Artenschutz in Marl - mit Video

Der Marler Volker Behrens appelliert: „Schottergärten bringen nichts“

Im Garten des Rentners blüht es in der ganzen Saison. Sein selbstgebautes Insektenhotel schafft neuen Lebensraum für bedrohte Arten. „Das macht weniger Arbeit, als man denkt“, sagt er.
Volker Behrens hat seinen Vorgarten mit zahllosen Blühpflanzen bestückt und vor seinem Haus ein selbstgebautes Insektenhotel aufgebaut. © Meike Holz

Vor dem Haus von Volker Behrens summt und brummt es. Im Vorgarten des 79-jährigen Marlers an der Tilsiter Straße zieht eine bunte Blütenpracht Insekten magisch an. Im Lavendel tummeln sich die Hummeln. Auf eine simple Rasenfläche hat der Naturfreund ganz bewusst verzichtet, auf einen Schottergarten erst recht. „Steine, das bringt doch nichts für die Artenvielfalt“, sagt er und appelliert an alle Marler, den grau-tristen Schottergärten grundsätzlich eine Abfuhr zu erteilen.

Von 1985 bis 1987 hatte der gelernte Diplom-Ingenieur sein Haus in der Stadtkern-Siedlung gebaut, deren Straßennamen an das alte Ostpreußen erinnern. Da die Kinder damals schon im jugendlichen Alter waren, konnte der Garten von Anfang an ohne Rasenspielfläche geplant werden. Und deshalb trifft der Blick des Besuchers auch hinter dem Haus auf eine bunte Farbenwelt. „Für meine Frau Margret und mich ist bis heute wichtig, dass bei uns im Garten immer etwas blüht.“ Zunehmend trat der Insektenschutz bei dem naturverbundenen Ehepaar in den Vordergrund. Nicht zuletzt deshalb lockt auch der große Gartenteich immer wieder bunte Libellen an, Schmetterlinge fliegen am Ufer von Blüte zu Blüte.

Nahaufnahme aus dem Vorgarten von Volker Behrens: Eine Hummel tummelt sich im Lavendel. © Meike Holz

„In früheren Jahren hat die Landwirtschaft mit Gülle und Pestiziden viele Insekten vertrieben, auch deshalb wollten wir in unserem eigenen Garten etwas für die Artenvielfalt tun“, sagt Behrens. Er freut sich darüber, dass auch die Marler Bauern inzwischen umgedacht und mit ihren großen Blühstreifen am Rand der Felder neue Lebensräume für bedrohte Insekten geschaffen haben.

Im Garten wachsen auch um den Teich viele insektenfreundliche Blühpflanzen. Das kleine Gewässer zieht auch Libellen an. © Meike Holz

Der ganze Stolz des begabten Heimwerkers ist das neue Insektenhotel, das seinen Vorgarten ziert. „Ich habe bestimmt 2000 Löcher in verschiedene Holzsorten gebohrt, das waren mindestens 50 Arbeitsstunden“, sagt Volker Behrens zu seiner Konstruktion, die einem kleinen Holzhaus gleicht. Die Zahl der verklebten Löcher zeigt, dass viele Insekten das komfortable Angebot bereits angenommen haben.

Dass viele Marler Hausbesitzer ihren Vor- zum Schottergarten machen, kann Volker Behrens nicht verstehen. „ich will bestimmt niemandem zu nahe treten, aber die Bequemlichkeit bei vielen Menschen ist schon groß“, sagt der 79-Jährige und gibt zu: „Bei bestehenden Immobilien kann man die Besitzer nur bitten umzudenken, aber in Neubaugebieten sollte die Bausatzung unbedingt festlegen, dass Schottergärten verboten sind.“ Tatsächlich hat die Stadtverwaltung in den letzten Monaten ja immer wieder durchblicken lassen, dass es eine „Schotterpolizei“ in Marl bis auf weiteres nicht geben wird.

„Ein landwirtschaftlich genutzter Acker bringt doch nichts“

Volker Behrens betont: „Ein blühender Vorgarten macht viel weniger Arbeit, als man denkt, wenn alles dicht bewachsen ist, haben unerwünschte Pflanzen kaum eine Chance.“ Rasen mähen muss der rüstige Rentner jedenfalls nicht.

Was kann ein Garten für die Artenvielfalt leisten? Im Tauziehen um das umstrittene Baugebiet an der Langehegge war auch diese Frage immer wieder Thema. Volker Behrens hat da so seine eigene Meinung: „Ein landwirtschaftlich genutzter Acker bringt doch nichts, wenn schon von einem Landschaftsschutzgebiet die Rede ist, dann müssten dort viele Bäume stehen und Wildblumen wachsen.“

Auch dieser Schmetterling fühlt sich im Garten des Marlers Volker Behrens wohl. © Meike Holz

Die Stadt wirbt damit, das mögliche Baugebiet klimaneutral zu gestalten, doch da sieht Volker Behrens durchaus Grenzen: „Ja, man kann in der Bausatzung begrünte Dächer und Fotovoltaikanlagen vorschreiben, aber man darf junge Familien, die bauen wollen, finanziell nicht überfordern.“ Der Rentner denkt an die Zeit zurück, als er selber baute: „Ich habe damals den Rohbau mit eigenen Händen hochgezogen, Stein auf Stein, aber nicht, weil es mir Spaß machte, sondern weil ich als Alleinverdiener in dieser Zeit jeden Pfennig zweimal umdrehen musste.“

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