Bundestagswahl 2021

Plakate beschmiert: Parteien erstatten Anzeigen

Wahlplakate sind auch in diesem Jahr das Ziel von Farbsprühern und Zerstörungswütigen. Manche Täter betreiben einen hohen Aufwand.
Auch dieses Plakat der SPD nahe des Hallenbades an der Herner Straße wurde „nachbearbeitet“. © Lea Mundthal

Sieben Anzeigen lagen der Polizei bis Mittwochnachmittag über beschädigte oder zerstörte Wahlplakate in Recklinghausen vor. Dabei dürften die angezeigten Taten deutlich mehr als sieben Plakate betreffen. Denn alleine die FDP berichtet von vier verunstalteten Großplakaten. „Damit müssen wir wohl leben“, sagt die Stadtverbandsvorsitzende Marlies Greve. Aber genau das fällt ihr schwer. „Auseinandersetzungen mit Argumenten sind völlig in Ordnung“, sagt die Frau, die selbst als Direktkandidatin in Recklinghausen, Castrop-Rauxel und Waltrop antritt. Doch die Verwüstungen und Manipulationen der Plakate gingen zu weit. „Ich kann das einfach nicht verstehen.“ Es geht um Sachbeschädigungen und das Verwenden verfassungswidriger Symbole.

Mehrfach, erzählt Marlies Greve, seien auf ihrem Konterfei die Augen überklebt worden. Der FDP-Slogan „Aus Liebe zur Freiheit“ sei in „Aus Liebe zum Geld“ umgemünzt worden. „Jeder, der mich kennt“, sagt Marlies Greve, „weiß, dass dieses Klischee nicht auf mich zutrifft.“ Mitunter seien der oder die Täter mit Raffinesse und unter einem hohen technischen Aufwand vorgegangen. So seien Worte in den Originalformen und -farben der Plakate ausgedruckt und aufgeklebt worden. Auch Nazi-Symbole fänden sich auf manchen Plakaten. Mehrfach habe sie Plakate selbst ausgetauscht, sagt die FDP-Direktkandidatin.

Den Wahlslogan der FDP haben Unbekannte an gleich mehreren Plakat-Standorten umgedeutet. © Lea Mundthal © Lea Mundthal

Auch die SPD ist betroffen. Frank Cerny ist Leiter des Wahlkreis-Büros von SPD-Kandidat Frank Schwabe. Er spricht von „sechs bis sieben“ beschädigten und manipulierten Plakaten. In der Endphase des Wahlkampfes habe es mehr Vorfälle gegeben. Und das oft an Orten mit wenig Wohnbebauung und sozialer Kontrolle, wie etwa an der Schmalkalder Straße, oder auch am Bruchweg.

CDU-Vorsitzender Benno Portmann berichtet von mehreren zerrissenen oder beschmierten Plakaten in Süd. Diese Schäden seien erst in den vergangenen Tagen aufgetreten.

Die Bundestagswahl steht am Sonntag (26.9.) bevor. © MHB © MHB

Marlies Greve freut sich schon auf den Tag, an dem sie die Plakate wieder abnehmen kann. „Ich finde es gut, dass wir uns in Recklinghausen darauf verständigt haben, dass die Plakate frühestens sechs Wochen vor der Wahl gehängt werden dürfen und spätestens zwei Wochen nach der Wahl wieder verschwunden sein müssen.“ Sie sagt: „Recklinghausen gefällt mir ohne Plakate besser.“

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