Schwertransport - mit Video

Im Marler Museum wird ein Auto verpackt

Im Glaskasten Marl kommt ein Buick aus den 60er-Jahren an den Haken. Das Auto, das Wolf Vostell zum Kunstwerk gemacht hat, wird abgeholt und bis zur Eröffnung des neuen Museums eingelagert.
Gut verpackt: Wolf Vostells Autoskulptur Mit(h)ropa wird auf den Weg ins Depot geschickt. © Julia Dziatzko

Das Kunstwerk „Mit(h)ropa“ verschwindet. Vor dem Verpacken wird das Fell des ausgestopften Kalbs noch einmal gründlich abgesaugt. Aus dem amerikanischen Oldtimer müssen mehrere Fernsehgeräte und ein Fernschreiber ausgebaut, Gummistiefel, Fleischerhaken und Messer entfernt werden. Mit dem Kran wird der rund eine Tonne schwere Betonblock, in dem sich der Buick symbolisch festgefahren hat, auf eine Palette gehoben. Das ganze Auto wird sorgfältig mit Matten ausgekleidet und mit Spannfolie verpackt, damit es beim Transport und im Lager keinen Schaden nimmt.

Auch für Spezialisten kein Routine-Job

Auch für die städtischen Museumsmitarbeiter und die Spezialisten des Umzugsunternehmens Pegasus aus Münster ist das hier kein Routine-Job. Museumspädagoge Stefan Wolters führt Regie beim Auszug des Kunstwerks, das seinen angestammten Platz im Eingangsbereich des Glaskastens am Creiler Platz zuletzt 2011 verlassen hatte. Damals wurde es für eine Ausstellung ausgeliehen. An diesem Mittwoch verschwindet es für immer aus dem Eingangsbereich des Museums. Ende des Jahres endet hier die Museumszeit. Glaskasten und Ausstellungsräume im Untergeschoss werden im Zuge der Rathaussanierung zum „sozialen Rathaus“ als Begegnungsort für Bürgerinnen und Bürger umgebaut.

Wahrzeichen im Glaskasten

Vielen gilt die „Mit(h)ropa“ des 1998 verstorbenen Künstlers Wolf Vostell als ein Wahrzeichen des Skulpturenmuseums Glaskasten in Marl. Der exzentrische Bildhauer und Happening-Künstler schuf die Arbeit 1974 im Auftrag des Fleischfabrikanten Karl Ludwig Schweisfurth. Bis 1986 stand sie in der Pausenzone des Herta-Werks in Herten. Dann kam sie als Dauerleihgabe in die Sammlung des Museum nach Marl.

Bis einschließlich 14. August bleibt das Skulpturenmuseum Glaskasten geschlossen bleiben.

Ab dem 15. August werden Arbeiten des Bildhauers „Günter Haese“ gezeigt, ab 22. August Werke von „Gereon Krebber“. Beide Ausstellungen sind bis zum 24. Oktober 2021 zu sehen.

Während der Umbauzeit ist das Booklet „50 Skulpturen in Marl“, das unter anderem Werke im Skulpturenpark und rund um den Citysee vorstellt, kostenlos erhältlich. „Einfach mal an die Museumstür klopfen“, bittet das Museumsteam.

„Mit(hropa)“ steht als Abkürzung für Mitteleuropa. Wolf Vostells Multi-Media Plastik mit einem ausgestopften Kalb, dem Fragment eines Maschinengewehrs auf der Kühlerhaube, Fleischerhaken und Gummistiefeln und Messern im Innenraum zeigt ein raues Weltbild und ist nichts für Zartbesaitete. Idylle könne er nicht liefern, sagte der Künstler einst. Auf den Bildschirmen, die jetzt in Kartons schlummern, sind im normalen Museumsbetrieb Bilder aus dem Schlachthofbetrieb zu sehen.

Fotostrecke

Umzug eines Kunstwerks

Drei Jahre lang ins Depot

Voraussichtlich drei Jahre lang wird das Kunstwerk nun eingelagert. Frühestens 2024 wird das Skulpturenmuseum an seinem neuen Standort Kampstraße 10 wieder seine Türen öffnen können – dann allerdings ohne Glaskasten, dafür mit größeren Ausstellungsräumen.

Mit „Mit(h)ropa“ ist ein zentrales Werk der Dauerausstellung am Creiler Platz nun verschwunden. Bis Ende des Jahres soll der Glaskasten endgültig ausgeräumt sein.

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