Landgericht Essen

Selbstjustiz: Vier Jahre Jugendhaft für 17-Jährigen

Ein Jugendlicher aus Gladbeck sticht mit einem Messer auf einen Bekannten ein. Jetzt muss er ins Gefängnis.
Jugendhaft statt Freiheit: Der Angeklagte neben seinem Verteidiger. © Jörn Hartwich

Erst gab es Streit, dann floss Blut: Im vergangenen August hat ein erst 17-Jähriger aus Gladbeck mit einem Messer auf einen Bekannten eingestochen. Jetzt ist er verurteilt worden. Die Strafe: vier Jahre Jugendhaft.

Tagelang hatten sich die Gedanken des Angeklagten nur noch um Rache gedreht. „Er hatte nichts anderes mehr im Kopf, als seinen Bekannten abzustechen“, hieß es im Urteil des Essener Landgerichts.

Der 17-Jährige hatte im Prozess bis zuletzt von Notwehr gesprochen. Das sahen die Richter jedoch anders. Sie sprachen von „Selbstjustiz“.

„Außer Rand und Band“

Es hatte Gerede gegeben, in der Clique des Angeklagten. Eine 13-Jährige sollte vergewaltigt worden sein. Ein Mädchen, das sowohl der Angeklagte als auch das spätere Opfer gut kannten.

Schuldzuweisungen machten die Runde, Autoreifen wurden zerstochen. In der Tatnacht soll das spätere Opfer schließlich mit einer Taschenlampe in die Wohnung des Angeklagten geleuchtet haben. Das war offenbar zu viel. „Sie waren außer Rand und Band“, so Richter Volker Uhlenbrock in Richtung des Angeklagten.

Die Klinge des Messers hatte sich in den Bauch des 30-Jährigen gebohrt. Es bestand Lebensgefahr.

Zwei mitangeklagte Freunde des 17-Jährigen konnten mit der Bluttat nicht in Verbindung gebracht werde. Sie wurden wegen anderer Taten verwarnt.

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