Fast 300 Millionen Euro Schulden Was wird aus Breewiese und Marler Stern?

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Zu Gast an der Breewiese: Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, unterzeichnete im Beisein von Hubert und Kirsten Schulte-Kemper u. a. mit Marls Bürgermeister Werner Arndt einen Kooperationsvertrag.
Zu Gast an der Breewiese: Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, unterzeichnete im Beisein von Hubert und Kirsten Schulte-Kemper u.a. mit Marls Bürgermeister Werner Arndt einen Kooperationsvertrag. © Meike Holz
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Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag. Am Tag nachdem die Insolvenz der Fakt AG offiziell bestätigt ist, erklärt Marls Bürgermeister Werner Arndt: „Es macht mir große Sorgen, dass große Bauprojekte der Stadt und insbesondere der Marler Stern betroffen sein könnten.“ Noch sei nicht geklärt, inwieweit die Untergesellschaften der Fakt Holding in Mitleidenschaft gezogen werden. Gespräche mit dem Insolvenzverwalter, dem Landesbauministerium oder mit Bürgermeistern anderer Städte, in denen die Fakt AG Projekte plant, habe es noch nicht gegeben, so Bürgermeister Arndt.

Die Insolvenz der Fakt AG trifft die Stadt Marl ins Mark. Sie hat bei großen Wohnbauprojekten auf die Fakt AG gesetzt. Der Hülser Waldpark wurde erst in diesem Jahr nach jahrelangen heftigen Bürgerprotesten durch eine Mehrheit im Marler Rat gekippt.

Steht Ina Scharrenbach weiter zur Breewiese?

Jetzt geht es unter anderem um das Baugebiet Breewiese. Das allein umfasst 19 Einfamilienhäuser, 24 Doppelhaushälften, 70 Reihenhäuser und Stadthäuser sowie 26 Mehrfamilienhäuser. Der Baubeginn war für 2022 angekündigt. Im Mai kam Landesbauministerin Ina Scharrenbach nach Marl, um die Breewiese in ein landesweites Modellprojekt für bezahlbares Wohnen aufzunehmen.

Projektentwicklerin ist die FAWAG, eine von 35 Gesellschaften unter dem Dach der Fakt Holding. „Wir werden Kontakt mit dem Ministerium aufnehmen, um zu erfahren, ob sie weiter zu dem Projekt steht“, so Werner Arndt.

Auch in Sickingmühle ist die Fakt AG Partnerin der Stadt bei der Entwicklung eines Neubaugebiets. Geplant sind an der Gartenstraße drei Einfamilienhäuser, sechs Doppelhaushälften, sieben Reihenhäuser, und drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohnungen. Auch hier war ein Baustart noch in diesem Jahr angekündigt.

Von der Evangelischen Stadtkirchengemeinde hatte die Fakt AG die Lutherkirche und das dazugehörige Gelände am Marktplatz in Marl-Hamm nach der Entwidmung der Kirche 2015 gekauft. Geplant waren dort zunächst Luxuswohnungen, dann wurde abgespeckt. Nach sieben Jahren bleibt es bislang bei den Ankündigungen, dass ein Mehrfamilienhaus plus Reihenhäuser gebaut werden. In der mittlerweile zunehmend verfallenden Kirche sollen Wohnungen und ein Ärztehaus entstehen.

Sorge um den Marler Stern

Das Einkaufszentrum Marler Stern gehört fast komplett der Fakt AG. Das insel-Parkhaus ging verbunden mit dem Auftrag zur Instandsetzung von der Stadt Marl für einen symbolischen Kaufpreis an die Fakt AG. Die Sanierung der in die Jahre gekommenen Shoppingmeile begann im September 2018. Nach etwa einem Jahr wurden Aldi, Edeka, Zoo&Co, später Action und die ersten Shops des Outletcenters eröffnet. Der Umbau der ehemaligen Karstadt-Fläche ist ins Stocken gekommen. Zuletzt gab es Ärger um die Sanierung des undichten Parkdecks, die die Fakt AG übernehmen sollte. Discounter Aldi soll seine Miete gekürzt haben, weil das Parkhaus nicht fachgerecht saniert worden sei.

Laut Mitteilung des Unternehmens beträgt die Bilanzsumme der Fakt AG rund 520 Mio. Euro. Unbestätigten Informationen unserer Redaktion zufolge gibt es diese Summe aber nur auf dem Papier. Die Verbindlichkeiten der Fakt AG belaufen sich laut Recherche-Kollektiv Correctiv auf rund 287 Millionen Euro.

Fakt-Gründer Hubert Schulte-Kemper hatte erst Ende Oktober angekündigt, dass er den Vorstandsvorsitz der Fakt Holding abgebe, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Zur Insolvenz äußert sich der 76-Jährige selbst nicht. Über seinen Insolvenzverwalter, den Sanierungsexperten Dr. Gregor Bräuer, lässt er per Pressemitteilung erklären: „Trotz der aktuell kritischen Lage ist es unser Ziel, gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, dem Sanierungsteam und der Belegschaft, unser Unternehmen zu erhalten, eine Liquidation zu vermeiden….“ Laut Pressemitteilung hat die Fakt AG 45 Mitarbeiter, die nun von November bis Januar Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit erhalten.

Endlich was los im Marler Stern: Der Antikmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag waren Ende Oktober ein großer Erfolg.
Endlich was los im Marler Stern: Der Antikmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag waren Ende Oktober ein großer Erfolg. © Ralf Deinl