Kreative Köpfe gesucht

„Kunst muss dem Auge gefallen“

In seinem Atelier in Marl-Drewer hat Siegmund Kompalik noch Plätze für Hobby-Künstler frei.
Der Marler Künstler Siegmund Kompalik mit vier echten "Dongs". Die Figur wurde zu seinem Markenzeichen. © Patrick Köllner

Beim Betreten des Kellerateliers an der Siegfriedstraße verdeutlicht ein Hinweis über der Treppe, was hier Sache ist: „Stressfreie Zone“ heißt es auf einem bunten Gemälde an der Wand. „Hier unten können sich Künstler ganz in Ruhe entfalten“, sagt Siegmund Kompalik. Den knapp 160 Quadratmeter großen, hell erleuchteten Raum mietete der 65-Jährige vor etwa 16 Jahren an. Seitdem seien hier zwei bis drei Dutzend Vertreter der Marler Kunstszene aktiv gewesen. Sehr lange beispielsweise der im August 2020 verstorbene Lothar Trelenberg, den Siegmund Kompalik schmerzlich vermisst. „Lothar lebte für die Kunst und war ein echtes Original, so selten wie eine Kokosnuss an der Nordsee“, sagt er und lacht mit leuchtenden Augen, den Kopf offenbar voller schöner Erinnerungen.

Einen „Dong“ bringt Siegmund Kompalik auch auf einem Bild mi vier Schafen unter. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Zwei Plätze frei

Das Atelier unterteilte Siegmund Kompalik in sieben kleinere Bereiche von jeweils knapp 20 Quadratmetern. Einen davon nutzt er seit Einrichtung des Kellers selbst, die anderen wurden im Lauf der Jahre immer wieder untervermietet. Aktuell sind zwei Plätze frei. „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich neue Leute dafür begeistern könnten“, sagt Siegmund Kompalik und zählt gleich die Vorteile in der ehemaligen Wäscherei auf.

Ein Schild am Eingang des Ateliers verspricht das Betreten einer stressfreien Zone. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Gestaltungsräume

„Jeder Künstler erhält seinen eigenen Schlüssel und kann hier rein und raus, wann er will, auch nachts oder sonntags.“ Dazu seien den Gestaltungsmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Ob Malen, Bildhauen, Basteln Modellieren oder gar Musizieren: „Hier stört dich einfach keiner“, so Kompalik. Die monatliche (Unter-)Miete dafür ist mit etwa 65 Euro überschaubar. Außerdem müssten sich mögliche Nutzer nicht langfristig an das Atelier binden. Wer keine Lust mehr hat, kann jederzeit wieder gehen. Langfristig dagegen ist Siegmund Kompaliks Verbundenheit zur Dong-Malerei.

Rechts zu sehen ist einer der beiden freien Plätze, die Siegmund Kompalik gerne an Künstler vermieten möchte. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Was ist ein Dong?

Bei einem Dong handelt es sich um ein zweiteiliges Symbol, das Kompalik bereits auf Hunderten von Gemälden verewigt hat. Was auf den ersten Blick möglicherweise an einen Hammer und ein Ei erinnert, zieht sich wie nichts anderes durch Siegmund Kompaliks gesamtes künstlerisches Schaffen. Laut seiner Definition ist ein Dong ein „Symbol für Gleichheit, Zufriedenheit, und Einigkeit unter den Menschen der verschiedenen Völker im gesamten Universum.“

Universeller Exportschlager

Tatsächlich findet sich der Dong nicht nur auf etlichen fertigen und unfertigen Werken im Atelier wieder, sondern mittlerweile auf der ganzen Welt. Abnehmer dafür fand der Künstler unter anderem in Frankreich, Griechenland, Australien, Singapur, Sibirien, Moldawien oder Arizona (USA). Auch Dongs in Schalke-, BVB- oder VfL-Bochum-Optik sind entstanden.

Siegmund Kompaliks Liebe zur Kunst entstand schon in frühen Jahren. „Ich habe schon immer gemalt“, sagt er und lacht. Kompalik wurde 1955 in Oberschlesien geboren. 1968 kam er nach Marl. „Da war ich etwa 13 Jahre alt“, blickt der heute 65-Jährige zurück. Hier, in der Stadt von Kohle und Chemie, arbeitete er in verschiedenen Berufen. Durch sein handwerkliches Geschick wurde er schließlich Schweißer. Später machte er sich selbstständig und war sogar Ausbilder bei der Kreishandwerkerschaft. Bei allem, was er gemacht hat, war die Kunst stets sein Begleiter.

Wichtig ist Siegmund Kompalik, dass Kunst dem „kleinen Mann“ zugänglich ist. Damit meint er, dass Bilder auch bezahlbar sind. Worauf es bei Kunst grundsätzlich ankommt, fasst Kompalik in einem Satz zusammen: „Kunst muss dem Auge gefallen.“ Und im Idealfall regt sie zusätzlich zum Nachdenken an. Wer darüber nachdenkt, selbst künstlerisch aktiv zu werden und einen Raum dafür sucht, kann sich gerne bei Siegmund Kompalik melden Per E-Mail an: Siegmundkompalik@gmx.de

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.