Stadt hat kritische Stellen im Blick (mit Video)

Hochwasser wie in der Eifel in Recklinghausen nicht möglich

Franz-Josef Knoblauch ist der Abteilungsleiter Stadtentwässerung in Recklinghausen. Überflutungen wie in der Eifel oder in Hagen kann er für die Stadt ausschließen.
Franz-Josef Knoblauch, Abteilungsleiter Stadtentwässerung Recklinghausen, schließt katastrophale Überschwemmungen im Stadtgebiet aus. © Christian Pozorski

Die Bilder aus den Katastrophengebieten in Deutschland haben sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Vermeintlich harmlose Flüsse und Bäche sind zu tödlichen Gewässern geworden. Sind solche dramatischen Szenen für Recklinghausen denkbar? Franz-Josef Knoblauch, Abteilungsleiter Stadtentwässerung, sagt nein.

„Das kann nicht passieren, weil Recklinghausen eine ganz andere Topografie hat“, sagt Knoblauch. Das Stadtgebiet sei flacher als etwa die Eifel. Es gebe keine Senkungen, an denen sich das Wasser derart sammeln könne. „Zudem haben wir keinen großen Bach oder Fluss“, ergänzt der Experte. Auf der ursprünglichen Hochwassergefahrenkarten für NRW sei der größte Bach Recklinghausens – der Hellbach – wegen des geringen Einzugsgebiets gar nicht erfasst worden. Erst nach einem Einwand der Verwaltung sei das Gewässer vom Land in die Karte aufgenommen worden.

„So etwas würde ich bei uns ausschließen“

„Das Gefälle geht hoch nach Norden, und ab Haltern geht es wieder bergab“, sagt Knoblauch. Unterhalb dieser Grenze, dieser Wasserscheide, fließe alles Richtung Emscher. Solche Wasserscheiden markieren die topografischen Grenzen von Einzugsgebieten. Knoblauch: „Wenn wir das auf die Eifel hochrechnen würden, läge unsere Wasserscheide fast bei Münster. Und dann hätten wir hier in Recklinghausen bei der gleichen Regenmenge wie in den betroffenen Gebieten natürlich eine ganz andere Situation.“ Der Abteilungsleiter erinnert an das vielfach gezeigte Video, das einen von den Wassermassen mitgerissenen Wohnwagen zeigt, der von der Flut an einer Flussbrücke zusammengefaltet und darunter fortgespült wird: „So etwas würde ich bei uns ausschließen.“

Was ist mit der Emscher? Die führte nach dem hiesigen Dauerregen am 14. Juli auch sehr viel Wasser. „Da war noch jede Menge Platz“, sagt Knoblauch. Die Emscher werde nicht über die Ufer treten, auch weil sie wegen der Bergsenkungen in der Region von Anfang an eingedeicht worden war. Und auch vom Rhein-Herne-Kanal gehe keine Gefahr aus. An manchen Stellen fließe er zwar auf Dammniveau, aber selbst wenn der Damm beschädigt würde, sorgte das Schleusensystem für Sicherheit. „Für Recklinghausen würde ich mir keine Sorgen machen“, unterstreicht Knoblauch seine Ausführungen.

Entwässerungspläne werden regelmäßig überarbeitet

Nichtsdestotrotz gebe es „Hotspots“ in der Stadt, die man beobachte und für die man Maßnahmen getroffen habe oder noch daran arbeite: „Wir überarbeiten regelmäßig unsere Generalentwässerungspläne.“ Als ein Beispiel nennt der Abteilungsleiter Stadtentwässerung die Pläne (wir berichteten) für den Stadtgarten. Dort sollen Regensammelbecken verhindern, dass Niederschläge die südlich gelegene Dorstener Straße herunterfließen und sich wie schon häufig geschehen vor dem Sparkassen- und dem VHS-Gebäude sammelten. Und auch für den Erlbruchpark sei eine Regenwasserabkopplung vorgesehen.

2016 hatte die Stadt Recklinghausen auf ihrer Homepage eine Starkregengefahrenkarte eingeführt. Diese Karte zeigt die Fließwege und Überflutungen durch wild abfließendes Wasser bei einem fiktiven Extremniederschlag (65 Liter pro Stunde). Mit Hilfe einer Computersimulation wurden die überfluteten Bereiche in Form von Wasserständen in Metern berechnet. Auch der Bereich zwischen Stadthaus A und Stadthaus C ist in der Karte rot eingefärbt. „Das ist nicht gut, weil dort im Keller die zentrale IT der Stadt untergebracht ist“, so Knoblauch. Derzeit werde überlegt, in diesem Bereich eine Rampe, eine Mauer oder versenkbare Schwellen zu installieren.

„Es gibt aber auch Punkte, die wir nicht in den Griff bekommen“, sagt Knoblauch –die jüngst überschwemmte Unterführung an der Theodor-Körner-Straße etwa. Aufwand und Ertrag von denkbaren Gegenmaßnahmen würden in keinem Verhältnis zueinander stehen. „Damit muss man leben.“

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