Marler hat Ärger mit WVB Centuria

Wenn die eigene Wohnung nur noch eine Baustelle ist

Alfred Jedel beklagt sich über viele Mängel in seiner Wohnung auf der Erlenkampstraße und liegt mit Hausverwalter WVB Centuria im Clinch. Die Baustelle ist groß.
Sein Garten ist der ganze Stolz von Alfred Jedel. © Peter Koopmann

Alfred Jedel musste sich verkleinern. Der 64-jährige Rentner gab seine 80 Quadratmeter große Wohnung auf und richtete sich im Januar auf 48 m² neu ein – in einer teilrenovierten Wohnung, die von der WVB Centuria aus Berlin vermietet und verwaltet wird. Teilrenoviert? Da verzieht Jedel sein Gesicht zu einem schiefen Grinsen.

„Zwei neue Türen habe ich bekommen, von denen eine aus ihrer Aufhängung gebrochen ist“, sagt er, und damit beginnt seine Aufzählung erst. „Die Tapeten haben sich gelöst. Ich habe sie abgemacht und im Putz wurden immer mehr Löcher sichtbar. Telefon- und TV-Kabel waren ebenerdig abgeschnitten. Ich war vier Wochen ohne Telefon und Fernseher, weil der Elektriker keine Zeit hatte.“

Die Türrahmen standen nur im Bauschaum, berichtet Alfred Jedel: „Die habe ich selbst versiegelt. Außerdem fehlte der Fliesenspiegel in der Küche.“

Wände wurden nachts gestrichen

Auffällig ist, dass die Farbe auf den Tapeten erhebliche Schattierungen und Farbunterschiede aufweist. „Kein Wunder“, erklärt Jedel, „ich habe durch Zufall gesehen, dass die Wände nachts gestrichen wurden. Eine Frau hat die Taschenlampe gehalten, ein Mann hat gestrichen.“

Im Bad sollte ein Absperrhahn angebracht werden. „Der Klempner kam an einem Freitag mit Hammer und Schraubenzieher“, erzählt Jedel. „Er hat versucht, die Öffnung größer zu machen. Dabei sind zwei Fliesen auseinandergeplatzt. Er hat den Bauleiter angerufen und gesagt, er mache jetzt Feierabend. Ich habe ihn nie wiedergesehen. Der Absperrhahn fehlt immer noch.“ Warum die Fliesen geplatzt sind, hat der Rentner auch entdeckt: Die Fliesen sind auf eine Rigipswand aufgeklebt, dahinter befindet sich ein zehn Zentimeter tiefer Hohlraum.

Dusche krachte ihm mitsamt Stange ins Kreuz

Apropos Rigips. „Vor zwei Wochen“, sagt Jedel, „krachte mir die Dusche mitsamt Duschstange ins Kreuz. Auch sie war nur in einer Rigipswand befestigt.“

Alfred Jedel kennt sich aus. Er ist gelernter Betriebsschlosser, aber seit 21 Jahren Rentner. „Ich habe Lungenkrebs, hatte drei Schlaganfälle, habe ein achtteiliges Kniegelenk, zwei Prothesen in der Halswirbelsäule und eben dort eine Platte mit acht Schrauben. 16 Jahre lang habe ich im Bergbau gearbeitet“, sagt Jedel, „und ich habe profimäßig Bodybuilding betrieben. Das war zuviel. Nachdem mir die Bauchdecke geplatzt ist, habe ich schlagartig aufgehört.“

Untätig blieb der Marler nicht

Doch untätig blieb er nicht. „13 Jahre lang habe ich nebenbei in einer Glaserei gearbeitet, davor 27 Jahre bei einem Fliesenleger. Später folgten dreieinhalb Jahre in einer Tankstelle, jetzt arbeite ich einmal die Woche in einer Spielhalle. Seit Januar habe ich 21 Kilo an Gewicht verloren.“

Er kann also gut selbst reparieren, hat darauf aber keine Lust mehr. Die Baustelle ist zu groß. Weitere Beispiele? „Die Stromkabel im Bad sollten eigentlich nicht erneuert werden. „Aber der Elektriker hat das Lichtkabel wie auch das Kabel für die Steckdose abgeschnitten. Anschließend hat er einen Kabelkanal auf Putz gelegt, in die Decke gebohrt, sie kaputtgemacht. Dann hat er sie geflickt. Die neue Steckdose ist kleiner als das Loch. Der Lichtschalter fehlt, als Provisorium hat er eine Leuchte an die Decke gehängt, mit einem Hängeschalter.“

Loch wurde einfach nur übertapeziert

Die Firmen, die die Renovierungen ausführen, sind in der Regel nicht aus Deutschland, hat Jedel festgestellt. „Der Hammer war, als wir an der Wand zwischen Küche und Wohnzimmer etwas anbringen wollten und die Hand plötzlich im Nebenraum war.“ Sieben Mauersteine, so der 64-Jährige, hätten gefehlt. „Das Loch war einfach übertapeziert worden.“

Seine Beschwerden haben für die WVB Centuria ein „Geschmäckle“. „Mir wird Ausländerfeindlichkeit unterstellt“, beschwert sich der Rentner und wehrt sich dagegen: „An der Tankstelle war ein Türke mein Chef, in der Spielhalle ist es ein Italiener. Zudem wohnen hier viele Ausländer, mit denen ich sehr gut auskomme.“

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Über den Mieterbund lässt sich Jedel anwaltlich vertreten.

WVB verspricht: Alle Punkte werden bearbeitet

Die WVB schreibt auf Anfrage der Marler Zeitung: „Sämtliche in Ihrer Anfrage genannten Punkte befinden sich in Bearbeitung oder sind bereits behoben.“ Was Jedel wieder nur zu einem müden Grinsen bringt.

„Die als Mängel benannten Punkte werden sicherlich zur Zufriedenheit des Mieters bearbeitet,“ heißt es weiter, „sofern von dort aus die notwendige Mitwirkung erfolgt und der Zugang und die Ausführung der Arbeiten gewährt wird.“

„Handwerker kamen mit und ohne Termin“

„Man wirft mir vor“, sagt Jedel, „dass ich Handwerker nicht in die Wohnung lasse. Das stimmt nicht. Handwerker kamen mit und ohne Termin. Ich bin Rentner und sieben Tage die Woche zu Hause …“

Die WVB verweist auch darauf, dass die Häuser an der Erlenkampstraße aus den 40er-Jahren stammen: „Ein Neubaustandard kann hier nicht verlangt werden.“ Jedel entgegnet: „Den habe ich auch gar nicht erwartet.“

Mehr will die WVB Centuria „aus Datenschutzgründen“ nicht erläutern.

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