Sonntagsöffnung in Marl

Gewerkschafter begrüßen die Absage der verkaufsoffenen Sonntage

Die Politik hat in Marl die geplanten verkaufsoffenen Sonntage für dieses Jahr gekippt. Dafür gibt es Beifall von den Gewerkschaften.
In diesem Jahr hat der Marler Stern keine Chance mehr, verkaufsoffene Sonntage zu veranstalten. Nicht alle Kunden finden das richtig, wie unsere Umfrage zeigt. © Julia Dziatzko

Mindestens drei offene Sonntage waren in diesem Jahr noch geplant, auch um den Händlern nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie im Vorweihnachtsgeschäft zusätzliche Einnahmemöglichkeiten zu eröffnen.

Doch bekanntlich hat der Rat der Stadt Marl, den geplanten verkaufsoffenen Sonntagen im Einkaufs- und Outletcenter Marler Stern durch seinen Beschluss einen Riegel vorgeschoben. Für diese Entscheidung gab es viel Kritik.

Aushöhlung der Sonntagsruhe

Der Ortsverband Marl des Deutschen Gewerkschaftsbunds begrüßt den Beschluss der Politik dagegen ausdrücklich. „Seit Jahren setzen sich Gewerkschaften mit beispielsweise Kirchen gegen die Aushöhlung der Sonntagsruhe und der Normalisierung des Sonntags als Regelarbeitszeit ein“, so Leif Knape und Thorsten Römer in einer Stellungnahme des DGB-Ortsverbands.


Offene Sonntage nur in Ausnahmen

Auch geltendes Recht gestatte verkaufsoffene Sonntage nur in Ausnahmen, betonen die Marler Gewerkschafter und zitieren ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2017: „Die Ladenöffnung an einem Sonntag ist verfassungsrechtlich nur gerechtfertigt, wenn ein hinreichender Sachgrund für sie besteht. Das Umsatzinteresse der Verkaufsstelleninhaber und das „Shopping-Interesse“ der Kunden genügen hierfür nicht.“ (BVerwG 8 CN 1.16)

Erfolgreiche Klagen

Aus Sicht des DGB OV Marl muss der Sonntag als Auszeit dienen und „einen Schutz vor Selbstausbeutung“ bieten. Sonntagsöffnungen führen laut Gewerkschaft nicht zur erhofften wirtschaftlichen Problemlösung des ansässigen Handels, sondern könnten vor allem zur weiteren Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse beitragen.

Dass die Gewerkschaft Verdi erfolgreich gegen Sonntagsöffnungen geklagt habe, zeige, dass häufig keine hinreichenden Sachgründe für Öffnungen vorliegen. Die DGB Vertreter berufen sich auf einen Eilantrag gegen verkaufsoffene Sonntage in Gütersloh am Tag der Bundestagswahl, dem das Oberverwaltungsgericht in Münster stattgegeben habe.

Blick nach Haltern

Während in Marl nun also die Politik die verkaufsoffenen Sonntage im Marler Stern verhindert hat, hat die Kaufmannschaft in der Nachbarstadt Haltern am See sich für die Sonntagsöffnung entschieden.

Zwar wurde der beliebte Gänsemarkt, der Anfang November stets zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt lockt, gerade zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Doch am ersten Novemberwochenende, dem „Gänsemarkt“-Wochenende wollen die Halterner Kaufleute trotzdem zum ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres in ihrer Stadt einladen. Bekanntlich locken die Einkaufssonntage auch immer viele Marlerinnen und Marler in die Seestadt.

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