Umbau des Abwasserflusses

Zum Finale fließen mehr als 700 Millionen Euro in die „blaue“ Emscher

Ende 2021 soll der Revierfluss nach 170 Jahren von seiner Abwasserfracht befreit sein. 30 Jahre dauert das „Generationenprojekt“ bereits. Baustellen gibt es aber noch einige - auch im Vest.
Hier am Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal an der Stadtgrenze von Recklinghausen und Castrop-Rauxel werden derzeit Weinberge angelegt. © Luftbild: Jörg Gutzeit

„Der Emscher-Umbau, das größte Infrastruktur-Projekt in unserer Region, befindet sich aktuell in seiner Hochphase. Mit der Befreiung der Emscher von ihrer Schmutzwasserfracht macht das Ruhrgebiet einen großen Schritt in Richtung Zukunft am Fluss“, sagt Dr. Frank Dudda. Er ist Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Emscher-Kommune Herne. Ja, künftig soll klares Wasser im Flussbett plätschern – mit Fischen und Auenlandschaft. Rund fünf Milliarden Euro hat das Vorhaben bereits gekostet, finanziert durch die Gebührenzahler. Im Finaljahr kommen noch einmal 705 Millionen Euro oben drauf. Unsere Redaktion hat nachgefragt, wo jetzt noch Hand angelegt wird.

Weinberge am Wasserkreuz

Auf Hochtouren laufen die Arbeiten zur Renaturierung der Emscher zurzeit am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel-Henrichenburg. Dort erhält auch der zufließende Suderwicher Bach eine neue Trasse mitsamt naturnaher Mündung. Besonderes Glanzstück ist auf Recklinghäuser Stadtgebiet ein Natur-und-Wasser-Erlebnispark – inklusive Weinbergen! Wie schon am Phönixsee in Dortmund-Hörde sollen dort in Zukunft Rebstöcke wachsen, deren Traubensaft zu einem speziellen Emscher-Tröpfchen ausgebaut wird.

Riesiges Pumpwerk wird derzeit getestet

Darüber hinaus baut die Emschergenossenschaft an neuen unterirdischen Abwasserkanälen entlang des Holzbachs in Herten und Gelsenkirchen, am Schwarzbach in Essen und Gelsenkirchen sowie am Borbecker Mühlenbach in Essen und Mülheim an der Ruhr. Schwerpunkt der aktuellen Arbeiten ist jedoch Deutschlands künftig größtes Schmutzwasserpumpwerk in Oberhausen – es ist der zurzeit wichtigste Baustein zur Inbetriebnahme des gesamten Abwasserkanals Emscher.

Abwasserkanal wird im August geflutet

Der Abwasserkanal Emscher (AKE), die künftige abwassertechnische Hauptschlagader der Region, wird voraussichtlich im August auf der ganzen Länge von 51 Kilometern geflutet. Sein Herzstück, das Oberhausener Pumpwerk, durchläuft aktuell bereits die letzten Funktionstests. „Insgesamt sind zehn mächtige Pumpen nötig, um das Abwasser aus einer Tiefe von rund 40 Metern zu heben – mit einer Maximalleistung von 16.500 Litern pro Sekunde“, sagt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand bei der Emschergenossenschaft. So wird sichergestellt, dass die braune Flut am Ende die Kläranlage Emschermündung in Dinslaken erreicht, bevor sie – gereinigt – in den Rhein geleitet wird.

Im 35 Kilometer langen Abschnitt zwischen Dortmund, Recklinghausen und Bottrop ist der AKE seit September 2018 bereits in Betrieb. Stück für Stück sind seitdem große Nebenläufe wie der Hellbach in Recklinghausen oder der Ostbach in Herne an den unterirdischen Sammler angeschlossen worden. Die Emscher führt dadurch bereits deutlich weniger Abwasser als zuvor. Das zeigt: Der einstige „Rio Stinko“ ist in der Tat bald Geschichte!

Daten & Fakten

Der Abwasserkanal Emscher (AKE)

Der 51 Kilometer lange Abwasserkanal Emscher (AKE), der das Schmutzwasser zwischen Dortmund und Dinslaken aus den Zuflusskanälen aufnimmt, besteht aus Stahlbeton-Rohren mit Innendurchmessern von 1,60 und 2,80 Meter.

In acht bis 40 Metern Tiefe fließt das Abwasser mit einer Geschwindigkeit von 4 km/h. Dafür ist ein Gefälle von 1,5 Promille notwendig. Würde der Kanal mit diesem Gefälle in einer Linie verlaufen, würde er die Mündung in 80 Metern Tiefe erreichen – zu tief, um das Abwasser dort in die Kläranlage Emscher-Mündung zu heben.

Stattdessen wird das Gefälle künftig durch drei gigantische Pumpwerke ausgeglichen: in Gelsenkirchen, in Bottrop und Oberhausen. Die Anlagen in Gelsenkirchen und Bottrop laufen bereits seit Herbst 2018. Das Bauwerk in Oberhausen wird im August 2021 fertig sein. Insgesamt zehn Pumpen sollen dann maximal 16.500 Liter Abwasser pro Sekunden aus einer Tiefe von 40 Metern heben.

Lesen Sie jetzt