Schulen und Kitas

Weniger Tests – weniger Quarantäne

An den Schulen im Kreis Recklinghausen gibt es wesentlich mehr Quarantäne-Fälle als in den Kindertagesstätten. Das liegt zum einen an der unterschiedlichen Testhäufigkeit, hat zum anderen aber auch medizinische Gründe.
Gemeinsames Essen, enge Kontakte: Dennoch gibt es in Kindertagesstätten im Kreis Recklinghausen weniger Quarantäne-Fälle als in Schulen. © dpa

Einige hundert Schüler im Kreis Recklinghausen sind in Quarantäne: 75 von insgesamt 169 Schulen haben Quarantäne-Fälle, wie Kreissprecherin Svenja Küchmeister am Dienstag, 7. September, mitteilt. Demgegenüber ist die Zahl der betroffenen Kindertagesstätten sehr gering: In nur 14 Kitas gibt es aktuell Quarantäne-Anordnungen. Dabei dürften die Kontakte der Kinder untereinander hier enger sein als in der Schule, zumal es an Kitas teilweise offene, gruppenübergreifende Konzepte gibt.

Verpflichtende Tests an Schulen, keine Test-Kontrolle an Kitas

Svenja Küchmeister nennt als Grund für die große Differenz bei der Quarantäne die unterschiedlichen Vorgehensweise bei den Tests: „An den Schulen wird zweimal in der Woche verbindlich getestet, in den Kitas gibt es dagegen keine solche Test-Verpflichtung. Durch die regelmäßigen Tests an Schulen ist dort das Potenzial natürlich höher, Corona-Fälle aufzudecken. Und die positiven Fälle ziehen immer eine Quarantäne von mehreren Schülern nach sich.“

Auch im Umfeld von Kitas wird getestet – aber die Verbindlichkeit ist wesentlich geringer. „Wir bekommen vom Land Lolli-Tests – zwei pro Kind pro Woche -, die unsere Erzieherinnen an die Eltern weitergeben. Die Tests sind für zu Hause vorgesehen und wir hoffen, dass dort dann auch getestet wird“, berichtet Andrea Guth. Doch die Leiterin der Kita „Familienzentrum St. Johannes“ in Recklinghausen-Suderwich ergänzt: „Das Test-Angebot wird längst nicht von allen genutzt. Wir haben insgesamt 105 Kinder in unserer Einrichtung, etwa 70 der Eltern holen sich die Tests regelmäßig bei uns ab.“ Eine Kontrolle gebe es nicht. Einen Corona-Fall hatte die Recklinghäuser Kita im vergangenen November, seitdem ist sie offiziell coronafrei.

„Kleinere Kinder sind weniger anfällig für Corona“

Auch Dr. Bernd Maltaner sieht einen Grund für die vergleichsweise seltenen Quarantäne-Fälle im Kindergartenbereich in den weniger verbindlichen Tests. „In den Schulen ist das Testen verpflichtend, in den Kitas ist es eher Eigeninitiative, wird nicht abgefragt. Da ist die Testhäufigkeit dann natürlich wesentlich seltener – und auch die Zahl der festgestellten Corona-Fälle.“ Doch der Dattelner Kinderarzt sagt auch, dass kleinere Kinder weniger anfällig für Corona sind: „Studien haben festgestellt, dass bei ihnen das Risiko, das Virus zu bekommen, geringer ist als bei Erwachsenen oder auch Jugendlichen.“ Hierfür könnten verschiedene biologische Mechanismen die Ursache sein. „Es gilt hier der Satz: Je kleiner, desto weniger infektiös. So sind auch die Inzidenzzahlen bei den bis Fünfjährigen niedriger als bei den Fünf- bis 14-Jährigen.“

Unspezifische Symptome: „Krankheit wird seltener erkannt“

Zudem weist Bernd Maltaner darauf hin, dass die Symptome bei einer Corona-Erkrankung bei kleinen Kindern sowohl milder, als auch unspezifischer sind. „Jugendliche und Erwachsene klagen da oft zum Beispiel über Geruchsverlust und Kopfschmerzen – das ist schon relativ eindeutig. Bei kleinen Kindern bemerkt man oft nur zum Beispiel Husten“, berichtet der Mediziner. „Bei solch unklaren Symptomen wird eine Corona-Erkrankung natürlich seltener erkannt.“

Und solange eine Infektion nicht erkannt wird, steht auch keine Quarantäne an.

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