Vinyl, Vintage und mehr

Alles dreht sich – um die Kunst

Ein bisschen Kreativ-Boutique, eine Portion Secondhand-Laden, ein Hauch Möbelgeschäft und ganz viel Plattenladen: An der Martinistraße in Recklinghausen öffnet das „Schallplatten Kunsthaus“.
Ein Konzept, das Kreise zieht: Hinter dem „Schallplatten Kunsthaus“ – ins Leben gerufen von Henning Prinz – steht ein großes und reges Netzwerk. © Jörg Gutzeit

Auf dem Plattenteller dreht sich eine Scheibe von Nancy Sinatra. „Something stupid“ säuselt sie im Duett mit Frank Sinatra. Die Liebesballade des Vater-Tochter-Gespanns bleibt an diesem Tag aber das einzig Befremdliche im „Schallplatten Kunsthaus“ an der Martinistraße 5. Im ehemaligen Kunsthaus Schröder hat Veranstalter und Vinyl-Fan Henning Prinz mit Artgenossen einen sogenannten Pop-up-Store auf die Beine gestellt. Jetzt stellten er und seine Entourage den vor Gemütlichkeit strotzenden Konzeptladen vor.

Zwar dreht sich im Kern alles um Schallplatten, aber die Palette des jetzt schon kultig anmutenden Ladens bietet noch einiges mehr. Mit 21 Mitstreiterinnen und Mitstreitern verkauft Prinz ab Donnerstag, 2. September, an drei Tagen in der Woche außerdem Bilder, Plakate, Keramik, Kunsthandwerk, Bücher, Seifen, Bekleidung, Möbel und auch CDs – alles secondhand oder selbst gefertigt.

5000 Schallplatten für den guten Zweck

Die silbernen Scheiben sind einem der Aktiven – einem offenkundig eingefleischten Vinyl-Liebhaber – bei der Vorstellung des „Schallplatten Kunsthauses“ dermaßen ein Dorn im Auge, dass er diese am liebsten mit einem Tuch verhüllen würde – im Scherz? Ob nun Scherz oder nicht, was deutlich wird: Hier ist ganz viel Leidenschaft für Musik im Spiel. Männer jenseits der 50 stöbern mit leuchtenden Augen in den 5000 Platten, die Henning Prinz und Christian Rump zusammengetragen haben („Wir haben noch mal die gleiche Menge auf Lager.“). Beim Durchflippen der bunten Cover wird kennerhaft genickt, einige Platten werden herumgezeigt, es wird diskutiert, erinnert, ausgetauscht. Hier wird mit Verve in musikalischen Erinnerungen geschwelgt.

Vinylfreunde unter sich: (v.l.) Christian Rump, Stefan Prott und Tom „Tornado“ Klatt haben Platten aus ihrem Fundus für das „Schallplatten Kunsthaus“ zur Verfügung gestellt. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Auch Bürgermeister Christoph Tesche hat ein paar Schallplatten für den guten Zweck mitgebracht – ein Teil der Verkaufserlöse geht an die Gastkirche. „Ich wusste erst nicht mehr, wo ich meine alten Platten habe“, erzählt Tesche bei der Einweihung des „Schallplatten Kunsthauses“. Als er sie dann gefunden habe, sei in seinem Kopf sogleich eine „Zeitreise“ losgegangen. Die erste Scheibe, die ihm dann in die Hände gefallen sei, habe er aus nostalgischen Gründen behalten müssen. Mitgebracht hat er Vinyl von Them, Joachim Witt („Der goldene Reiter“), Peter Maffay („Tabaluga“) und Miles Davis. Fürs Gruppenfoto posiert Tesche mit einer Platte von Alphaville und kann mit Musikwissen glänzen: „Alphaville kamen aus Münster.“

Im Sommer 2020 sei ihm gemeinsam mit Christian Rump die Idee für das „Schallplatten Kunsthaus“ gekommen, so Henning Prinz. „In den letzten zwölf Monaten waren wir bestimmt bei 50 Leuten zu Hause und haben ihre Plattensammlungen untersucht“, sagt der Veranstalter. Teilweise hätten die Besitzer ihr schwarzes Gold verschenkt, teilweise verkauft. Dass die Aktion auch ein bisschen Promo für sein von der Corona-Pandemie betroffenes Unternehmen sein soll, verhehlt Prinz nicht.

Der sogenannte Pop-up-Store an der Martinistraße ist Boutique, Möbelgeschäft, Plattenladen und Secondhand-Geschäft in einem. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Die Möbel im Schaufenster sind bereits verkauft

Das Kunsthaus Schröder gab es insgesamt 95 Jahre lang. An der Martinistraße in der Altstadt war es seit 1968 angesiedelt – bis zuletzt betrieben von Rudolf und Roswitha Frenz. Nun ist die Kunst wieder eingezogen. Das Förderprogramm „Soforthilfe Innenstadt“ hat es möglich gemacht. Und das „Schallplatten Kunsthaus“ kommt vor seiner Öffnung schon gut an. Die Möbel im Schaufenster (vom Vintagestore in Dortmund) sind bereits allesamt verkauft, sagt Prinz.

Vorerst wird es den Pop-up-Store bis Dezember geben. Prinz: „Aber wenn es gut läuft, wer weiß…?“ Donnerstags und freitags ist der Laden von 14 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Wer eine Plattensammlung auflösen möchte, kann sich unter Tel. 0172/2840542 oder per E-Mail an h.prinz@agentur-prinz.de an Henning Prinz wenden.

Gelsenkirchener Barock – vom Vintagestore Dortmund. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

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