Kommentar

Warum Peter Duschas Ratschläge an seinen Nachfolger aufhorchen lassen

Der SPD-Chef erwartet von seinem potenziellen Nachfolger Shoaub Nazir, dass er 2025 als Bürgermeister kandidiert - wenn es kein anderer macht. Genau dies hatte Duscha 2020 nicht getan.
Jörn Tüffers ist Ressortleiter Ostvest. © privat

Diesen Satz muss man zweimal lesen: „Und nach meiner Meinung ist es so, dass für den Fall, dass sich kein Kandidat findet, der Vorsitzende antreten muss.“ Diese Erwartung formuliert der noch amtierende Vorsitzende der SPD Oer-Erkenschwick, Peter Duscha, an seinen potenziellen Nachfolger Shoaiub Nazir. In der Tat gilt dies nicht nur in der SPD, sondern auch in anderen Parteien als ungeschriebenes Gesetz: Vorsitzende müssen voran marschieren.

Peter Duscha tritt nicht mehr als SPD-Vorsitzender an.

Das hat bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr in Recklinghausen beispielsweise – wider Willen – Andreas Becker getan. Der langjährige Parteivorsitzende und Landtagsabgeordnete erlebte gegen Amtsinhaber Christoph Tesche (CDU) ein Debakel: Er holte für die SPD niederschmetternde 16,7 Prozent.

Wer nicht antritt, kann nicht verlieren

Duscha hat sich diese Erfahrung erspart: indem er nicht antrat. Seine Begründung und die seiner Partei damals: Es solle nur jemand kandidieren, der auch aus voller Überzeugung Bürgermeister werden möchte. Auch wenn es in seiner Lebensplanung nicht vorgesehen war, so hätte er genau das tun müssen, was er jetzt wie selbstverständlich von Nazir erwartet: Verantwortung zu übernehmen.

So verhalf Duscha dem damals schon amtierenden Bürgermeister Carsten Wewers (CDU) zu einem Start-Ziel-Sieg. Und nicht wenige in Oer-Erkenschwick gingen davon aus, dass der Christdemokrat mit etlichen Stimmen von SPD-Wählern wieder ins Amt gekommen ist.

Shoaiub Nazir (31) wirft beim Stadtparteitag der SPD am 21. November in der Stadthalle bei der Vorsitzendenwahl seinen Hut in den Ring. © Archiv © Archiv

Nazir muss die SPD wieder sichtbar machen

Aber so ist das wohl: Was Duscha selber nicht erreicht hat, erwartet er nun umso dringlicher von seinem Nachfolger. Dabei hinterlässt er ihm auch schon so eine gewaltige Hypothek – darüber kann das gute Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl nicht hinwegtäuschen.

Anders als die SPD in Datteln, in Recklinghausen und vorab schon in Waltrop haben sich in der Stimbergstadt die beharrenden Kräfte lange gehalten – und an ihrem Politikstil festgehalten. Nazirs wichtigste Aufgabe – so er denn gewählt wird – wird es sein, die SPD wieder sichtbar zu machen und zu zeigen, dass sie mehr als der Juniorpartner der CDU und Wewers ist.

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