Bundestagswahl mit Video

Die Unentschlossenen: Zwei Erstwähler auf der Suche nach Klarheit

Michelle Pruszak und Melvin Schröter dürfen am Sonntag zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Stimme bei einer Bundestagswahl abgeben. Noch haben sie sich nicht für eine Partei entschieden.
Zwei von 2,8 Millionen Erstwählern: Michelle Pruszak und Melvin Schröter. © Oliver Kleine

2,8 Millionen Erstwähler dürfen am Sonntag an die Wahlurnen gehen. Für Michelle Pruszak und Melvin Schröter steht wenige Tage vor der Bundestagswahl nur eines fest: Sie werden wählen. Das auf jeden Fall. Nur wen oder welche Partei – das wissen sie noch nicht. Damit geht es ihnen ähnlich wie auch vielen routinierten Wählerinnen und Wählern vor dem Urnengang am Sonntag.

Michelle Pruszak (18) absolviert gerade ein Jahrespraktikum in der Recklinghäuser Altstadtschmiede. Melvin Schröter (19) ist in dem Jugend- und Kulturtreff als Bundesfreiwilliger beschäftigt. Wir treffen beide in einem separaten Raum der Schmiede. Durch die Scheibe in der Zimmertür fällt der Blick auf den Flur. Jugendliche eilen vorbei. Sie sind auf dem Weg in den Kickerraum.

Die beiden Erstwähler Michelle und Melvin fühlen sich von den Parteien und den Spitzenkandidaten nicht wirklich vertreten, die sie gerade täglich im Fernsehen und den vielen Clips in den sozialen Medien sehen. „Man sieht da ja fast nur ältere Leute“, sagt Melvin. Die Diskussion über die Rente oder Lohnfortzahlung im Quarantäne-Fall jedenfalls geht an seiner aktuellen Lebenswirklichkeit um Lichtjahre vorbei.

Menschenrechte und Tierhaltung sind ihr wichtig

Michelle ist nicht nur Jahrespraktikantin in der Altstadtschmiede, sondern auch eine engagierte Berufskollegschülerin. Sie war Klassensprecherin, leitete Erste-Hilfe-Kurse und gehörte dem Europaparlament des Max-Born-Berufskollegs an. Wenn sie über die für sie wichtigsten politischen Themen spricht, geht es nicht sofort um den Klimaschutz. Menschenrechte und Gleichberechtigung seien ihr wichtig. Und eine gute Tierhaltung. Ob sie sich vorstellen könnte, selbst in die Politik zu gehen? „Theoretisch schon.“

Das unterscheidet sie von Melvin. Er spielt mit dem Gedanken, Sozialpädagoge zu werden. Was wünscht er sich spontan von der Politik? „Eine bessere Bezahlung in sozialen Berufen.“ Das sei ihm gerade in der Coronakrise klargeworden. Was ihn nervt, ist eine überbordende Bürokratie. Die vielen und immergleichen Formulare, die er als Halbwaise regelmäßig ausfüllen müsse. Die Spitzenkandidaten der Parteien überzeugen den 19-Jährigen nur bedingt: „Die wirken teilweise nicht so souverän.“

Am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. © System © System

Das findet auch Michelle. Entsetzt sei sie gewesen über Laschets Lachen im Flutgebiet. „Ein Familienmitglied eines Freundes ist im Dachgeschoss ertrunken“, erzählt Michelle. Deshalb gehe ihr die Katastrophe im Westen der Republik besonders nahe. Annalena Baerbock habe immerhin Politik studiert, meint Michelle. Dass die Bewerberin der Grünen keinerlei Regierungserfahrung hat und in den vergangenen Wochen manchen Anlass zur Kritik bot, spielt für sie offenbar kaum eine Rolle. Zumindest eines der Trielle will sich Michelle noch anschauen. „Das haben uns auch unsere Lehrer empfohlen.“

Für Melvin ist immerhin klar: „Olaf Scholz macht mir den seriösesten Eindruck.“ Bis zur Wahl hat sich der Recklinghäuser noch etwas vorgenommen: „Ich mache auf jeden Fall den Wahl-O-Maten.“

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