So hat die Politik entschieden

Sportler sammeln 2562 Unterschriften für den Erhalt des Jahnstadions

Marler Sportler haben 2562 Unterschriften für den Erhalt des Jahnstadions gesammelt. Die Liste übergaben sie jetzt im Rathaus - bevor die Politiker über ihr Anliegen entschieden.
2562 Unterschriften für den Erhalt den Marler Jahnstadions überreichte Uwe Pracht vor dem Haupt- und Finanzausschuss stellvertretend an den Vertreter des Bürgermeisters, Michael Bach. © Meike Holz

Das Jahnstadion soll als letztes Traditionsstadion in Marl erhalten bleiben und nach einer „Sanierung“ weiter für Sport und Kulturereignisse genutzt werden. Für diese Idee haben Marler Fußballer wie Josef Uhlenbruch, Holger Flossbach und Hubert Poloczek in nur zwei Monaten 2562 Unterschriften gesammelt – in Gaststätten und im persönlichen Umkreis. Uwe Pracht, ehemals Kicker beim VfB Hüls, übergab die Liste jetzt an den Vertreter des Bürgermeisters, Michael Bach, im Rathaus.

Am Donnerstag will die Bürgerinitiative Jahnwald nachlegen und vor der Ratssitzung ihre Online-Petition gegen eine Bebauung im Wald um das Hülser Jahnstadion überreichen. 2806 Unterzeichner wollen mit ihr „die wertvolle grüne Lunge“ retten. Doch es ist nicht damit zu rechnen, dass der Rat auf ihrer Seite ist. Mit sieben zu vier Stimmen beschloss bereits der Hauptausschuss, der Anregung der Sportler nicht zu folgen. Vertreter von SPD und CDU sprachen sich weiter für die geplante Bebauung aus.

„Nostalgie kommt spät“

Zwischen Hülsstraße und Otto-Hue-Straße will Investor Hubert Schulte-Kemper mit seiner Fakt Immobilien AG den exklusiven „Hülser Waldpark“ errichten. 196 Wohneinheiten sollen dort entstehen. Wie viele Bäume für das Vorhaben gefällt werden, bleibt offen. Je nach Planungsvariante sollen es 55 bis 106 Bäume sein. Der Investor fühlt sich für die Fällung nicht verantwortlich.

Andreas Täuber (SPD) zeigte im Hauptausschuss Respekt für die Initiative der Sportler, das Jahnstadion vor dem Abriss zu retten. Er wunderte sich aber über den Zeitpunkt: „Vor 20 Jahren wurde das Stadion als Sportanlage aufgegeben. 20 Jahre hat es keinen interessiert.“ Jetzt bringe man den späten Appell an die Nostalgie auf die Tagesordnung, um die Jahnstadion-Bebauung zu verhindern. Aber durch die Bebauung würden junge Familien zuziehen, werde sich der Ortsteil Hüls entwickeln. Wie Täuber argumentierte auch Andreas Kolk (CDU) für eine Bebauung „mit Wohnraum, den wir dringend in Marl brauchen“.

„Nicht das letzte Baugelände in Marl“

Grüne, Linke, AfD und Fraktion für Marl wollen hingegen der Anregung der Sportler folgen. „Es wird so getan, als ob der Jahnwald das letzte verfügbare Baugelände sei“, kritisierte Johannes Westermann (Wählergemeinschaft Die Grünen). Aber in Hüls und anderen Stadtteilen gebe es weitere Baugebiete.

Einwohner bemängelten in der Fragestunde, dass die Stadtverwaltung am Sonntag, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz verboten hatte, das Jahnstadion-Gelände, insbesondere die gesperrte Tribüne für Führungen zu nutzen und zu besichtigen. Die Stadt machte von ihrem Hausrecht Gebrauch: Aus Gründen der Verkehrssicherheit könne das keinesfalls erlaubt werden. Doch am gleichen Tag trugen die Sly Dogs Marl im Stadion ihr Baseballspiel aus – vor Publikum.

Rudolf Pohlmann von der Bürgerinitiative Jahnwald äußerte am Dienstag im Rathaus Zweifel, dass die Tribüne einsturzgefährdet ist. Mit wenigen Mitteln könne man das Stadion weiterbetreiben – und dort nicht nur Baseball spielen, meinte er.

Initiative will notfalls prozessieren

Doch die Stadtverwaltung will der Anregung der Sportler, das Jahnstadion mit

90.000 Euro verkehrssicher zu machen, nicht folgen: Mit dem Geld könne man nur die Anlage erhalten, aber nicht öffentlich zugänglich machen. Außer Baseball seien dort keine weiteren Veranstaltungen möglich. Deshalb solle besser ein Wohngebiet im Grünen entwickelt werden.

Das will die Bürgerinitiative notfalls mit einem Bürgerbegehren verhindern. Ihr Mitglied Hartmut Dreier sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Notfalls prozessieren wir.“

Außerdem stellte der Deutsche Werkbund einen Antrag auf Denkmalschutz beim Bauministerium NRW – wegen der architektonisch einmaligen Stadiontribüne. Eine Bewilligung könnte die geplante Wohnbebauung ebenfalls verhindern.

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