Bekannt durch Exilorchester

Bekannt als Musiker und Menschenfreund – Andras Agoston gestorben

Der Musiker Andras Agoston ist gestorben. Ehemalige Kolleginnen und Kollegen der Philharmonia Hungarica und der Neuen Philharmonie Westfalen trauern um einen Virtuosen und Menschenfreund.
Der Geiger Andras Agoston, hier bei einem Konzert der Marler Musikgemeinschaft zum 75-jährigen Stadtjubiläum Marls im April 2011, ist am 2. Januar gestorben. © Ralf Deinl

András Agoston, Violinvirtuose, Hochschulprofessor, Konzertmeister und Philanthrop, der von seinen Kollegen und Freunden liebevoll „Bandi“ genannt wurde, ist am 2. Januar im Alter von 75 Jahren in seiner ungarischen Wahlheimat verstorben.

Er war viele Jahre Konzertmeister der Philharmonia Hungarica. Das Orchester, das in Marl zu Hause war, stand wie kein anderes im Land für Menschen, die nach ihrer Flucht aus der Heimat in Deutschland wieder Wurzeln schlagen konnten. Von 1960 bis 2001 war die Hungarica in Marl angesiedelt. Zu ihren prominenten Förderern und künstlerischen Begleitern gehörten unter anderem Jahrhundertgeiger Lord Yehudi Menuhin und Pianist Justus Frantz. Ab 1991 übernahm der Rumäne Andras Agoston in dem Marler Orchester den Platz des Konzertmeisters.

Exil-Ungar in Rumänien

Andras Agoston wurde 1947 in Cluj-Napoca (Klausenburg) geboren. Seine Familie gehörte zu einer großen, in Rumänien ansässigen ungarischen Minderheit. Als junger Künstler machte der hochbegabte Ausnahmegeiger schnell mit künstlerischen Erfolgen auf sich aufmerksam. András Agoston gewann viele erste Preise bei internationalen Violinwettbewerben wie dem „David Oistrach“ Wettbewerb in Wien sowie beim internationalen „Tschaikowsky“ Wettbewerb in Moskau 1972. Er war auf den Podien der großen internationalen Konzerthäuser zu Hause.

1991 verließ Andras Agoston Rumänien, um in Marl das aus ungarischen Exil-Musikern bestehende Orchester Philharmonia Hungarica als Konzertmeister anzuführen. Nachdem der Bund die Förderung für das aus 70 Musikern bestehende Orchester eingestellt hatte, kam 2001 das Aus für die Hungarica. Danach fand Agoston eine neue musikalische Wirkungsstätte als erster Konzertmeister bei der Neuen Philharmonie Westfalen in Recklinghausen. Außerdem trat er in verschiedenen Kammermusikbesetzungen immer wieder auch mit seinen Kollegen aus dem Philharmonia Hungarica auf.

Nach dem Abschied vom Orchester einen Traum verwirklicht

2012 verabschiedete sich der im Orchester hochgeschätzte Freund und Kollege in den Ruhestand. Danach verwirklichte er seinen lang gehegten Traum vom eigenen Weingut am ungarischen Plattensee.

„András Agoston war vielen Kolleginnen und Kollegen aus den Reihen der Neuen Philharmonie Westfalen sowie der Philharmonia Hungarica bis zu seinem viel zu frühen Tod noch eng verbunden – wir werden ihn sehr vermissen“, so Mark Mefsut, Sprecher der Neuen Philharmonie in seinem Nachruf auf den verstorbenen Musiker.

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