der Loemühlenbach verschwindet hier auf seinem Weg nach Marl unter der Bundesstraße 225, nachdem er sich für wenige Meter – aus Hertener Gebiet kommend – auf Recklinghäuser Territorium blicken lässt. Dabei passiert er die Fischteiche des angrenzenden Forellenhofs.

Mit dem Nachtexpress über die Stadtgrenze

Die westlichste Postadresse gehört zu einem Hof auf der anderen, der nördlichen Seite der B225, auf der Fahrzeuge vorbeirauschen. Aber bei dem Landwirt ist für uns nichts zu holen. „Kein Interesse“, teilt man uns knapp mit, als wir unser Anliegen schildern. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gehöfts befindet sich die westlichste Bushaltestelle Recklinghausens. An der Station „Riedstraße“ halten die Linien 219 und der Nachtexpress 3 der Vestische Straßenbahnen GmbH. Von Marl-Mitte beziehungsweise vom Dorstener ZOB kommend fahren die Busse über Marl bis zur Endstation am Recklinghäuser Hauptbahnhof.

Heute halten hier nur Busse. Früher waren es auch Freier: 2010 und 2011 war hier ein Straßenstrich angesiedelt. Dann wurde die Fläche zum Sperrbezirk erklärt. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Hier hat aber nicht immer nur öffentlicher Personennahverkehr stattgefunden: In den Jahren 2010 und 2011 hatte sich in diesem Bereich ein Straßenstrich etabliert. Vor allem Prostituierte aus Rumänien hatten dort ihre Dienste angeboten. Der Ärger hatte damals nicht lange auf sich warten lassen. Es kam zu Beschwerden von Anwohnern und auch Spaziergängern, die sich ihre Erholung in der Ried anders vorstellten. Eine Unterschriftenaktion war die Folge. Schließlich erwirkten die Städte Recklinghausen, Marl und Herten bei der Bezirksregierung Münster einen Sperrbezirk im Dreistädte-Eck in Höhe der Forellenteiche. Und der hat bis heute Bestand. Die Prostituierten hatte es dann an den Ewaldsee in Herten getrieben.

Stippvisite bei den Stören

Auch wir „machen rüber“ nach Herten und wagen einen Blick über den lokalen Tellerrand. Nur wenige Meter hinter der Stadtgrenze liegen die Fischteiche des „Forellenhofs in der Ried“. Manfred Kaufhold ist seit zwei Jahren der Platzwart des Angelparks. „Angeln boomt seit Corona“, sagt er. Vor allem am Wochenende komme es vor, dass so viele Petrijünger an den zwei Teichen sitzen, dass man Neuankömmlinge wegen Platzmangels wieder fortschicken müsse. Wegen der Pandemie, so Kaufhold, müssten nämlich Abstände von 1,5 Metern eingehalten werden.

Die Fischteiche vom „Forellenhof in der Ried“ sind ein Paradies für Angler. Auch Matthias Krakau aus Marl wirft hier regelmäßig seine Ruten aus. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Hauptsächlich Störe tummelten sich in den Becken, aber auch Afrowelse und Aale. Die namensgebenden Forellen, so der Platzwart, seien bei warmen Temperaturen träge und „beißen nicht“. Einer, der hier regelmäßig seine Rute auswirft, ist Stefan Hannemann aus Westerholt. Jetzt, im Urlaub, sei er fast täglich im Angelpark, sagt der 34-Jährige. Was ist so toll am Angeln? „Man hat seine Ruhe, und es ist ein schönes Gefühl, wenn man einen Fisch an der Leine hat.“

So ganz ohne Polizei geht es im Sperrbezirk dann aber doch nicht. Weil die Angelteiche im Naturschutzgebiet lägen, so erklärt es Sebastian Mosolf vom Forellenhof, sei es untersagt, Zäune aufzustellen. Und so bekomme man es mindestens einmal pro Woche nachts mit Wildanglern zu tun. Bis die Polizei dann einträfe, seien die Eindringlinge aber schon fort. Auch wir haben genug gewildert. Zurück nach Recklinghausen.

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