Corona

Sechs Wochen, die den Unterschied machen

Die Infektionszahlen haben sich im Kreis Recklinghausen erfreulich entwickelt und erreichen ihren Jahrestiefststand. Doch der Impfstoffmangel bleibt eine leidige Baustelle.
40 Soldaten haben dem Kreisgesundheitsamt seit Oktober 2020 bei der Kontaktnachverfolgung geholfen. © picture alliance/dpa/

Vor sechs Wochen, als sich im Kreis Recklinghausen längst Frühlingsgefühle hätten einstellen sollen, sah die Corona-Welt im Vest noch düster aus – und die Stimmung war entsprechend gedämpft. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zum Beispiel am 1. Mai im Kreis bei 150, die Zahl der täglichen Neuinfektionen pendelte Ende April/Anfang Mai zwischen 150 und 200. Entsprechend glühten in der Kontaktnachverfolgung im Kreisgesundheitsamt die Telefondrähte.

Bis zum heutigen Tag hat sich die Situation erfreulich entspannt. Der von der Kreisverwaltung erhobene Inzidenzwert erreichte am Donnerstag einen Jahrestiefstwert von 11,9 – Tendenz fallend. Gerade mal eine Neuinfektion wurde aktenkundig.

Vergleiche zeigen, dass es im Kreis Recklinghausen aufwärts geht

Weitere Vergleiche dokumentieren, dass es aufwärts geht: Aktuell gelten im Kreis Recklinghausen nur 242 Menschen als infiziert, am 1. Mai waren es noch 2603. Und auch in den Krankenhäusern ist der Druck erst einmal raus: Wurden am 1. Mai in den Kliniken im Kreis RE 126 Patienten wegen schwerer Covid-Symptome stationär behandelt (davon 36 intensivmedizinisch), sind es aktuell nur noch zehn, von denen vier auf der Intensivstation liegen.

Die sinkenden Infektionszahlen verschaffen nicht nur den Kliniken eine Atempause, sondern auch dem Kreisgesundheitsamt. Die ersten der aktuell 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kontaktnachverfolgung kehren an ihre eigentlichen Arbeitsplätze zurück; zum Beispiel in den Kinder-, Jugend- und zahnärztlichen Dienst, wie Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister berichtet. Diese Abteilung ist auch für die Schuleingangsuntersuchungen zuständig. In der Zeit der Pandemie blieben viele Untersuchungen auf der Strecke.

Bundeswehr-Soldaten ziehen nächste Woche ab

Auch die noch verbliebenen Bundeswehrsoldaten bereiten sich auf ihren Abzug vor. Insgesamt 40 von ihnen hatten den Kreis seit Oktober 2020 in der Kontaktnachverfolgung unterstützt, 25 verstärkten das Team des Impfzentrums, 15 wurden in den mobilen Abstrichteams (15) des DRK eingesetzt. In der nächsten Woche läuft das Engagement der Soldaten im Kreis Recklinghausen aus.

An der Corona-Hotline der Kreisverwaltung herrscht unterdessen nach wie vor Hochbetrieb. „Vor allem wenn es neue Regelungen und Verordnungen gibt, rufen die Leute an“, erläutert Svenja Küchmeister. Täglich beantwortet das Telefonteam immer noch mehrere hundert Anfragen. In der ersten Phase der Pandemie war der Informationsbedarf der Bevölkerung allerdings noch größer.

Impfstoffmangel wird wohl noch zwei Wochen anhalten

Bei aller Freude über den aktuellen Corona-Trend und die damit verbundenen Freiheiten bereitet dem Kreis eine Baustelle nach wie vor große Sorgen: der Mangel an Impfstoff. Seit Anfang Juni finden in dem bei weitem nicht ausgelasteten Impfzentrum des Kreises auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen lediglich Zweitimpfungen statt. Termine für Impfwillige, die noch gar keine Spritze erhalten haben, sind zurzeit weder bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) noch bei der Kreisverwaltung zu buchen.

Der Kreis geht davon aus, dass dieser unbefriedigende Zustand, der das ganze Land Nordrhein-Westfalen betrifft, zumindest die nächsten beiden Wochen noch andauert. „Dabei wäre es wichtig, noch vor dem Herbst möglichst viele Menschen vollständig zu impfen“, betont Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister.

Es ist die Sorge vor Virusmutationen und einer vierten Welle, die die Verantwortlichen im Kreishaus trotz aktuell günstiger Zahlen umtreibt.

Niedrige Inzidenz

Teststelle an der Vestlandhalle schließt bald

Das Durchfahrtzentrum für Corona-Schnelltests an der Vestlandhalle ist beliebt bei der Bevölkerung im Kreis RE. Doch die niedrige Inzidenz im Vest lässt inzwischen wieder viele Veranstaltungen zu, die Nachfragen auch in Bezug auf das Saatbruchgelände steigen. Darum hat der Krisenstab des Kreises in Abstimmung mit dem Betreiber DRK verabredet, dass Tests an der Vestlandhalle nur noch bis zum Monatsende durchgeführt werden. Die Schnellteststelle an der Kölner Straße in Recklinghausen, ebenfalls ein Durchfahrtzentrum, bleibt bestehen und kann, sollte der Bedarf wieder steigen, seine Kapazitäten auch noch deutlich erweitern, so die Kreisverwaltung.

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