Sternwarte

Von der dunklen Materie bis zur gelben Quietsche-Ente

Nach einer Corona-Pause präsentiert die Sternwarte Recklinghausen wieder ein neues vielseitiges Programm - und den ersten Teil einer kleinen Ausstellung, ausdrücklich zum Anfassen.
Thema Sonnensystem: Dr. Burkard Steinrücken zeigt die anschauliche Mini-Ausstellung im Hörsaal der Recklinghäuser Sternwarte. © Meike Holz

Bei der Frage nach den Höhepunkten des neuen Sternwarten-Programms lächelt Dr. Burkard Steinrücken. „Für mich ist der große Höhepunkt, dass wir wieder vor Ort im Planetarium und Hörsaal Veranstaltungen anbieten können“, sagt der Leiter der Recklinghäuser Sternwarte. „Wir mussten im ersten Halbjahr wegen Corona schließen, hatten nur Online-Veranstaltungen. Von November 2020 bis zum Juni dieses Jahres war es sehr schwierig.“

Doch jetzt gibt es wieder ein neues Halbjahresprogramm: Bis Ende Januar reicht die Vorschau mit vielen sehr unterschiedlichen Veranstaltungen – unter 3G-Bedingungen, mit frei gelassenen Plätzen zwischen den Gästen.

Erstes Konzert nach über einem Jahr: „Nachtklänge der Schamanen“

Das eher unterhaltsame Freitags-Planetariumsprogramm beginnt diese Woche mit den „Nachtklängen der Schamanen“: „Das ist ein wirklich abgefahrenes Konzert unter dem Sternenhimmel. Günter Müller spielt Didgeridoo und verschiedene Flöten aus aller Welt – dabei hat man das Gefühl, in Australien am nächtlichen Lagerfeuer zu sitzen“, wirbt Burkard Steinrücken für das erste Planetarium-Konzert nach über einem Jahr Pause. Weitere Konzerte und literarische Veranstaltungen folgen, sofern es die Corona-Entwicklung zulässt.

Tiere orientieren sich an den Sternen

Das wissenschaftliche Vortragsprogramm steht mittwochabends auf dem Programm – mit astronomischen Themen von der dunklen Materie bis zu den Vorstellungen anderer Kulturen über die Milchstraße. Um die „Sternnavigation im Tierreich“ dreht sich dabei ein Vortrag von Burkard Steinrücken am 24. September. Hier geht es darum, wie sich Tiere orientieren – zum Beispiel mit Hilfe des Sternenhimmels, der Polarisation des Himmelslichtes, des Erdmagnetismus. Steinrücken erinnert daran, dass der Himmel früher auch für Menschen eine wichtige Orientierungshilfe war: „Der Bauer erkannte am Nachthimmel, welche Stunde und Jahreszeit es war, der Mönch richtete seine nächtlichen Gebetszeiten danach aus. All das ist uns verlorengegangen, weil wir es mit Uhren und GPS nicht mehr brauchen.“

Bislang wenige Anmeldungen von Kindergruppen

Eine weitere Säule des Programms sind die Kinder- und Familienveranstaltungen am Nachmittag. Hier heißt es zum Beispiel „Sonne, Mond und Sterne“, „Reise zu den Planeten“ oder auch „Geisterstunde“. Der Vormittagsbereich mit Angeboten für Kita- und Schulgruppen macht Steinrücken noch Sorgen: „Eigentlich haben wir da im Herbst und in der Vor-Weihnachtszeit volles Programm, oft mit zwei Gruppen am Tag. Doch bislang sind die Anmeldungen dünn.“ Der Sternwarten-Leiter weist darauf hin, dass ab sofort wieder Führungen möglich sind – mit Planetarium-Vorführungen, Filmen und Fragerunden.

Eine Mini-Ausstellung zum Sonnensystem

So unerfreulich die Veranstaltungsunterbrechung der vergangenen Monate ist, durch Corona ist auch Neues an der Sternwarte entstanden. So konnten die Sternwarten-Mitarbeiter in der Corona-Pause den ersten Teil einer kleinen Ausstellung fertigstellen: An einer Wand des Hörsaals geht es jetzt um das Thema „Sonnensystem“.

Details aus der Ausstellung zum Sonnensystem: Eine Bronzetafel verdeutlicht die Größenverhältnisse der Planeten zueinander, eine Quietsche-Ente aus dem Badezimmer die Form des nachgebildeten Kometenkerns. © Meike Holz © Meike Holz

Hier zeigt eine große Schautafel die Planeten, auf Bronzetafeln können die Bahnen der Planeten und ihre Größenverhältnisse zueinander ertastet werden. Zum Anfassen sind auch ein Eisen- und Steinmeteorit sowie die verkleinerte Nachbildung eines Kometenkerns, dessen Form an eine Quietsche-Ente erinnert – wie das daneben stehende gelbe Badezimmer-Original verdeutlicht. Komplettiert wird die kleine Ausstellung durch Illusionsokulare, mit denen sich Jupiter, Saturn, Mars und Venus wie durch ein Fernrohr beobachten lassen sowie durch kurze Filme zum Sonnensystem und zu einzelnen Planeten. „Mit der Ausstellung wollen wir den Menschen interessante und besonders populäre Themen anschaulich über verschiedene Sinne noch zugänglicher machen“, erläutert Burkard Steinrücken. Dabei ist das Sonnensystem nur der Anfang: Weitere Stationen sollen an den Wänden des Hörsaals folgen – zur Sonne, dem Mond und der Erde. Steinrücken ist sich sicher: „Das sind große spannende Themen – für Kinder und Erwachsene.“

Daten und Fakten

So erhalten Sie das Programm

Das neue Halbjahresprogramm der „Westfälischen Volkssternwarte und Planetarium Recklinghausen“ ist kostenlos in der Sternwarte (Stadtgarten 6) erhältlich und kann unter www.sternwarte-recklinghausen.de eingesehen werden.

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