Waldgebiet Haard

Von Erdsternen und Röhrlingen: Wie läuft das Pilz-Jahr?

Ein echter Hingucker ist unserem Leser Sascha Böhnke beim Pilze-Suchen nahe dem Birkentor in der Haard aufgefallen: ein Erdstern. Wie ist es generell in diesem Jahr um die Pilze bestellt?
Ein Erdstern ist unserem Leser Sascha Böhnke in der Haard aufgefallen - ein Pilz der Gattung "Geastrum". © privat

Einer, der schon so manchen Pilz, auch aus Oer-Erkenschwick, identifziert hat und ein echter Fachmann ist, ist Jan-Arne Mentken. Mentken stammt aus Marl und lebt jetzt in Essen. Der 30-Jährige ist Pilzsachverständiger der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie) und zudem Mitglied im Arbeitskreis Pilzkunde Ruhr sowie im Mykologischen Arbeitskreis Bergisches Land. Aller Wahrscheinlichkeit nach handele es sich bei dem Pilz, den Sascha Böhnke und dessen Kumpel Julian Kewitz bei der Pilz-Suche gefunden haben, um den Halskrausen-Erdstern (Geastrum triplex). Dessen Zacken biegen sich nach einer gewissen Zeit nach unten, weiß Jan-Arne Mentken, und es bleibt eine Art Halskrause zurück. Das sei bei dem Exemplar auf dem Leserfoto noch nicht geschehen. Der Halskrausen-Erdstern wachse meist in größeren Gruppen, ist aber kein Speisepilz.

Feuchtigkeit tut Pilzen gut

Apropos Speisepilz: Können Pilz-Sammler sich in diesem Jahr auf reiche Funde in der Haard einstellen? Bislang sieht es gut aus, denn im Vergleich zu den vergangenen sehr trockenen Jahren war es in diesem Jahr bekanntlich insgesamt sehr feucht. „Pilz-Sammlerinnen und -Sammler müssen jetzt die Daumen drücken, dass es in den nächsten paar Wochen noch einige Male ordentlich regnet“, sagt Jan-Arne Mentken. Er weist indes darauf hin, dass die wirkliche Hauptsaison für die klassischen Pilzarten erst Ende September bis Ende Oktober ist.

Und welche Speisepilze kommen in der Haard vor? „Wenn man Glück hat und eine entsprechende Stelle kennt, kann man durchaus Steinpilze finden“, weiß Mentken. Auch Maronen, essbare Täublinge sowie Pfifferlinge könne man möglicherweise finden, zumindest im kleinen Umfang. „Wenn man die Körbe füllen möchte, sollte man sich hingegen lieber in Richtung Sauerland orientieren“, rät der Pilzsachverständige.

Maßvolles Sammeln ist geboten

Einige Regeln gilt es indes zu beachten, wenn man „in die Pilze geht“. Maßvolles Sammeln ist angesagt: „Sammeln Sie mit Sinn und Verstand – keiner ist auf die Pilze angewiesen, um nicht zu verhungern“, mahnt auch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie. Wer in unserer Region in Pilzkörbe blicke, sehe, dass diese Regel meist eingehalten werde, sagt Jan-Arne Mentken. Das habe aber den einfachen Hintergrund, dass man bei uns die Körbe häufig nicht mit den beliebtesten Speisepilzen füllen kann. „Hin und wieder begegnet einem ein Korb voll Kahler Kremplinge, die potenziell tödlich giftig sind, aber aufgrund von Unwissen sehr häufig noch gesammelt werden“, erklärt der Pilz-Experte.

Röhrlinge wie das Exemplar auf diesem Foto eignen sich gut für den Einstieg ins Pilze-Sammeln. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Wer selbst gesuchte Pilze verspeisen möchte, der sollte sich natürlich auskennen. Kurse gibt es zum Beispiel bei der Volkshochschule („Ab in die Pilze“, 24.10.). Es gebe neben Kursen und Schulungen aber auch noch andere Möglichkeiten, sich dem Thema zu nähern, unterstreicht Mentken. Er hat den Tipp, sich zunächst auf Röhrlinge zu fokussieren. Dann mache man sich mit den wenigen giftigen Röhrlingsarten vertraut, um diese auszuschließen und ein Gefühl für den Reifezustand der Pilze zu bekommen. „Röhrlinge bieten aufgrund der relativ begrenzten Artenvielfalt den simpelsten Einstieg“, weiß Jan-Arne Mentken.

Essbar oder nicht?

Oder man sammelt – natürlich möglichst gezielt – und sucht danach einen Pilzsachverständigen auf. „Dieser nimmt dann eine Korbprüfung vor und erklärt, welche Arten man gefunden hat und ob sie essbar sind oder nicht.“

Wovon Jan-Arne Mentken nichts hält, sind Ammenmärchen wie jenes, dass man nur einen Silberlöffel ins Pilz-Kochwasser halten müsse, und wenn dieser sich verfärbe, habe man es mit einem Giftpilz zu tun. Mentken: „Das ist Unsinn.“

Info

Was tun, wenn‘s der falsche Pilz war?

Pilz-Sammler möchten natürlich vor allem ihre Pfanne füllen und die Funde genießen. Aber was, wenn ein giftiges Exemplar darunter war? Wenn heftiges Erbrechen, starke Bauchschmerzen und Durchfall auftreten, heißt es: Ab zum Arzt. Oder man wendet sich an die Informationszentrale gegen Vergiftungen am Universitätsklinikum Bonn (Giftnotruf Bonn). Die Fachleute dort sind rund um die Uhr im Einsatz (Tel. 0228-19240). Im Durchschnitt entfalle ein Prozent aller Anrufe auf Pilz-Vergiftungen, teilt in dem Zusammenhang die Krankenkasse AOK mit. Der Giftnotruf Bonn vermittle Kontakt zu Pilz-Sachverständigen. Die brauchen aber wiederum am besten Pilz-Reste, um Aussagen treffen zu können: Reste vom Pilzeputzen oder von der Mahlzeit und zur Not vom Erbrochenen.

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