Ausstellung

Das Finale für den Glaskasten rückt näher

Im Museum hat das große Einpacken begonnen. Nach dem Ende der Ausstellung mit Skulpturen von Ingrid Dahn und Max Schmitz folgt Ende des Jahres noch ein großes Event.
Abbau der Ausstellung im Skulpturenmuseum im Glaskasten Marl. Vorsichtig heben die die Museumsmitarbeiter Marco und Arne eine Skulptur an. © Jörg Gutzeit

Vor wenigen Tagen noch war der Glaskasten Ausstellungsraum, jetzt sieht es hier eher nach einem Riesenumzug aus. Ganz vorsichtig heben die Museumsmitarbeiter Marco und Arne ein kleines Schwergewicht des Bildhauers Wilhelm Loth vom Sockel, während Museumspädagoge Stefans Wolters damit beschäftigt ist, die Skulpturen von Ingrid Dahn und Max Schmitz mit Seidenpapier und Noppenfolie transportsicher in Holzkisten zu verpacken.

Dieses Mal ist es kein Abbau wie viele andere. Denn mit der Finissage der Präsentation am vergangenen Sonntag geht eine Ära zu Ende. Eine große Ausstellung wird es hier am Creiler Platz neben dem Rathaus nicht mehr geben. Ende des Jahres zieht das Skulpturenmuseum aus.

Museum wird zur Begegnungsstätte

Nach dem Umbau wird zwar die Kunst auch noch Platz haben. Aber aus den mit Wänden aus Glas umbauten Räumen des Skulpturenmuseums wird knapp 40 Jahre nach der Gründung eine Begegnungsstätte für Bürgerinnen und Bürger. Sie ist ein Teil der Rathaussanierung, die 2020 begonnen hat.

In die Abschiedsstimmung mischt sich Vorfreude auf das neue Zuhause in der ehemaligen Schule an der Kampstraße. Das Gebäude wird bis 2024 unter dem Titel „Marschall 66“ (benannt nach ihrem Architekten Günther Marschall und ihrem Baujahr) zum Kulturzentrum für Marl umgebaut, in Luftlinie 450 Meter vom jetzigen Standort entfernt.

Auch Wolf Vostells „Mit(h)ropa“ zieht aus

In dieser Woche werden Ausstellungsstücke verpackt, auch das auffälligste Exponat im Glaskasten muss jetzt weichen. Für Wolf Vostells „Mit(h)ropa“, ein zur Skulptur umgebautes Auto der amerikanischen Marke Buick von 1974 muss ein Spezialtransport anrücken.

Doch auch damit ist das letzte Kapitel Ausstellungsgeschichte im Glaskasten noch nicht geschrieben. Den wahrscheinlich letzten Akt wird Mischa Kuball bestreiten. Von Mitte November bis Anfang des Jahres 2022 wird der Düsseldorfer Künstler dem Glaskasten mit einer Lichtinszenierung noch einmal eine große Bühne geben. „Es geht darum, die besondere Architektur des Glaskastens mit seinen gläsernen Wänden und seiner Offenheit zu betonen“, erklärt der Direktor des Skulpturenmuseums Georg Elben. Zum Abschied soll Mischa Kuballs Arbeit eine Hommage an den ungewöhnlichsten Ausstellungsraum der regionalen Kunstmuseen werden.

Der Direktor des Skulpturenmuseums Glaskasten in Marl Georg Elben © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Mischa Kuballs Beziehung zu Marl

Den Düsseldorfer Künstler verbindet seit Jahren eine enge Beziehung mit der Stadt Marl. Er hat in der Marler Stadtmitte mit dem Schriftzug „Les Fleurs du Mal“ („Blumen des Bösen“) am Sitzungstrakt des Rathauses und der Betonvase am Fuß der Rathaustreppe seine Visitenkarte hinterlassen. Das Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ hat er mit seiner Arbeit 2014 um die Teilhabe erweitert. Marlerinnen und Marler sind eingeladen, Blumen in die Vase zu stellen. Je nach Jahreszeit blüht und grünt es seitdem meistens am Aufgang zum Rathaus.

Kunst im öffentlichen Raum

Das Marler Projekt wurde Teil der Serie „Public Prepositions“ mit Kunstwerken und Aktionen, die in den öffentlichen Raum eingreifen. Häufig beteiligt sich Mischa Kuball an Diskussionen über Kunst und Kultur in der Stadt – und an Ausstellungen des Skulpturenmuseums, zuletzt an „Made in Marl“ 2019.

Während der Auszug des Museums vorbereitet wird, wird auf den Startschuss für den Umbau am neuen Standort noch gewartet. Für das mit 15 Millionen Euro veranschlagte Projekt liegen Förderbescheide von Land und Bund über insgesamt 10,2 Millionen Euro vor. Umgebaut wird das Gebäude unter Federführung der Recklinghäuser Architekten Feja + Kemper.

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