Hauptbahnhof: Polizei greift Jugendliche mit Waffen und berauschenden Medikamenten auf

Redakteur
Auf einem Kästchenzettel liegen Tabletten und eine schwarze Pistole mit herausgenommenem Magazin.
Eine Waffe und verschreibungspflichtige Medikamente stellten die Beamten im Recklinghäuser Hauptbahnhof bei den Jugendlichen aus Marl und Schmallenberg sicher. © Bundespolizei
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Gegen 11.30 Uhr am Montagvormittag kontrollierten Beamte der Bundespolizei im Recklinghäuser Hauptbahnhof zwei Jugendliche. Ein Hinweisgeber hatten die Ordnungshüter auf die Spur der beiden gebracht.

Demnach sollten der 16-jährige Marler und sein 15-jähriger Begleiter aus dem sauerländischen Schmallenberg im Hauptbahnhof verschreibungspflichtige Medikamente verkaufen, die sich in der Drogenszene einer gewissen Beliebtheit erfreuen.

Auf dem Bahnsteig an Gleis 2 kontrollierten die Bundespolizisten das Duo und fragten nach gefährlichen oder verbotenen Gegenständen. Daraufhin zog der 16-Jährige nach Polizeiangaben seinen Pullover hoch. Was die Beamten dann sahen, ließ sie zusammenzucken: Hinter dem Gürtel des Jugendlichen steckte eine Pistole.

Sofort griff einer der Polizisten nach der Waffe und stellte diese sicher. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um eine Softair-Waffe handelte. Mit dieser Luftdruckpistole verschießt man in der Regel kleine Plastikkugeln. Allerdings sah die Pistole auf den ersten Blick täuschend echt aus. Der Jugendliche aus Schmallenberg händigte den Beamten ein verbotenes Einhandmesser aus.

Der Marler wurde zusammen mit seinem Begleiter zur Wache gebracht. Dort fanden die Polizisten in der Tasche des 16-Jährigen eine große Menge eines verschreibungspflichtigen Medikamentes. Konkret ging es um Tilidin. „Es ist eigentlich ein Schmerzmittel“, erklärte Bundespolizei-Sprecher Hendric Bagert auf Anfrage. „Überdosiert hat es jedoch eine angsthemmende und euphorisierende Wirkung.“ Dass der Marler das Medikament für den Eigenbedarf dabei hatte, schließt die Polizei wegen der hohen Menge aus. Sie geht davon aus, dass die Jugendlichen die Medikamente verkaufen wollten.

Schmerzmittel ist in der Szene beliebt

In der auch am Recklinghäuser Hauptbahnhof anzutreffenden Drogenszene werde Tilidin nicht selten als Ersatzstoff genommen.

Die Polizisten leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz ein. Der 16-Jährige wurde anschließend zur zuständigen Kriminalwache der Polizei in Recklinghausen gebracht. Denn: Drogendelikte liegen nicht wirklich im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei. Im Präsidium wurden die weiteren Ermittlungen eingeleitet. Es sind nicht die ersten Ermittlungen. Schon mehrfach ist der Marler nach Polizeiangaben wegen des Besitzes und Verkaufs von Betäubungsmitteln mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Zusammen mit dem Tragen der täuschend echt aussehenden Waffe kommt Bundespolizei-Sprecher Hendric Bagert zu einem klaren Schluss: „Das alles zusammen ist in dem Alter schon bemerkenswert.“

Bei den nun angelaufenen Ermittlungen geht es auch darum, von welcher Quelle der 16-Jährige die Medikamente bezogen hat.