Auengebiet

Paradies für Fauna und Flora in Olfen

Das neue Auengebiet nahe dem Krähenbusch ist fertig. Es dient der Natur, den Tieren. Aber auch den Menschen. Auch durch Details.
Das neue Auengebiet südlich der Kläranlage Olfen bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen neuen Lebensraum. In den Holzpfählen können sich Insekten wie Wildbienen einnisten.
Das neue Auengebiet südlich der Kläranlage Olfen bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen neuen Lebensraum. In den Holzpfählen können sich Insekten wie Wildbienen einnisten. © Daniel Djan/EGLV

Der Lippeverband hat im Rahmen des Programms „Lebendige Lippe“ im Bereich südlich der Kläranlage Olfen ein wahres Paradies für Flora und Fauna geschaffen. Neben einer Flutmulde mit Anschluss an die Lippe ist in der Nähe vom Krähenbusch zusätzlich noch ein Auengebiet mit vielen Versickerungsflächen entstanden.

Wie ist das alles möglich geworden? Das Lippe-Ufer wurde an zahlreichen Stellen umgegraben, um Platz für diverse Lebensräume zu schaffen, heißt es seitens des Lippeverbandes. In dieser Woche habe der Schwimmbagger seinen letzten Einsatz gehabt. „Mittlerweile sind die Arbeiten komplett abgeschlossen“, lautet ein entscheidender Satz in der Pressemitteilung.

Die Umbaumaßnahmen seien deutlich sichtbar:

  • Das gesamte Auengebiet weist punktuelle Vertiefungen auf. Hier kann sich das Wasser nach starken Regenfällen in aller Ruhe ausbreiten und langsam versickern.
  • Der kleine Wassergraben, der vom Krähenbusch in Richtung Lippe fließt, wurde aufgeweitet und im unteren Abschnitt durchgängig an die Lippe angeschlossen. Das Wasser kann nun im geschwungenen Verlauf in die Lippe fließen.
  • Im nördlichen Teil des Gebietes wurde eine neue Flutmulde geschaffen. Die Flutmulde bietet in unterschiedlicher Wassertiefe neuen Lebensraum für die Flussbewohner. Das Ufer wurde an dieser Stelle mit sogenanntem Totholz befestigt, welches die Strömungsvielfalt erhöht und eine gute Unterschlupfmöglichkeit für Kleinstlebewesen und Fische bietet.



Hintergrund

  • Was ist eine Flutmulde? Flutmulden sind Senken im Gelände, die die Strömungsrichtung bei Überflutungen nachzeichnen. Das Wasser kann hier länger als in der übrigen Aue verweilen. Im Gegensatz zu den Stillgewässern haben Flutmulden eine geringere Wassertiefe und trocknen daher vor allem bei hohen Temperaturen teils vollständig aus. Durch trockene, nasse und schlammige Bereiche ergibt sich ein strukturreicher Lebensraum für Amphibien und viele Vogelarten.
  • Das Programm „Lebendige Lippe“: Der Lippeverband übernimmt im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen neben der allgemeinen Pflicht der Gewässerunterhaltung auch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie an der Lippe. Hierzu hat das Land im Jahre 2013 das Programm „Lebendige Lippe“ für seinen Zuständigkeitsbereich aufgelegt, das der Lippeverband umsetzt. Neben der Fortsetzung bestehender Projekte wurden mehrere neue Projekte begonnen. Der Zuständigkeitsbereich des Lippeverbandes erstreckt sich von Lippborg über rund 147 Kilometer Flusslauf bis zur Mündung in den Rhein bei Wesel und umfasst etwa 110 Quadratkilometer Auenfläche. Das übergeordnete Ziel des Programms „Lebendige Lippe“ ist die langfristige Verbesserung und Wiederherstellung eines intakten Fluss-Auen-Ökosystems mit einer Erhaltung und Entwicklung von fluss- und auentypischen Strukturen und Lebensgemeinschaften. Für das Landesgewässer Lippe werden zu 100 Prozent Landesmittel eingesetzt.

Die ersten positiven Auswirkungen konnte Günter Cremer vom Lippeverband – zuständig für die betriebliche Umsetzung des Programms „Lebendige Lippe“ – bereits beobachten. Rund um das Auengebiet haben sich die ersten Insekten angesiedelt. Auch die oft an insektenreichen Gewässern zu findende Bachstelze sowie ein Silberreiher auf Nahrungssuche wurden schon gesichtet. „Das wird nach dem Abschluss der Bauarbeiten in den nächsten Wochen und Monaten noch weiter zunehmen“, sagt Cremer.

Das Auengebiet wird umrandet von einzelnen Holzpfählen mit Bohrlöchern. Julia Reinbeck, beim Lippeverband zuständig für die ökologische Gewässerentwicklung: „In den kleinen Bohrlöchern können Wildbienen zukünftig ihre Eier ablegen. Denn geeignete Nistplätze sind durch den Verlust strukturreicher Lebensräume Mangelware geworden. Mit dieser Maßnahme möchten wir dieser Entwicklung entgegenwirken.“

Der kleine Wassergraben auf der linken Seite wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen aufgeweitet.
Der kleine Wassergraben auf der linken Seite wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen aufgeweitet. © Daniel Djan/EGLV

Die Anlage des Auengebiets ist nicht die einzige Maßnahme, mit der der Lippeverband den Artenschutz an dieser Stelle vorantreiben möchte. Die Lippe ist an dieser Stelle fußläufig nicht mehr zu erreichen. Im Bereich weiter südlich entlang des Gewässerufers wurden nicht nur kleinere flach überströmte Einbuchtungen für Flora und Fauna geschaffen, verschiedene Hügel aus Ufermaterial erschweren nun den Zugang zum Lippeufer. Röhrichte und Hochstauden können sich hier entwickeln und Tiere, die auf diese Lebensräume angewiesen sind, können ungestört brüten und ihre Jungtiere großziehen. Die Artenvielfalt sollte dank dieser Schutzvorkehrungen und den störungsarmen Fluss- und Auenlebensräumen weiter erhöht werden.

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