Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen

„Wir können ganz viel und wir können es gut“

Die Recklinghäuser Werkstätten präsentieren sich mit einem neuen Markenauftritt als Partner für Industrie, Handel und Dienstleistungsunternehmen – und vor allem für Menschen mit Behinderung.
„Umdenken“: Dr. Dietmar Kehlbreier, Christa Stüve, Heike Strototte, Christoph Marienbohm, Carsten Schmitz und Helmut Feindert (v.r.) mit den Imagebroschüren, die Bestandteil des neuen Markenauftritts der Recklinghäuser Werkstätten sind. © Meike Holz

Von der Holz-, Metall- und Textilverarbeitung über Druck, Versand, Verpackung oder die (E-)Montage bis hin zur Großreinigung und Grünpflege: In den Recklinghäuser Werkstätten arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung im Team zusammen – rund 2200 an elf Standorten im Kreis. „Wir können ganz viel und wir können es gut“, sagt Heike Strototte, Geschäftsfeldleiterin Arbeit & Qualifizierung bei der Diakonie im Kirchenkreis. „Und das“, sagt Diakonie-Geschäftsführerin Christa Stüve, „möchten wir gerne noch bekannter machen.“

Auch deshalb gehen die Recklinghäuser Werkstätten jetzt mit einem neuen Markenauftritt an die Öffentlichkeit. Imagefilm und Homepage sowie Broschüren und Info-Flyer sollen die Werkstätten in frischer und leicht verständlicher Form als innovativen Partner vorstellen: für Industrie, Handel oder Dienstleistungsunternehmen – und vor allem eben auch für Menschen mit Behinderung.

Jeder soll die Tätigkeit finden, die zu ihm passt

Die Recklinghäuser Werkstätten sind eine Einrichtung der beruflichen Rehabilitation und Integration. Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sollen dort ihre Stärken und Vorlieben entdecken und die Fähigkeiten erlernen können, die ihnen eine berufliche Teilhabe ermöglichen. Sie sollen so begleitet und unterstützt werden, dass sie eine Tätigkeit finden, die zu ihren Vorstellungen und Fähigkeiten passt: direkt in der Werkstatt, auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz in einem Unternehmen – oder am besten irgendwann auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Gleichzeitig sei man als soziales Produktions- und Dienstleistungsunternehmen aber auch sehr leistungsfähig, betont der technische Leiter der Recklinghäuser Werkstätten, Christoph Marienbohm: „Wir arbeiten zertifiziert mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit und bieten eine große Vielfalt von Produkten an.“

Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt ist schwierig

Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gibt es in Deutschland seit rund 50 Jahren. Gänzlich unumstritten sind sie nicht. So wird aktuell etwa Kritik daran geäußert, dass nur sehr wenige Menschen wirklich den Sprung aus der geschützten Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen. Und dass die Bezahlung dort weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.

„Auf dem Lohnzettel steht tatsächlich nur ein Entgelt von 125 bis 600 Euro“, sagt der hiesige Diakonie-Sprecher Michael Wiese. Letztlich sei das „Werkstatt-brutto“ aber sehr viel höher, weil staatliche Zuwendungen und Sozialversicherungsbeiträge hinzukämen.

Und die Vermittlungsquoten auf den ersten Arbeitsmarkt seien so gut, wie sie sein können. „Der Arbeitsmarkt ist in diesem Bereich leider nicht so aufnahmefähig, wie es wünschenswert wäre“, so Wiese. Deshalb bemühe sich die Diakonie weiter darum, deutlich zu machen, dass Menschen mit Behinderungen sehr leistungsstark und motiviert sein können – und dass es für Arbeitgeber zahlreiche Fördermöglichkeiten gibt.

Kooperationen mit Hochschulen

Der neue Markenauftritt der Werkstätten steht nicht zufällig unter dem Leitgedanken „Umdenken“: Dieser Begriff greife das wichtige Ziel der Inklusion auf, so Strototte: „Wir lassen uns von einer Gesellschaft beauftragen, die sagt: Versucht Inklusion für Menschen zu realisieren, die den ersten Arbeitsmarkt im Moment nicht erreichen können.“ Das machen die Werkstätten mit hochwertigen und modernen Arbeitsplätzen, wie Marienbohm sagt. Deshalb kooperiere man derzeit auch mit mehreren Hochschulen. Dabei gehe es etwa um die Entwicklung digitaler Assistenzsysteme, die Menschen mit Behinderungen weitere Tätigkeitsfelder eröffnen sollen: „Deren Rückmeldungen fließen in die Entwicklung ein, als Experten in eigener Sache.“

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