Arbeiten und lernen

Hauptschulabschluss auf dem Ponyhof

Schüler des Hans-Böckler-Berufskollegs in Marl freuen sich über ihre Zeugnisse der Klasse 9. Die Vorbereitung auf dem Hof Tiemann ist eine wichtige Hilfe für den kommenden Berufsalltag.
Im Rahmen eines Grillfestes auf dem Ponyhof Temann nahmen die Schüler der Klasse NAVV ihre Zeugnisse entgegen. © Peter Koopmann

Freundlich, zuvorkommend, wissbegierig – das sind Attribute, die die Schüler der Klasse NAVV (Ausbildungs-Vorbereitung Naturwissenschaft) des Hans-Böckler-Berufskolleg (HBBK) nicht immer hatten.

„Alle Schüler haben eine Geschichte“, sagt Lehrerin Birgit Kottmann, „das ist der Grund, warum sie noch keinen Hauptschulabschluss haben.“

Seit Februar 2019 nimmt das Berufskolleg am Schulversuch Talentschule teil. Hier sollen zur besseren Förderung der Schüler besondere pädagogische Aspekte umgesetzt werden.

Jeden Mittwoch geht es zur Arbeit

Eines davon hat das HBBK umgesetzt. Seit März arbeiteten die Schüler des NAVV immer mittwochs auf dem Ponyhof Tiemann in Polsum mit. „Bisher war für diese Schüler und Schülerinnen der Schulbesuch negativ behaftet“, erklärt Birgit Kottmann, „hier konnten sie ihre Talente entdecken und feststellen: ,Ich kann was‘.“

Gearbeitet wurde im Team, wie Norman Albrecht, einer der Schüler, erklärt: „Es ist uns hier sehr gut ergangen. Um neun Uhr wurden wir freundlich empfangen. Wir haben geplant, welche Arbeiten anstehen und uns dann in Gruppen aufgeteilt. Als Team haben wir dann unsere Aufgaben erledigt.“

„Niemand wurde ausgegrenzt“

Was ihn besonders freute: „Niemand wurde ausgegrenzt. Als Klasse hat uns diese Maßnahme zusammengeschweißt. Und das Verhalten von einigen hat sich positiv verändert.“ Diese angenehme Atmosphäre nutzten auch die Lehrer. Vor allem für Gespräche. „Hier konnten wir Gespräche führen, wie wir sie in der Schule nicht führen konnten“, meint Birgit Kottmann, „Schüler die sich im Unterricht nur wenig äußern, sind hier sehr kommunikativ.“.

Eine Zeit mit Gänsehaut-Charakter

Für Barbara Tiemann, die den Ponyhof leitet, war die Zeit eine Zeit mit „Gänsehaut-Charakter“, wie sie sagt: „Die Jugendlichen haben Aufgaben erledigt, die sie auf den ersten Blick nicht so toll fanden.“ Dazu gehörte zum Beispiel der Bau eines Aufenthaltsraums.

„Die Schüler haben bei der Planung mitgeholfen“, nennt Kottmann ein Beispiel, „hier konnte sich jeder aus drei Aufgaben eine aussuchen. Um 14 Uhr war eigentlich Schluss, doch sie sind freiwillig länger geblieben.“

90 Prozent schaffen den Abschluss

„Die Schüler haben mit den Füßen abgestimmt und sind hierhin gekommen“, ergänzt Lehrer Falk Wildermann. Ein besonderer Erfolg: „90 Prozent der Schüler schaffen den Abschluss.“ Damit ist auch Schulleiter Wolfgang Großer zufrieden. der dem Land NRW und dem Kreis Recklinghausen dankte, dass das HBBK zu einer Talentschule wurde: „Das Ministerium für Schule und Bildung hat Geld gegeben und wir haben sechs Stellen zusätzlich bekommen, um eine zusätzlich Betreuung zu gewährleisten.“

Zeugnisvergabe auf dem Hof

Gelohnt hat es sich, wie sich bei der Zeugnisvergabe auf dem Ponyhof Tiemann herausstellte. „Der pädagogische Zweck wurde erfüllt“, merkt Norman Albrecht an, „fürs Berufsleben haben wir viel gelernt.“

Dieser Meinung ist auch Abdulatif, der in Haltern wohnt. „Ich bin einige Male zu spät gekommen“, bedauert er, „doch ich muss mit Zug, Bus und zu Fuß hierhin kommen.“ Die Lehrer überlegen nun, ob im nächsten Schuljahr ein Schulbus eingesetzt werden kann.

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